Statt bei den Ausgaben den Rotstift anzusetzen, bleiben die großen Baustellen im Haushalt großteils unberührt.
Wochenlang haben die Parteien gerungen, gestritten, verhandelt – nicht über große Reformen, sondern über Posten und Budgets. Zusammenfassend lässt sich sagen: viele Posten, wenig Inhalt. Das Ergebnis ist eine Regierung der sündteuren Kompromisse. Allein die sieben Staatssekretäre und die 14 Minister kosten monatlich 400.000 Euro. Diese Regierung scheint die tiefgreifenden Herausforderungen der Zeit nicht erkannt zu haben. Statt echte Reformen voranzutreiben, werden Posten verteilt wie Smarties beim Kindergeburtstag. Niemand will auf etwas zu verzichten; also erhalten am Ende eben alle mehr. Ein Deal, der für die Parteien und ihre Versorgungsapparate attraktiv ist, aber dem Land nicht weiterhilft.
Dabei war der Wahlkampf noch von einem breiten Konsens geprägt: Die Staatsausgaben sind zu hoch, das Defizit steigt ins Unermessliche. Experten warnten eindringlich, dass Österreich sich eine solch hemmungslose Budgetpolitik nicht mehr lange leisten könne. Doch im über weite Strecken wirren Regierungsprogramm ist von Einsparungen nur noch äußerst vage die Rede. Auf der Einnahmenseite sprudelten die Ideen dagegen nur so. Neue oder neue, alte Steuern sind das eigentliche Herzstück der türkis-rot-pinken Regierung. Spitzensteuersatz? Bleibt. Energieabgabe? Verlängert. Bankenabgabe? Wird angehoben. Immobilienbesitzer und Stiftungen? Zur Kasse, bitte! Und obendrein kehrt die kalte Progression, deren Abschaffung das Leuchtturmprojekt der letzten Regierung schlechthin war, in Teilen wieder zurück. Der Fiskus wird nun wieder an der Inflation mitverdienen. Von der Beteuerung von ÖVP und NEOS, das Budget über die Ausgabenseite konsolidieren zu wollen, ist nicht viel übriggeblieben.
Die großen Versprechen aus dem Wahlkampf sind damit Geschichte. Auch, wenn es niemand mehr hören kann: Österreich hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Um tatsächlich ein EU-Defizitverfahren zu vermeiden, wird es Nachverhandlungen und Nachschärfungen brauchen. Je schlechter sich die Wirtschaft entwickelt und je weiter das Jahr voranschreitet, desto schwerer wird es, die benötigten 6,4 Milliarden Euro einzusparen.
Und wo soll nun tatsächlich gespart werden? Drei Milliarden Euro sollen angeblich bei den Unternehmensförderungen erzielt werden. Klingt gut, aber nichts Genaues weiß man nicht. Man will auch in den Ministerien sparen, mit der „Kettensäge in der Verwaltung“. Doch wie passt das mit der aufgeblähten Regierung zusammen? Auf eine echte Pensionsreform hat man vorsichtshalber gleich ganz vergessen. Vieles bleibt zudem Konjunktiv: „soll“, „könnte“, „wäre möglich“. Immerhin hat sich noch ein bisschen Platz für Steuererleichterungen gefunden: Steuerfreie Mitarbeiterprämien, leicht erhöhte Freibeträge. Tatsächliche Entlastung sieht anders aus. Immerhin: Die Reform der Bildungskarenz war längst überfällig.
Was fehlt, sind echte Strukturreformen. Die Föderalismusreform wurde einmal mehr vertagt. Die Schuldenbremse bleibt ein Lippenbekenntnis. Und die Pensionsbombe? Sie tickt weiter. Jahr für Jahr fehlen dem System mehr als 30 Milliarden Euro, und doch wagt niemand, das gesetzliche Pensionsalter an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Die Regierung hat sich große Ziele gesetzt. Doch ihr wichtigstes Ziel scheint ein anderes zu sein: sich selbst nicht weh zu tun.
Gastkommentar von Dénes Kucsera in “Die Presse” (06.03.2025).
Bis 7. Juni 2026 muss Österreich die EU-Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen, sonst droht ein Vertragsverletzungsverfahren. Ein Gesetz war für das erste Quartal angekündigt.
Der Staat hat ein Ausgabenproblem, darin sind sich alle Experten einig. Die Lösung der Politik auf dieses Problem lautet seit Jahren: noch höhere Einnahmen.
Die EU will die Lohnschere zwischen Männern und Frauen schließen und drückt dabei der Privatwirtschaft das Gehaltsschema des Beamtenapparats auf.
Die Verschuldung in Österreich steigt und steigt. Vor einem Jahrzehnt lagen die Schulden noch bei rund 34.000 Euro pro Kopf, heute sind es österreichweit bereits deutlich über 45.000 Euro.
„Mehr als 50 Prozent der Wirtschaftsleistung geht am Ende an den Staat. Das ist für eine Marktwirtschaft nicht mehr wirklich tragbar.” – Hanno Lorenz
Unser Vorschlag zeigt, wie Österreich durch konsequente Ausgabendisziplin und strukturelle Reformen wieder finanzielle Spielräume gewinnt.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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