Die Regierung würde gern Inflation und Rezession bekämpfen. Allein ihr fehlt es an kompromissfähigen Ideen.
Kaum hat Bundeskanzler Christian Stocker seine 2-1-0-„Formel“ zu Inflation, Wachstum und Migration in den Medien platziert, schießt die Teuerung in Österreich auf 4,1 Prozent in die Höhe. Da kommt die ohnehin längst geplante Regierungsklausur höchst gelegen. Die Lösung der Politik für die hartnäckige Wirtschaftsschwäche waren immer noch höhere Staatsausgaben. Nun sind diese in Österreich schon auf Rekordniveau, mittlerweile fehlt auch das Geld dafür. Zu exzessiv wurde dieses Mittel die letzten Jahre mit mäßigem Erfolg bemüht. Dafür aber mit der Kehrseite der Medaille: Hohe Staatsausgaben treiben die Inflation. Die will die Regierung aber gerne senken. Was also tun?
Erstens: Der Staat muss seine Ausgaben entschlossen senken. Nur so ist die Inflation unter Kontrolle zu bringen. Zumal eine Staatsquote von fast 60 Prozent der Wirtschaftsleistung keine Visitenkarte einer sozialen Marktwirtschaft sind. Sondern einer sozialistischen. Die Wirtschaft, und damit Innovationen, Fortschritt und der Wohlstand im Land finden in den übrigen 40 Prozent zu wenig Raum zur Entfaltung. Da niemand gerne spart, braucht es Sparpflicht, also eine Ausgabenbremse für den Staat. Das Problem: Damit könnten die Regierungsparteien weniger an ihr Klientel verteilen, schwerer ihre politischen Vorhaben umsetzen, weswegen eine Mehrheit fehlt.
Zweitens: Das Pensionssystem an die demografische Realität anpassen. Treiber der Ausgaben sind allen voran die Pensionen. Der Anstieg der Bundesausgaben 2025 geht fast 1:1 in das Stopfen des wachsenden Pensionsloches. Wir könnten natürlich, wie die meisten anderen Länder in Europa, etwas länger arbeiten. Aber hier fürchtet man sich vor der Wählergruppe der Pensionisten. Sinnbildlich ist hier der Nachhaltigkeitsmechanismus: Alle wissen, dass etwas getan werden muss. Aber die unpopuläre Arbeit soll die nächste Regierung übernehmen.
Drittens: Angebotspolitik statt Preiseingriffe. Es klingt zwar sehr sozial, Lebensmittelpreise oder Mieten zu begrenzen. Mit vermeintlich guten Taten allein ist es aber nicht getan. Der Markt funktioniert nicht nach „Minister, wünsch Dir was“. Wer die Marktentwicklung ändern will, der muss nach Marktregeln spielen. Hohe Preise sind Ausdruck hoher Kosten und vor allem hoher Nachfrage. Machen wir weiter wie bisher, sinkt die Nachfrage automatisch, denn dann werden wir ärmer. Besser wäre es, das Angebot zu stärken. Dafür braucht es mehr Wettbewerb im Energiemarkt, denn Energie steckt in fast allen Produkten. Das staatliche Kartell gehört aufgelöst. Ein weiterer Inhaltsstoff ist Arbeit. Auch dieser Faktor ist in den vergangenen Jahren mit der Inflation viel zu teuer geworden. Zudem wird aufgrund der hohen Abgabenlast immer weniger gearbeitet. Auch hier liegen die Vorschläge am Tisch. Auch hier stehen die Interessensvertreter der Modernisierung im Weg.
Pensionistenverbände, Gewerkschaften und Kammern stehen so stark auf der Bremse, dass am Ende viele kleine Maßnahmen übrigbleiben. Einige davon mit guter Absicht, andere Klientel- und Marketingpolitik. Am Ende jedenfalls zu wenig, um den Abstieg zu beenden. Jemand muss die Handbremse lösen.
Gastkommentar von Hanno Lorenz in der ‘Presse’ (4.9.2025).
Jahrelang profitierte Österreich von der Niedrigzinsphase. Trotz rasant steigender Staatsschulden blieben die Kosten für deren Finanzierung überschaubar. Doch diese Zeit ist vorbei.
Das Doppelbudget 2027/28 ist ein Desaster. Von Konsolidierung ist nichts zu merken. Die geplante Neuverschuldung erinnert an die schlimmsten Coronajahre. Spielt der Finanzminister ein doppeltes Spiel?
"Das ist keine Konsolidierung, es ist auch keine Sanierung des Haushalts und es ist schon gar keine ausgabenseitige Sanierung des Haushalts." - Franz Schellhorn
Die Bundesregierung präsentiert ihr Doppelbudget 2027/28 als Entlastungspaket für die Wirtschaft, als Reformprojekt für den Sozialstaat, als Schritt in Richtung nachhaltiger Konsolidierung.
Österreichs zentrales Budgetproblem ist seit langem bekannt: Der Staat verfügt über die dritthöchsten Einnahmen aller Euroländer und machte daraus 2025 das vierthöchste Defizit, weil die Ausgaben viel zu hoch sind. Die Diagnose ist daher wenig umstritten: Wer die öffentlichen Finanzen nachhaltig sanieren will, muss auf der Ausgabenseite anse
Wird diesmal tatsächlich ausgabenseitig konsolidiert? Nein. Die Ausgaben steigen weiter fröhlich an.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
Lernen Sie uns kennenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen