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Warum besitzen Steuerzahler bald ein Fußballstadion?
Ein echter Wiener soll es ja schaffen, ein ganzes Menschenleben in der Obhut der öffentlichen Hand zu verbringen. Er kommt im AKH zur Welt, wird in städtischen Kindergärten und Schulen sozialisiert, zieht bald in die Gemeindewohnung der lieben Omi, wärmt bis Ende fünfzig einen Sessel in irgendeinem Magistrat an und verbringt die Pension braun gebrannt in der Kabane im städtischen Gänsehäufel. Das städtische Bestattungsunternehmen bringt ihn dann auf einem städtischen Friedhof unter die Erde.
Doch damit nicht genug. Seit einiger Zeit sprüht man im Rathaus nur so vor Geschäftstüchtigkeit, um auch die letzten Zuckungen der Marktwirtschaft sanft zu beseitigen. Unter dem Motto „Stolz auf Wien“ beteiligte sich die Stadt an strauchelnden Unternehmen. Eine Bäckerei war darunter. Auch das Café Aumann im 18. Bezirk. Sie stieg sogar bei einem Escape Room ein (ob sie wieder herausgefunden hat, ist nicht überliefert). Was alle anderen Bäckereien, Cafés und Escape Rooms davon hielten, schien dabei nebensächlich zu sein. Die am wenigsten krisenresistenten Unternehmen gehören nun uns allen. Hurra!
Und nun hat die Stadt wieder zugeschlagen. Nicht einmal der Fußball ist vor dem Allmachtsgehabe der Wiener SPÖ sicher. Für schlappe 39,4 Mio. Euro gehört uns nun das Stadion der Wiener Austria; der Verein wird es künftig für 1,4 Millionen Euro pro Jahr zurückpachten. Ein sagenhafter Deal! Kein privater Investor hätte sich mit einer jährlichen Rendite von 3,6 Prozent zufriedengegeben. Austria-Präsident Kurt Gollowitzer dürfte dem Chef der Wien Holding einen großen Blumenstrauß als Dankeschön geschickt haben. Die Adresse kennt er. Es ist seine eigene.
Wien hat eben ein Herz für die Gestrauchelten und Geschundenen. Für alle, die sich zu fein sind, ihre Probleme zu lösen und sie lieber der Gesellschaft umhängen. Während die Wettbewerbsverzerrung eher abstrakt erscheint, wenn die öffentliche Hand ein Café rettet, ist sie im Fußball viel offensichtlicher. Die Austria stünde heute wohl kaum auf Platz 2, wenn sie schon letztes Jahr Spieler hätte verkaufen müssen, um ihre finanzielle Situation in den Griff zu bekommen. Hat sie aber nicht, weil schon klar war, dass die Stadt zu Hilfe eilen würde. Was wurde eigentlich aus der Idee des „Financial Fairplay“, wenn Wacker Innsbruck oder der GAK bei deutlich geringeren Schulden keine Lizenz mehr bekamen?
Wenn der Staat seine Schiedsrichterrolle aufgibt und anfängt, selbst mitzuspielen, gewinnen am Ende die Falschen. Dass die Stadt bei einem Stadionbau etwas dazugibt, ist europaweit üblich; dass sie einen Verein über Wasser hält, indem sie ihm einen zweistelligen Millionenbetrag für eine neue Sportstätte schenkt, nur um sie ihm später abzukaufen, eher nicht. Aber so lange der Steuerbürger brav zahlt, braucht man sich weder am Rathausplatz noch am Verteilerkreis größere Geldsorgen zu machen.
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