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Wer hat die Wähler verraten? Es waren nicht die Sozialdemokraten. Es waren die bürgerlichen Parteien. In Deutschland die Union, in Österreich ÖVP und Neos.
In Deutschland wie in Österreich wählen die Bürger Mitte-Rechts, um nach den Wahlen erneut Mitte-Links regiert zu werden. Nehmen wir nur den künftigen deutschen Bundeskanzler Merz, der noch vor den Wahlen einen bürgerlichen Politikwechsel versprochen hatte: Unter penibler Einhaltung der Schuldenbremse würden die Verteidigungsbereitschaft erhöht, die Wirtschaft in Schwung gebracht und die Deindustrialisierung gestoppt: „Wir halten an der Schuldenbremse des Grundgesetzes fest. Die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen von morgen.“
Da kann sich die jüngere Generation ja schon mal warm anziehen. Vergangenen Dienstag orchestrierte nämlich derselbe Friedrich Merz eine noch nie da gewesene Schuldenorgie: Mit den Stimmen der SPD und der Grünen wurde die Schuldenbremse gelockert und der Weg für neue Kredite in Höhe von geschätzten 900 Milliarden Euro freigemacht. Mit dem frischen Geld sollen Brücken renoviert, Straßen- und Schienennetze saniert, Stromnetze gebaut und Schulen modernisiert werden. Allein 100 Milliarden Euro werden zusätzlich in den Klimaschutz gepumpt, die abgewählten Grünen jubeln völlig zu Recht über ein „neues Kapitel grüner Politik“. Womit sich zwei Fragen aufdrängen: Weshalb wurde eigentlich gewählt? Und wofür gibt der deutsche Staat knapp 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus, wenn nicht für Schulen, Straßen, Schienen- und Stromnetze sowie für den Klimaschutz?
Zumal es Merz selbst war, der vor der Bundestagswahl noch meinte: Angesichts der hohen Steuereinnahmen müsse sich die Politik auch mal mit dem Gedanken beschäftigen, ob das Problem nicht auf der Ausgabenseite liege. Vier Jahre lang verteidigte FDP-Finanzminister Christian Lindner die Schuldenbremse mit Zähnen und Klauen vor dem Zugriff der rot-grünen Schuldentreiber. Der bürgerliche Merz brauchte keine drei Wochen, um sie zu opfern. Oder wie es ein Twitterant treffend formulierte: „Die FDP verpasst um 0,7 Prozentpunkte den Einzug in den Bundestag, wodurch die Schulden der Republik um 900 Milliarden Euro explodieren. Das ist so etwas wie der Schmetterlingseffekt der deutschen Innenpolitik.“ In Österreich läuft dasselbe Spiel deutlich geräuschloser ab. Wir tun uns da auch leichter, weil unsere Staatsschulden seit Jahrzehnten ungebremst steigen. Wir haben die exzessive Schuldenpolitik geradezu kultiviert. Hierzulande sind es übrigens die Konservativen, die den Staatshaushalt zerrüttet hinterlassen haben. Statt die Sache in Ordnung zu bringen und die überbordenden Staatsausgaben auf das ohnehin schon sehr hohe Vorkrisenniveau zurück- zuführen, beginnt die von der ÖVP geführte Regierung ihre Arbeit mit noch höheren Steuern.
Die Abschaffung der kalten Progression wird teilweise rückgängig gemacht, der Staat hält bei den Lohnverhandlungen also wieder die Hand auf und besteuert den Inflationsausgleich. Der Energiekrisenbeitrag wird verlängert, die Bankenabgabe deutlich erhöht, während die Immobilienbesitzer über eine Verschärfung der Mietpreisbremse zur Kasse gebeten und dauerhaft um mindestens fünf Milliarden Euro an Immobilienwert „erleichtert“ werden. Die SPÖ hat zwar das schlechteste Wahl-ergebnis ihrer langen Parteigeschichte eingefahren, der Dreierkoalition aber ihren roten Stempel aufgedrückt. Und was machen die Neos? Sie tragen den roten Wirtschaftskurs kommentarlos mit, um nur endlich in einer Bundesregierung zu sitzen. Dabei hat Partei-chefin Beate Meinl-Reisinger noch Anfang Jänner in einer flammenden Rede beteuert, dass die Neos für ein „Weiter wie bisher“ nicht zu haben seien. Drei Monate später gibt es das „Weiter wie bisher“ – nur mit neuen Gesichtern.
Sowohl in Österreich als auch in Deutschland beschreiten die bürgerlichen Parteien den Weg des geringsten Widerstands und verklären den Verrat an ihren Wählern zur Staatsräson. Staatsräson heißt aber nicht, FPÖ und AfD mit höheren Steuern und Schulden von der Macht fernzuhalten. Staatsräson bedeutet, das Land mit überzeugenden Reformen wieder in die Spur zu bringen und damit zu riskieren, die nächste Wahl zu verlieren. Mit höheren Steuern und Schulden werden die rechtsnationalen Kräfte nicht geschwächt. Sie werden gestärkt.
Gastkommentar von Franz Schellhorn im “profil” (22.3.2025).
Die Bundesregierung präsentiert ihr Doppelbudget 2027/28 als Entlastungspaket für die Wirtschaft, als Reformprojekt für den Sozialstaat, als Schritt in Richtung nachhaltiger Konsolidierung.
Österreichs zentrales Budgetproblem ist seit langem bekannt: Der Staat verfügt über die dritthöchsten Einnahmen aller Euroländer und machte daraus 2025 das vierthöchste Defizit, weil die Ausgaben viel zu hoch sind. Die Diagnose ist daher wenig umstritten: Wer die öffentlichen Finanzen nachhaltig sanieren will, muss auf der Ausgabenseite anse
Wird diesmal tatsächlich ausgabenseitig konsolidiert? Nein. Die Ausgaben steigen weiter fröhlich an.
Das Doppelbudget 2027/28 sollte Österreich eigentlich wieder auf einen stabilen Budgetpfad bringen. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Der neue Doppelhaushalt wiederholt die Fehler des alten: Keine Strukturreformen, viel linke Tasche, rechte Tasche. Am Ende werden es wieder die Steuerzahler richten müssen.
Anbei die Budgetrede, die der Finanzminister nie halten wird. Schade, denn sie enthält fünf erprobte Reformen, die das Land aus der Schuldenspirale holen würden.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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