Wer braucht schon Freihandel?

Handlungsempfehlungen

Globalisierung mitgestalten: Anstatt sich zunehmend abzuschotten und die Krise somit weiter zu verschärfen, sollte die Situation als Chance genutzt werden, um Probleme zu beheben und die globale Welt für den Aufschwung zu nutzen. Dazu gilt es, sich dem Wettbewerb zu stellen, denn dieser macht Österreichs Produkte besser und effizienter. Österreichs Wohlstand ist nur in Kooperation mit dem Ausland zu halten und auszubauen, Handelsbarrieren sollten daher abgebaut und internationale Beziehung verstärkt werden.

Österreichs Wohlstand ist nur in Kooperation mit dem Ausland zu halten.

Wettbewerbsfähigkeit stärken: Sektoren mit Wettbewerbsvorteilen erweisen sich in Krisen als stabiler. Um die Globalisierung voll zu nutzen, sollte die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Firmen gestärkt und komparative Vorteile daher ausgebaut werden. Maßnahmen hierfür sind zum Beispiel:

  • Die Reduktion der in Österreich im internationalen Vergleich sehr hohen Arbeitskosten. Einerseits stärkt es den Arbeitsmarkt, wenn Arbeitgeber geringere Kosten für ihre Angestellten tragen, zum anderen sollten Arbeitnehmer einen größeren Anteil ihrer erwirtschafteten Leistung behalten dürfen. Zu erreichen ist das nicht über Lohnkürzungen, sondern über eine Kürzung der Zuwendungen an den Staat, was dort für den nötigen Effizienzdruck sorgt.
  • Oft wird eine Idee in Österreich im Keim erstickt oder erst im Ausland umgesetzt, denn die Bürokratie macht innovativen Plänen häufig einen Strich durch die Rechnung. Um mehr Dynamik zu entwickeln, sollte es größeren Freiraum für das Unternehmertum geben. Unternehmensgründungen müssen schneller und günstiger möglich sein. Erste Bemühungen, dies digital zu bewerkstelligen, sollten weiterverfolgt werden. Die Gewerbeordnung aus dem letzten Jahrhundert ist mit Entschlossenheit zu liberalisieren. Das beginnt am besten bei der Wirtschaftskammer Österreich.
  • Öffnungszeiten sollten sich an den Wünschen von Kunden, Arbeitgebern und Arbeitnehmern und nicht an den Vorlieben von Kirche und Gewerkschaft orientieren. Zudem sollten internationale Bildungsabschlüsse besser anerkannt werden.
  • Das Bildungssystem sollte sowohl Leistungsschwache wie auch gute Schüler besser fördern. Zwar wird für Bildung und Forschung viel Geld in die Hand genommen, aber niemand kontrolliert, was mit diesem Geld erreicht bzw. nicht erreicht wird. Hier braucht es eine verpflichtende Effizienzkontrolle, um sehen zu können, in welchen Bereichen das eingesetzte Geld der Steuerzahler die höhere Wirkung entfaltet.
Nicht eine Lokalisierung, sondern eine bessere überregionale Verteilung von Lieferketten hilft, den Außenhandel stabiler zu gestalten.

Technologien nutzen: Jede Krise ist anders und eine Sicherheit über die Zukunft haben wir nicht. Daher müssen wir auch im Bereich der Lieferketten eine bessere Risikobewertung erstellen. Unternehmen sollten daher verstärkt die Fähigkeiten von Algorithmen für die Erstellung ihrer Lieferketten nutzen, um anhand von Daten eine optimale Lagerhaltung zu ermöglichen. Damit können sie auf Ausfälle reagieren und rechtzeitig auf andere Regionen ausweichen.

Diversifikation verstärken: Nicht eine Lokalisierung, sondern eine bessere überregionale Verteilung von Lieferketten hilft, den Außenhandel stabiler zu gestalten. So kann auf regionale Produktionsausfälle durch Verlagerung der Vorleistungen schnell reagiert werden.

Es ist wichtig, den Menschen, die im internationalen Wettbewerb ihren Arbeitsplatz verlieren, eine Perspektive zu bieten. 

Niemanden zurücklassen: Handel und Globalisierung haben zweifelsohne dazu beigetragen, den globalen wirtschaftlichen Kuchen zu vergrößern und in den letzten Jahrzehnten mehr als eine Milliarde Menschen aus der Armut zu befreien – wobei nicht alle in gleichem Maße davon profitiert haben, einige haben sogar Verluste erlitten. Trotz einer Verringerung der globalen Ungleichheit fühlen sich Menschen zurückgelassen. Das führt dazu, dass das Bild der Globalisierung negativ ist und es möglicherweise zu politischen Spannungen kommt.

  • Menschen aufklären: Keinesfalls sollten Politiker die vorhandenen Ressentiments weiter anfeuern. Das Ziel der Politik muss vielmehr sein, die Personengruppen, die sich als Verlierer der Globalisierung sehen, aufzuklären sowie gegebenenfalls aufzufangen und bei der Reintegration zu unterstützen. Bei einem so wichtigen Thema wie den internationalen Verflechtungen sollte für alle interessierten Personen ein Wissenstand vermittelt und erreicht werden, der eine fundierte Abschätzung von Vor- und Nachteilen zulässt. Die Politik würde gut daran tun, die eigene Klientel aufzuklären, statt sich abzuschirmen und damit die Zukunft des Landes zu verbauen. Das fängt bei einer grundsätzlichen Wirtschaftsbildung in der Schule und einer Verbesserung der genutzten Bildungsunterlagen an. Aber auch bei Entscheidungen über den Außenhandel sollte die Deutungshoheit nicht länger den Populisten überlassen werden. Ein wesentlicher Faktor, der zur Aufklärung in Sachen Freihandel und Globalisierung beiträgt, ist das Wissen (oder eben oft Unwissen), das in Schulbüchern vermittelt wird. Nicht selten wird hier leider viel Ideologie, aber wenig Fachwissen und Objektivität vermittelt.
  • Weiterbildung ermöglichen: Der österreichische Sozialstaat ist bereits gut ausgebaut. Allerdings kommt es zunehmend zu strukturellen Problemen am Arbeitsmarkt und damit zur Verfestigung der Arbeitslosigkeit. Wichtig ist es daher, nicht nur Menschen, die im internationalen Wettbewerb ihren Arbeitsplatz verlieren, aufzufangen, sondern auch, ihnen eine Perspektive zu bieten und sie wieder in den Arbeitsprozess zurückzuführen. Die Aus- und Weiterbildung von Menschen sowie die Schaffung neuer Arbeitsplätze sollte daher im Fokus der Regierung stehen und stärker ausgebaut werden.


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© 2022 Agenda Austria
Wer braucht schon Freihandel? / 16.12.2020
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