Die Hitze der letzten Wochen ist scheinbar auch manchen Politikern zu Kopf gestiegen. Anders lässt sich die Absurdität der kürzlich entbrannten Debatte über eine Vorverlegung der Schulsommerferien kaum erklären. Anfangs war noch zu hoffen, es handle sich um einen unüberlegt geäußerten Gedanken. Doch wie ein Lauffeuer machte der „ehrlich zu diskutierende“ Vorschlag die Runde.
Eine Einigung gibt es bislang nicht. Beim kurzfristig einberufenen Hitzeschutzgipfel vergangene Woche wurden Schulen und Lehrkräften zwar neue Handlungsmöglichkeiten je nach Hitzewarnstufe eingeräumt, eine Entscheidung über den Beginn der Sommerferien jedoch erneut vertagt. Bildungsminister Wiederkehr kündigte an, dass es im Herbst thematisiert werde.
Angetan von der Idee fragte Kärntens Landeshauptmann Fellner (SPÖ) pragmatisch: „Wer sagt, dass wir starr an einer Ferienregelung festhalten müssen, die vor 80 Jahren fixiert worden ist?“ Keiner. Aber: Ist es zielführend, in jeder Ausnahmesituation grundlegende Regelungen infrage zu stellen?
Die Politiker des Landes sehen das üblicherweise ähnlich; immerhin trotzt die Regierung von Reformunwillen und aus vergangenen Krisen hat man meist wenig gelernt. Ausgerechnet beim Thema Sommerferien scheint nun plötzlich Reformgeist aufzukeimen. Oder handelt es sich doch eher um den Versuch, mit einem emotionalen Thema verärgerte Eltern als Wähler zu gewinnen? Nur rein hypothetisch.
Unabhängig von den Motiven überrascht die entstandene Dringlichkeit. Bildungspolitische Themen fristen sonst häufig ein Schattendasein. Nun wird ausgerechnet über ein seit Jahren bekanntes Problem debattiert. Seit Jahrzehnten steigen die Durchschnittstemperaturen. In Städten gehören Nächte mit mehr als 25 Grad längst zum Sommer. Der Klimawandel wird zwar als Herausforderung anerkannt, nachhaltige Anpassungen bleiben aber vielerorts aus. Viele Schulgebäude wurden gebaut, als Glasfassaden modern waren. Geschmackssache. Den heutigen Anforderungen entsprechen sie jedenfalls nicht mehr.
Praktisch jedes moderne Bürogebäude verfügt heute über Lüftungs- und Kühlsysteme. In Schulen oder Kindergärten sucht man diese meist vergebens – ausgerechnet dort, wo maximale Konzentration erforderlich ist.
Statt die Ferien an das Klima anzupassen, sollte sich die Politik den Tatsachen stellen und Investitionen in Außenbeschattung, Lüftungs- und Kühlsysteme sowie thermische Sanierungen angehen. Natürlich kostet das Geld. Doch eine Verschiebung der Sommerferien verschiebt das Problem lediglich. Die Sommer werden dadurch nicht kühler, die Schulgebäude nicht besser und der Unterricht nicht angenehmer. Eine Änderung des Ferienkalenders hätte dagegen weitreichend negative Nebenwirkungen für Familien, Tourismus und Betreuungseinrichtungen.
Die Ankündigung, 50 Schulen künftig effizienter zu kühlen, ist angesichts von mehreren tausend öffentlichen Schulen nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Mit infrastrukturellen Anpassungen könnte man auch den leidigen Diskussionen über Hitzemaßnahmen oder ein generelles „Hitzefrei“ ein Ende setzen.
Bleibt zu hoffen, dass mit den kühleren Herbsttemperaturen auch etwas Vernunft zurückkehrt. Nicht, dass beim ersten Schnee die Idee aufkommt, die Weihnachtsferien an die Schneelage anzupassen.
(Erstmals erschienen am 25. Juli 2026 in “Kurier”)
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