Die Strompreise in Österreich sind zu hoch. Und das, obwohl wir so viel Strom aus erneuerbaren Quellen haben, wie nirgends sonst in der EU. Was wir aber nicht haben: Einen funktionierenden Strommarkt.
In großen roten Ziffern wirbt die TIWAG mit 9,8 Cent pro Kilowattstunde. Doch wenn Sie am Ende des Jahres auf die Stromrechnungen schauen, werden es trotzdem wieder fast 30 Cent gewesen sein. Geht da etwas nicht mit rechten Dingen zu?
Ach, wenn es doch nur der Strom wäre! Über die Hälfte der Stromrechnung besteht ja inzwischen aus Netzentgelten, Steuern und anderen Gemeinheiten. Die Umsatzsteuer, die zu den 9,8 Cent noch hinzukommt, steht im Kleingedruckten. Dann muss der Strom noch vom Kraftwerk bis zu Ihnen in die Steckdose gelangen; dafür zahlen Sie Netzentgelte und darauf entfällt – Sie ahnen es – Umsatzsteuer. Dann kommen noch Gebrauchsabgaben, die Elektrizitätsabgabe und die Umlage für die Erneuerbaren-Förderung dazu. Und ob Sie es nun glauben oder nicht: Auch auf die Abgaben zahlen Sie Umsatzsteuer. Am Ende liegen wir bei den Stromkosten im europäischen Spitzenfeld. Und das, obwohl über 90 Prozent unseres Stromverbrauchs – mehr als irgendwo sonst in der EU – aus erneuerbaren Quellen kommt.
Wenn der Strom günstiger werden soll, brauchen wir daher nicht über Windräder in den Tiroler Bergen zu reden. Der Strom ist nicht unser Problem. Es gibt nur keinen vernünftigen Markt dafür. Die Stromversorger sind fest in staatlicher Hand und über abenteuerliche Beteiligungskonstrukte so eng miteinander verbandelt, dass man sich die Hauptversammlungen wie Familienfeiern vorstellen muss – nur, dass in den meisten Familien wohl mehr gestritten wird als im österreichischen Stromoligopol. Auch die lieben Verwandten – die Netzbetreiber – kommen zur Party und schieben die Sessel gleich direkt ans Buffet. Die Regulierungsbehörde E-Control geht mit dem Champagnerwagen herum und sorgt dafür, dass die Stimmung nicht nachlässt. Für Neuinvestitionen garantiert sie Netzbetreibern inzwischen fast zehn Prozent Eigenkapitalrendite.
Und nun noch einmal alle gemeinsam: Nur weil der Staat in etwas involviert ist, bedeutet das nicht, dass dort für das Gemeinwohl gearbeitet wird. Der österreichische Strommarkt ist dafür das beste Beispiel.
Differenz zwischen dem durchschnittlichen Hauptprodukt und dem günstigsten verfügbaren Stromtarif, in Cent/kWh
Was uns der Staat nicht abnehmen kann: Preise vergleichen.
Förderung für erneuerbare Energie und Energieeffizienz, nach Einkommensdezilen der Empfänger, 2024, in Millionen Euro
Die Erneuerbaren-Förderung geht vor allem an Betuchte.
Wattpreis für Photovoltaik-Module und kumulierte installierte Kapazität in Megawatt /MW)
PV-Anlagen kosten im historischen Vergleich fast nichts mehr.
Jahresgewinne der österreichischen Energieversorger, in Milliarden Euro
Die Gewinne der Energieversorger sprudeln.
Wechselseitige Beteiligungen der öffentlichen Stromversorger, in Prozent
Freunderlwirtschaft und Staatseigentum lähmen den Markt.
Stromkosten für Haushalte, 2026, in Cent pro Kilowattstunde (kWh)
Große Spanne bei den Netzgebühren
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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