Spanien steht vor Neuwahlen. Die Sozialisten wollen aus den Wohnungsmarktprotesten neue Kraft schöpfen und im Amt bestätigt werden. Wenn das gelingt, wäre es keine gute Nachricht für Wohnungssuchende.
Wenn der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez bald wirklich aus dem Amt gefegt werden sollte, wäre das nicht ohne Ironie. Überall auf der Welt erobern gerade Sozialisten die Rathäuser, indem sie den geplagten Großstädtern günstige Mieten versprechen. Und nun stolpert ausgerechnet ein Sozialist über die Wohnungskrise in Madrid?
Er sollte. Denn Antworten auf die Krise hat Sanchez keine. Delogierungen auszusetzen, Befristungen aufzuheben und Immobilienfonds zu verbannen, löst kein Problem. Wie überall fehlt es auch in den spanischen Großstädten in erster Linie an Wohnraum. Nachdem die Finanzkrise die spanischen Banken kräftig durchgeschüttelt hatte, ging die Wohnbautätigkeit in einen jahrelangen Sturzflug über. Vor allem im Großraum Madrid wuchs die Bevölkerung bald schneller als der Wohnungsbestand. Von 2001 bis 2021 kamen 1,3 Millionen Menschen dazu – der Wohnungsbestand wuchs aber um nicht einmal eine halbe Million. Die Zinswende 2022 machte es nicht gerade einfacher. Während die Altmieter einander die billigen Mietverträge aus Francos Zeiten vererben, schießen die Neumieten in lichte Höhen.
Das kommt Ihnen bekannt vor? Natürlich. Die Probleme sind von hier bis New York überall dieselben. Und die Antworten der Sozialisten sind es auch: Weniger Markt, noch mehr Regulierung und staatliche Wohnbauprojekte, die über das Stadium der Ankündigung oft nicht hinauskommen. Mit ähnlichen Rezepten hofft Sanchez nun, seine politische Position zu verbessern. Ob das aufgeht, ist offen. Schließlich wohnt in Spanien nur jeder vierte Haushalt zur Miete.
Die Erkenntnis, dass die Wohnungsknappheit weltweit den Nachwehen der Finanzkrise und dem starken Zug in die Städte geschuldet ist, und dass die Politik akribisch falsch darauf reagiert hat, sollte sich möglichst bald durchsetzen. Je länger wir in die falsche Richtung steuern, desto schwerer wird es, das Schlamassel irgendwann zu beheben.
(Erstmals erschienen am 7. Oktober 2026 in “Kleine Zeitung”)
Neue Steuern kommen gern mit hohen Freigrenzen. Ist der Fuß einmal in der Tür, trifft sie bald aber jeden.
Im verbissenen Kampf gegen rechts wurde auf die Gefahr von links vergessen. Wohin das führt, zeigt sich gerade in New York und in Berlin.
Städter überall auf der Welt wählen traditionell linke Parteien, weil sie ausgerechnet ihnen zutrauen, den Wohnungsmarkt in den Griff zu bekommen. Wie kommen sie auf diese Idee?
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Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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