Bevor wir zu den eigentlichen Reformen kommen, könnte man sich fragen: Was hat das Ganze nun mit Österreich zu tun? Warum sollte Milei für uns relevant sein? Die Unterschiede zwischen Österreich und Argentinien sind schließlich offensichtlich.
Wirklich? Allzu einfach sollte man es sich nicht machen. Natürlich haben wir keine Trash-Währung wie den argentinischen Peso, sondern können uns – so gesehen – mit dem Euro doch glücklich schätzen. Inflation wird bei uns noch pro Jahr gedacht und nicht pro Tag wie zuletzt in Argentinien. Der letzte Staatsstreich und der letzte Zahlungsausfall liegen bei uns auch schon etwas länger zurück. Doch die Wirtschaftsdaten beider Länder sind für manche Überraschung gut. Zum Beispiel ist Österreich traditionell sogar noch staatslastiger, als es Argentinien selbst in seinen düstersten Zeiten war (vgl. Abbildung 1). Das argentinische Budgetdefizit betrug in den beiden Jahren vor Mileis Amtsantritt gemäß Internationalem Währungsfonds (IWF) rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP); bei uns sind es aktuell 4,2 Prozent und wir sind sogar noch stolz darauf. Bei der Staatsschuldenquote lagen wir 2025 genau gleichauf (vgl. Abbildung 2); Argentinien ist inzwischen sogar viel frugaler unterwegs als wir.
Die argentinische Teuerung lag 2024 bei über 200 Prozent und ist mit unserer wohl kaum vergleichbar; aber auch wir haben ein Problem mit Preisinstabilität und seit Jahren höhere Teuerungsraten als vielerorts in Westeuropa. Was die Verquickung von Staat und Wirtschaft angeht, sind wir sogar viel näher an Argentinien als an der EU-15. Über ein Fünftel der Marktkapitalisierung in Argentinien ist in staatlicher Hand; bei uns ebenso (vgl. Abbildung 3).
Auch in puncto Bürokratie und Überregulierung braucht Argentinien von uns keine Belehrungen. In Buenos Aires dauert eine Baugenehmigung für eine Lagerhalle 318 Tage. Da können wir uns in Wien mit 222 Tagen fast noch glücklich schätzen. In Seoul dauert es aber nur 28, in Kopenhagen 64 und in Los Angeles 68 Tage[1]. Und für unsere fast vollständige Kollektivvertragsabdeckung, das ausgefuchste, quasi-staatliche Kammerwesen und opulente Machtgefäße wie SPÖ/ÖGB/AK würde sogar Perón anerkennend die Orden klimpern lassen.
Ein bisschen hinhören könnten wir also schon, was Milei dort drüben so treibt. Für uns in Österreich ist das viel relevanter, als Sie vielleicht geglaubt haben.
Javier Milei ist der Anti-Perón. Er stellt die traditionelle Wirtschaftspolitik Argentiniens vom Kopf auf die Füße. Die Staatsausgaben werden massiv heruntergefahren, die Unternehmen dem Wettbewerb ausgesetzt, die Übermacht der Gewerkschaften beschnitten. Man nehme den Peronismus und verkehre ihn in sein Gegenteil. Er ist nicht der Erste, der das versucht hat. Aber die Konsequenz, mit der er seine Pläne verfolgt ist wohl beispiellos.
Das Projekt Milei lässt sich auf zwei Kernpunkte reduzieren:
Fußnoten
Was Österreich vom Projekt „Afuera“ lernen kann. Lernen muss.
Unser Vorschlag zeigt, wie Österreich durch konsequente Ausgabendisziplin und strukturelle Reformen wieder finanzielle Spielräume gewinnt.
Die türkis-rot-pinke Dreierkoalition wird ein Jahr alt. Doch was ist schon ein Jahr? Zeit ist bekanntlich relativ. Wäre die Regierung ein Baby, würden wir uns nun auf die ersten zaghaften Schritte freuen; wäre sie aber ein Goldhamster, würden wir schon mal ein kleines Loch im Garten vorbereiten.
Die öffentliche Hand besitzt gewaltige Teile der österreichischen Wirtschaft. Zeitgemäß ist das nicht. Privatisierung ist das Gebot der Stunde. Am Ende gewinnen alle.
Neue Regierung, alter Kurs: Wer mit der neuen Bundesregierung auf Reformen hoffte, hat sich getäuscht. Unsere Grafiksammlung 2025 veranschaulicht, wo die Probleme liegen.
Damit die österreichische Wirtschaft wieder wachsen kann, ist Veränderung nötig. Das Stichwort lautet: schöpferische Zerstörung.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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