Zusammenfassung

Das österreichische Pensionssystem ist dabei, zu einer kaum noch finanzierbaren Belastung für die gesamte Volkswirtschaft zu werden. Der Grund dafür ist ein sehr erfreulicher: eine um drei Monate pro Jahr steigende Lebenserwartung. Falls nicht reformiert wird, führt das allerdings dazu, dass der Staat (real) über kurz oder lang doppelt so viel Geld aus dem Budget zuschießen muss wie heute, in 30 Jahren bereits dreimal so viel. Schon jetzt werden aus dem Bundesbudget knapp zehn Milliarden Euro pro Jahr in das Pensionssystem gepumpt. Finanziert werden die steigenden Zuschüsse vorerst über höhere Staatsschulden, letzten Endes müssen sie aber von den Steuerzahlern bezahlt werden. Die Frage ist nur, von welchen Jahrgängen – also wann.

Nun gibt es grundsätzlich vier Möglichkeiten, das staatliche Pensionssystem finanzierbar zu halten: niedrigere Pensionen, höhere Zuschüsse aus dem Budget, höhere Einzahlungen oder ein höheres Pensionsantrittsalter. Die Agenda Austria nimmt in ihrer aktuellen Studie drei Modelle unter die Lupe, um zu sehen, mit welchen Anpassungen die Pensionen tatsächlich als gesichert anzusehen sind:

  • Basismodell: Dieses Modell zeigt, wie es um die Pensionen bestellt ist, wenn die Prognosen der Regierung bzw. der Pensionskommission eintreffen.
  • Variante 1: Dieses Modell basiert auf einem raschen Anstieg des Pensionsantrittsalters auf 65 Jahre bis zum Jahr 2020 (danach bleibt das Antrittsalter konstant).
  • Variante 2: Dieses Modell zeigt, was passieren würde, wenn das Pensionsantrittsalter um drei Monate pro Jahr erhöht würde – also ungefähr an die Lebenserwartung angepasst würde. Diese Variante kommt dem „Schwedischen Modell“ am nächsten.

Die Ergebnisse sehen grob zusammengefasst so aus:

  • Hält sich die Regierung an ihren geplanten Reformpfad (Basismodell), dann bedeutet das bis 2045 Folgendes:
    • Die Beiträge klettern um mehr als die Hälfte auf gut 36 Prozent des Bruttolohns.
    • Oder ein Pensionist erhält um ein Drittel weniger Rente.
    • Oder der Bundeszuschuss steigt auf das Dreifache.
  • Entscheidet sich die Regierung für ein rasches Anheben des Pensionsantrittsalters auf 65 Jahre bis 2020 (Variante 1), geschieht bis 2045 Folgendes:
    • Die Beiträge klettern von 22,8 auf über 31 Prozent.
    • Oder die Durchschnittspension fällt um ein Viertel.
    • Oder der Zuschuss aus dem Budget steigt auf mehr als das Doppelte.
  • Was aber würde geschehen, wenn Österreich eine Pensionsreform umsetzte, die sich an das schwedische Modell anlehnt? Wenn das Pensionsantrittsalter jedes Jahr mit der Lebenserwartung mitwachsen würde, im konkreten Fall jeweils um drei Monate (Variante 2)? Dies würde bedeuten:
    • Die Beiträge steigen bis 2045 auf 26 Prozent, fallen bis 2060 aber auf das heutige Niveau zurück.
    • Oder die Durchschnittspension fällt bis 2045 um neun Prozent, steigt bis 2060 aber wieder auf das aktuelle Niveau.
    • Der Zuschuss aus dem Budget steigt zwar bis 2045 auf gut das 1,6-Fache von heute, sinkt danach aber deutlich auf weniger als heute ab.

Verteidiger des bestehenden Pensionssystems führen ins Treffen, dass keine weiteren Korrekturen nötig seien, um das System finanziell stabil zu halten. Mit folgenden Argumenten:

  • „Der angepeilte Anstieg des Pensionsantrittsalters ist ausreichend.“
  • „Wenn es mehr Beitragszahler gibt, bleibt das Pensionssystem stabil.“
  • „Eine steigende Produktivität hält das System finanzierbar.“

Diese Thesen sind nach eingehender Prüfung nicht haltbar. Schon allein deshalb nicht, weil deren Eintreten als höchst spekulativ zu bezeichnen ist und diese Argumente daher für eine solide Planung des staatlichen Pensionssystems nicht geeignet sind.

Die Agenda Austria empfiehlt daher, das österreichische Pensionssystem schrittweise auf das schwedische Modell umzustellen. In Schweden zahlt jeder Bürger auf ein fiktives Pensionskonto ein. Beim Pensionsantritt wird der Betrag auf dem Konto durch die Zahl der (statistisch noch) zu erwartenden Lebensjahre dividiert.

Die Höhe der Pension hängt also davon ab, wie lange sie voraussichtlich noch bezogen wird. Gleichzeitig garantiert der Staat eine Mindestpension. Das schwedische System ist nachhaltig, weil es sich automatisch an demographische Entwicklungen anpasst – langwierige politische Diskussionen sind nicht mehr nötig. Das Ergebnis ist für alle Generationen fair.

Die ersten Vertreter der Babyboom-Generationen gehen demnächst in Pension, die letzten werden es in spätestens zehn bis 15 Jahren tun. Dann werden die Auszahlungen noch deutlicher über den Einzahlungen in das staatliche Pensionssystem liegen. Deshalb braucht es schnell einen Automatismus, der diese zusätzliche Belastung abfängt: Und zwar, indem es einen klaren Zusammenhang zwischen Pensionsdauer und Pensionshöhe gibt. Den österreichischen Pensionsanwärtern ist es zumutbar, in einem ersten Reformschritt pro Jahr drei Monate später in Pension zu gehen (Variante 2). Um später ein immer höheres Pensionsantrittsalter zu vermeiden, empfehlen wir als zweiten Schritt einen gänzlichen Umstieg auf das schwedische System. Dann können die Anwärter selbst entscheiden, ob sie früher mit einer geringeren Rente oder später mit einer höheren in Pension gehen wollen. Auch das ist zumutbar. Im Gegenzug wäre das staatliche Pensionssystem stabilisiert – und zwar dauerhaft.