Wenn die Sonne angeblich keine Rechnung schickt, dann sollten das die Flüsse und Bäche Österreichs doch auch nicht tun, oder? Viereinhalb ökonomische Ideen für billigeren Strom.
Wie kann es eigentlich sein, dass wir in einem Land, das seinen Strom schon erneuerbar produzierte, als es noch nicht cool war, weltweit mit am stärksten zur Kasse gebeten werden, sobald wir den Stecker in die Steckdose stecken? Da kommen nun 90 Prozent unseres Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen – mehr als in jedem anderen Land in der EU[1] – und doch steigen die Preise immer weiter. Auch die Stromkostenbremse konnte den Stöpsel nur kurz auf der Flasche halten; die österreichischen Haushalte zahlten Ende 2025 laut Eurostat über 30 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich mehr als im EU-Schnitt. Für die Industrie sieht es nur wenig besser aus. Je mehr Strom ein Betrieb verbraucht, desto weniger berappt er zwar in der Regel pro Kilowattstunde. Im Schnitt sind es aber trotzdem fast zwei Cent mehr pro Kilowattstunde als bei den meisten Konkurrenten in Europa (vgl. Abbildung 1). Wer energieintensiv produziert, wird Österreich daher bei der Standortentscheidung eher nicht in die nähere Auswahl nehmen.
Dass wir auf das Vorkrisenniveau zurückkommen, scheint kurzfristig aussichtslos, da der Gaspreis, der unsere Strompreise wegen der Merit Order[2] entscheidend mitbestimmt, eben auch nicht auf das Vorkrisenniveau zurückgegangen ist. Aber wenigstens im Verhältnis zum EU-Schnitt müsste sich doch etwas machen lassen.
Wir wissen schon, was Sie jetzt denken: Beschweren sich da gerade wirklich die Marktliberalen von der Agenda Austria über zu hohe Preise? Geben sie quasi zu, dass Preise „falsch“ sein können? Man möchte es ja kaum laut aussprechen, aber das würde immerhin bedeuten, dass die Märkte in ihrer unendlichen Weisheit einen Fehler gemacht haben, als sie die österreichischen Strompreise ausgewürfelt haben. Soll jetzt vielleicht ein Markteingriff für „bessere“ Preise sorgen, die dann auch der Agenda Austria genehm sind?
Weit gefehlt. So marktlästerlich könnte man nämlich nur sprechen, wenn es in Österreich so etwas wie einen Strommarkt gäbe. Tatsächlich speisen aber nur ein paar wenige Versorgungsunternehmen, die allesamt in staatlicher Hand sind und sich durch höchst dubiose wechselseitige Beteiligungsstrukturen auszeichnen, in ein Netz ein, das ebenfalls von wenigen Unternehmen betrieben wird, die sogar noch stärker staatlich und nicht weniger dubios miteinander verwoben sind. Mit echten Marktpreisen hat das alles wenig zu tun. Dazu kommen dann noch alle Arten von Steuern und Abgaben und die Umlage für die Erneuerbaren-Förderung. Wir zahlen also nicht deshalb so viel für Strom, weil es ökonomisch (oder wenigstens technisch-betriebswirtschaftlich) begründbar wäre, sondern weil es politisch so gewollt ist.
Daher nein, wir verlangen keinen Markteingriff. Wir verlangen einen Markt. Unser Argument ist, dass die Stromrechnung niedriger sein könnte, wenn wir einen funktionstüchtigen, sauberen Strommarkt hätten.
Mag sein, dass der Strom auch billiger würde, wenn wir mehr Windräder oder Atomkraftwerke bauen oder wenn wir im Weinviertel fracken würden. Aber als Ökonomen verstehen wir dann eben doch mehr von Märkten als von Wirkungsgraden und Wechselrichtern. Die technische Seite überlassen wir daher lieber den Ingenieuren. Wir wollen viereinhalb ökonomische Wege aufzeigen, die helfen könnten.
Wer die Strompreise senken will, muss wissen, woraus sie eigentlich bestehen. In Österreich sind das im Wesentlichen vier Teile (vgl. Abbildung 2): Der eigentliche Strom macht inzwischen weniger als die Hälfte der Stromrechnung aus (gelb), etwa ein Drittel sind Netzentgelte (hellorange). Dann kommen noch Steuern und Abgaben (orange) und die Erneuerbaren-Förderung dazu (blau).
In allen vier Segmenten lässt sich etwas machen. Das größte Potenzial liegt sicherlich bei den Netzentgelten (a); dort würden schon kleine Anpassungen bei der Netzfinanzierung helfen. Beim Strom selbst gilt es vor allem, den Wettbewerb zu stärken (b). Steuern senken geht sowieso immer (c) und die Erneuerbaren-Förderung sollte man einfach abschaffen (d). Und das i-Tüpfelchen wäre ein umfassender Mentalitätswandel (e), der Haushalte eiskalt den Stromanbieter wechseln lässt, wenn ein anderer um einen Cent billiger ist, und der die Ämter aufhören lässt, die Energiewende mit ihrer Paragrafenreiterei zu bremsen.
Fußnoten
Österreichs zentrales Budgetproblem ist seit langem bekannt: Der Staat verfügt über die dritthöchsten Einnahmen aller Euroländer und machte daraus 2025 das vierthöchste Defizit, weil die Ausgaben viel zu hoch sind. Die Diagnose ist daher wenig umstritten: Wer die öffentlichen Finanzen nachhaltig sanieren will, muss auf der Ausgabenseite anse
Was Österreich vom Projekt „Afuera“ lernen kann. Lernen muss.
Unser Vorschlag zeigt, wie Österreich durch konsequente Ausgabendisziplin und strukturelle Reformen wieder finanzielle Spielräume gewinnt.
Die türkis-rot-pinke Dreierkoalition wird ein Jahr alt. Doch was ist schon ein Jahr? Zeit ist bekanntlich relativ. Wäre die Regierung ein Baby, würden wir uns nun auf die ersten zaghaften Schritte freuen; wäre sie aber ein Goldhamster, würden wir schon mal ein kleines Loch im Garten vorbereiten.
Die öffentliche Hand besitzt gewaltige Teile der österreichischen Wirtschaft. Zeitgemäß ist das nicht. Privatisierung ist das Gebot der Stunde. Am Ende gewinnen alle.
Neue Regierung, alter Kurs: Wer mit der neuen Bundesregierung auf Reformen hoffte, hat sich getäuscht. Unsere Grafiksammlung 2025 veranschaulicht, wo die Probleme liegen.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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