Österreich zählt in der EU zur Spitzengruppe jener Länder, in denen sich die Menschen stark auf staatliche Pensionen verlassen – nur Finnland ist noch abhängiger von der öffentlichen Hand. Private Vorsorge und Kapitalerträge spielen hierzulande dagegen eine kleine Rolle.
Die Schwäche des Umlagesystems liegt auf der Hand: Es wird nichts angespart, sondern laufend verteilt. Die Pensionen werden aus den Einzahlungen der aktuell arbeitenden Generation finanziert. Wenn immer mehr Menschen in Pension gehen und weniger im Erwerbsleben stehen, gerät dieses Modell zwangsläufig unter Druck.
Trotzdem bleibt die Skepsis gegenüber dem Kapitalmarkt groß. Aktien gelten als riskant, das Sparbuch als sicher – auch wenn es real seit Jahren Verluste schreibt.
Dabei war private Vorsorge nie einfacher. Schon kleine regelmäßige Beträge lassen sich heute günstig und breit gestreut investieren. Der Zinseszins erledigt den Rest: Er sorgt dafür, dass Erträge selbst wieder Erträge bringen – und Zeit zum wichtigsten Faktor wird.
„Wer die Abhängigkeit vom Staat im Alter reduzieren will, muss genau hier ansetzen. Betriebliche und private Vorsorge muss steuerlich entlastet werden – nicht als Sonderlösung, sondern als selbstverständlicher Teil der Altersvorsorge in Österreich”, sagt Ökonomin Carmen Treml.
Entwicklung von Bruttolöhnen und Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde von 2015-2026, in Österreich
Österreichs Löhne sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker gestiegen als die Produktivität. Seit 2015 haben sich die Bruttolöhne je geleisteter Arbeitsstunde um knapp 50 Prozent erhöht, wie unsere Grafik zeigt.
Es gibt immer weniger Lehrlinge, aber der Rückgang ist nicht einheitlich. Seit 2010 hat sich die Zahl der Lehrlinge in Betrieben mit maximal neun Mitarbeitern halbiert, während die Großbetriebe heute sogar mehr ausbilden als damals.
Entwicklung der Sozialausgaben, in Prozent des BIP
Die Sozialquote ist zur Hälfte eine Pensionsquote.
Sozialleistungsausgaben, in Prozent des BIP
Jeder dritte Euro, der in Österreich erwirtschaftet wird, fließt mittlerweile in Sozialleistungsausgaben.
Auszahlungen des Bundes in Prozent der Einnahmen
Der deutsche Kanzlerwechsel weckte speziell in Österreich die Hoffnung, dass Europas Konjunkturmotor bald wieder anspringt. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer beschwor die Chance der deutschen Investitionen für die heimische Wirtschaft. Vom erhofften Wachstum ist derweilen wenig zu sehen.
Anzahl der Frauen über 60 Jahre in Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Schulung, bis Juni 2026
Der SPÖ-nahe Pensionistenverband warnt wieder einmal vor der Massenarbeitslosigkeit, die Österreich droht, wenn das Pensionsantrittsalter angehoben wird.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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