Die Energiewende wird nicht stattfinden, wenn keiner mehr mitmachen will, wenn es hart auf hart kommt. Die Verhinderer sitzen auch in den Ämtern. Bürokratie und Überregulierung erschweren das gesamte Vorhaben. Die Genehmigung der neuen Salzburgleitung hat fast sechseinhalb Jahre gedauert; gebaut wurde dann noch einmal fünf Jahre![1]Allein die (noch immer fehlende) Deutschlandleitung hätte im Winter 2025/26 bis zu 375 Millionen Euro an Stromkosten gespart (da hat es allerdings eher an den Deutschen gelegen).[2] Der Ausbau der Netze muss einfach schneller werden. Schon heute türmen sich die Anschlussbegehren, während die verfügbaren Kapazitäten an allen (!) Umspannwerken Österreichs mit Null angegeben werden.[3] Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) wird mancherorts zwar für Erleichterung sorgen. Trotzdem hätten viele offenbar lieber mehr als weniger Regulierung. Es wurde zwar mit Unverständnis aufgenommen, dass das neue Google-Rechenzentrum in Kronstorf keine Umweltverträglichkeitsprüfung braucht, obwohl jeder Windpark so eine Prüfung durchlaufen muss – die Conclusio war dann aber nicht, dass der Windpark zu viel reguliert wird, sondern das Rechenzentrum zu wenig.
Zum Schluss noch ein Aufruf an jeden von uns. Auch wenn sich alle unsere Empfehlungen bis hierher an die Politik richteten, kann sie uns eine Sache nicht abnehmen: Preise vergleichen. Die Österreicher wechseln ihren Stromanbieter zu selten. Natürlich ist es ein Ärgernis, dass die Stromversorger ihre Tarifsysteme so kompliziert wie möglich gestalten; der Trick ist so alt wie die Welt und wird von Produzenten besonders homogener Güter angewendet, die sich nicht durch Qualitätsunterschiede von ihren Konkurrenten abheben können. Aber trotzdem geht ein Tarifvergleich und -wechsel so schnell und einfach wie noch nie. Die E-Control hilft.[4] Von der akuten Energiekrise 2022 einmal abgesehen, lohnt sich ein Wechsel meistens. Derzeit lassen sich vier Cent pro Kilowattstunde sparen (vgl. Abbildung 8). Wenn das keine ausreichende Motivation ist, dann haben die Leute vielleicht einfach zu viel Geld.
Was soll mit ihr sein? Die Merit Order bleibt, wie sie ist. Dass sie hierzulande so einen schlechten Ruf genießt, haben wir dem österreichischen Wirtschaftsjournalismus zu verdanken. Er kam vor Jahren auf die glorreiche Idee, die Funktionsweise mit „das teuerste Kraftwerk bestimmt den Preis“ zu verballhornen – eine Formel, die Herrn und Frau Österreicher natürlich an die Decke gehen ließ. Doch tatsächlich sorgt die Merit Order dafür, dass der Strom zu jeder Stunde des Tages so billig ist, wie er eben sein kann. Obwohl die Merit Order nicht nur in ganz Europa, sondern eigentlich in allen liberalisierten Strommärkten weltweit zum Einsatz kommt, diskutiert man wohl nirgendwo so aufgeregt darüber wie bei uns.
Dabei ist die Diskussion müßig. Ja, an Tagen, an denen ein Gaskraftwerk gebraucht wird, verdienen die Erneuerbaren kräftig. Aber an allen anderen Tagen verdienen sie nichts. Auf den teuren Tagen beruht ihre gesamte Kalkulation. Ohne sie würde kein einziges Windrad mehr gebaut. Natürlich könnte man den Vorschlag des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) aufgreifen und zumindest die CO₂-Bepreisung herausrechnen.[5] Das würde kurzfristig eine kleine Erleichterung bringen. Langfristig wollen wir aber als Gesellschaft, dass die Windparkbetreiber jeden Anreiz haben, Speicher zu bauen, um den Strom, den sie bis jetzt quasi verschenken müssen, für genau die Stunden und Tage aufzuheben, an denen der Wind nicht weht – damit die Gaskraftwerke immer seltener gebraucht werden. Jeder Eingriff in die ungeliebte Merit Order schwächt diese Anreize.
Fußnoten
Wie Österreich aus 90 Prozent erneuerbarem Strom einen der höchsten Strompreise Europas macht.
Wenn die Sonne angeblich keine Rechnung schickt, dann sollten das die Flüsse und Bäche Österreichs doch auch nicht tun, oder? Viereinhalb ökonomische Ideen für billigeren Strom.
Österreichs zentrales Budgetproblem ist seit langem bekannt: Der Staat verfügt über die dritthöchsten Einnahmen aller Euroländer und machte daraus 2025 das vierthöchste Defizit, weil die Ausgaben viel zu hoch sind. Die Diagnose ist daher wenig umstritten: Wer die öffentlichen Finanzen nachhaltig sanieren will, muss auf der Ausgabenseite anse
Was Österreich vom Projekt „Afuera“ lernen kann. Lernen muss.
Unser Vorschlag zeigt, wie Österreich durch konsequente Ausgabendisziplin und strukturelle Reformen wieder finanzielle Spielräume gewinnt.
Die türkis-rot-pinke Dreierkoalition wird ein Jahr alt. Doch was ist schon ein Jahr? Zeit ist bekanntlich relativ. Wäre die Regierung ein Baby, würden wir uns nun auf die ersten zaghaften Schritte freuen; wäre sie aber ein Goldhamster, würden wir schon mal ein kleines Loch im Garten vorbereiten.
Die öffentliche Hand besitzt gewaltige Teile der österreichischen Wirtschaft. Zeitgemäß ist das nicht. Privatisierung ist das Gebot der Stunde. Am Ende gewinnen alle.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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