Argentinisches Souvenir

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Österreich ist nicht Argentinien. Oder doch?

Bevor wir zu den eigentlichen Reformen kommen, könnte man sich fragen: Was hat das Ganze nun mit Österreich zu tun? Warum sollte Milei für uns relevant sein? Die Unterschiede zwischen Österreich und Argentinien sind schließlich offensichtlich.

 

Liniendiagramm: Staatsausgaben Österreichs und Argentiniens im Vergleich, 1880–2023 (in Prozent des BIP). Österreich verzeichnet seit Mitte des 20. Jahrhunderts deutlich höhere Staatsausgaben als Argentinien – zuletzt rund 50–55 % des BIP gegenüber etwa 30–40 % in Argentinien. Quelle: IWF.

Abbildung 1: Staatsquoten

Wirklich? Allzu einfach sollte man es sich nicht machen. Natürlich haben wir keine Trash-Währung wie den argentinischen Peso, sondern können uns – so gesehen – mit dem Euro doch glücklich schätzen. Inflation wird bei uns noch pro Jahr gedacht und nicht pro Tag wie zuletzt in Argentinien. Der letzte Staatsstreich und der letzte Zahlungsausfall liegen bei uns auch schon etwas länger zurück. Doch die Wirtschaftsdaten beider Länder sind für manche Überraschung gut. Zum Beispiel ist Österreich traditionell sogar noch staatslastiger, als es Argentinien selbst in seinen düstersten Zeiten war (vgl. Abbildung 1). Das argentinische Budgetdefizit betrug in den beiden Jahren vor Mileis Amtsantritt gemäß Internationalem Währungsfonds (IWF) rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP); bei uns sind es aktuell 4,2 Prozent und wir sind sogar noch stolz darauf. Bei der Staatsschuldenquote lagen wir 2025 genau gleichauf (vgl. Abbildung 2); Argentinien ist inzwischen sogar viel frugaler unterwegs als wir.

Liniendiagramm: Staatsverschuldung Österreichs und Argentiniens im Vergleich, 1993–2030 (in Prozent des BIP). Beide Länder lagen 2025 bei knapp über 80 % des BIP. Laut IWF-Prognose steigt Österreichs Schuldenquote weiter, während Argentiniens Schuldenquote seit Mileis Amtsantritt sinkt und bis 2030 auf rund 60 % fallen soll. Quelle: IWF.

Abbildung 2: Schuldenquoten

Die argentinische Teuerung lag 2024 bei über 200 Prozent und ist mit unserer wohl kaum vergleichbar; aber auch wir haben ein Problem mit Preisinstabilität und seit Jahren höhere Teuerungsraten als vielerorts in Westeuropa. Was die Verquickung von Staat und Wirtschaft angeht, sind wir sogar viel näher an Argentinien als an der EU-15. Über ein Fünftel der Marktkapitalisierung in Argentinien ist in staatlicher Hand; bei uns ebenso (vgl. Abbildung 3).

Auch in puncto Bürokratie und Überregulierung braucht Argentinien von uns keine Belehrungen. In Buenos Aires dauert eine Baugenehmigung für eine Lagerhalle 318 Tage. Da können wir uns in Wien mit 222 Tagen fast noch glücklich schätzen. In Seoul dauert es aber nur 28, in Kopenhagen 64 und in Los Angeles 68 Tage[1]. Und für unsere fast vollständige Kollektivvertragsabdeckung, das ausgefuchste, quasi-staatliche Kammerwesen und opulente Machtgefäße wie SPÖ/ÖGB/AK würde sogar Perón anerkennend die Orden klimpern lassen.

Balkendiagramm: Anteil der Marktkapitalisierung unter staatlicher Kontrolle, 2024, in Prozent – internationaler Ländervergleich. Österreich (orange hervorgehoben) liegt mit rund einem Fünftel im oberen Drittel, knapp vor Argentinien (blau). Vor Österreich rangieren fast ausschließlich ehemalige Ostblockstaaten sowie Saudi-Arabien und Kolumbien. Vergleichbare EU-15-Länder liegen meist unter zehn Prozent. Quelle: OECD.

Abbildung 3: Staatswirtschaft

Ein bisschen hinhören könnten wir also schon, was Milei dort drüben so treibt. Für uns in Österreich ist das viel relevanter, als Sie vielleicht geglaubt haben.

Was hat Milei denn nun gemacht?

Javier Milei ist der Anti-Perón. Er stellt die traditionelle Wirtschaftspolitik Argentiniens vom Kopf auf die Füße. Die Staatsausgaben werden massiv heruntergefahren, die Unternehmen dem Wettbewerb ausgesetzt, die Übermacht der Gewerkschaften beschnitten. Man nehme den Peronismus und verkehre ihn in sein Gegenteil. Er ist nicht der Erste, der das versucht hat. Aber die Konsequenz, mit der er seine Pläne verfolgt ist wohl beispiellos.

Das Projekt Milei lässt sich auf zwei Kernpunkte reduzieren:


Fußnoten

  1. https://archive.doingbusiness.org/en/scores. Die Daten stammen aus dem Doing Business Report 2020 der Weltbank und werden leider nicht mehr aktualisiert. Es ist dennoch der aktuellste internationale Vergleich, den es zu diesem Thema gibt.
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