Österreichs Unis gleichen derzeit einem Schlaraffenland. Es gibt praktisch keine Studiengebühren; lediglich Langzeitstudierende und Drittstaatler zahlen einen kleinen Beitrag. Das Studienangebot ist mittlerweile so breit, dass viele mehrere Studien ausprobieren oder den Abschluss jahrelang hinauszögern.
Die attraktiven Bedingungen ziehen nicht nur österreichische Maturanten, sondern auch viele ausländische Studierende an. Seit Jahren gibt es an öffentlichen Universitäten mehr ausländische als österreichische Studienanfänger. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Doch viele beenden ihr Studium nie oder verlassen das Land nach dem Abschluss wieder. Dafür können die Hochschulen nichts. Es sind eher die hohen Abgaben auf Arbeit, bürokratische Hürden und die schwachen Wachstumsaussichten, die Österreich für viele Absolventen als Arbeitsort uninteressant machen. Viele hatten vielleicht auch nie vor, zu bleiben.
Finanziert wird dieses großzügige System vorwiegend von den Steuerzahlern. Derzeit zahlt die alleinerziehende Supermarkt-Verkäuferin mit ihrer Steuerleistung das teure Zahnmedizinstudium des Sprösslings einer deutschen Arztfamilie mit, damit der später die elterliche Praxis übernehmen kann. Das ist weder sozial noch fair. Daher brauchen wir eine ernsthafte Debatte über allgemeine Studiengebühren. Politisch und im gesellschaftlichen Diskurs sind sie ein heißes Eisen; könnten aber so manchen bildungspolitischen Missstand gerade biegen. Ein den hohen Kosten eines Studiums angemessener Beitrag pro Semester wäre für die meisten verkraftbar; gleichzeitig würde das Bewusstsein für den Wert eines Studiums steigen. Zudem wäre ein stärkerer Anreiz gegeben, das Studium zügig abzuschließen. Und für jene, die wirklich Unterstützung brauchen, gäbe es Stipendien und Förderungen.
Studieren ist nicht kostenlos und wir leben nicht im Schlaraffenland, sondern in einem hoch verschuldeten Staat. Auch die Hochschulpolitik sollte dieser Realität Rechnung tragen.
(Erstmals erschienen am 28. Juli 2026 in Tiroler Tageszeitung)
Viele studieren Geisteswissenschaften und Künste, obwohl die Einstiegsgehälter niedriger sind und der Weg in den ersten Job im Schnitt überdurchschnittlich lange dauert.
Anzahl der erstzugelassenen Studenten im jeweiligen Studienjahr
An Österreichs öffentlichen Universitäten hat sich das Verhältnis gedreht: Seit dem Studienjahr 2021/22 werden mehr ausländische als österreichische Studierende erstzugelassen – und der Abstand wächst jedes Jahr.
Zahl der erstzugelassenen Studierenden an öffentlichen Universitäten in Österreich von 2003 bis 2025
In Österreich ist studieren praktisch kostenlos und für jeden zugänglich. Abgesehen vom überschaubaren Beitrag zur Hochschülervertretung von 26,20 Euro pro Semester tragen Studierende hierzulande so gut wie nichts zur Finanzierung ihrer Ausbildung bei.
Österreich ist heute so etwas wie die Gratisuni für halb Europa: Die Billa-Verkäuferin zahlt das Gratisstudium des deutschen Arztsohnes. Sozial ist das nicht.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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