Eine Regierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS brächte eine Politik des Stillstands. Eine Minderheitsregierung wäre die Alternative.
Wirklich eilig scheinen es die Parteichefs ja nicht zu haben, das Land in eine bessere Zukunft zu führen. Drei Wochen nach geschlagener Nationalratswahl wird zwar ausgiebig miteinander geplaudert, geklärt wurde aber nur, dass der klare Wahlsieger FPÖ der nächsten Regierung wohl nicht angehören wird. Mit der FPÖ will niemand, mit ihr kann offenbar auch niemand. Keine der anderen Parlamentsparteien will Herbert Kickl zum Kanzler machen. Für die Freiheitlichen läuft dennoch alles wie geschmiert. Für sie hat der nächste Wahlkampf längst begonnen, geschickt verstärken sie ihre Erzählung, wie sie vom Bundespräsidenten abwärts von den Schalthebeln der Republik ferngehalten werden.
Kickls strategischer Vorteil ist, dass er warten kann. Die Chefs der anderen Parteien können das offensichtlich nicht, sie drängen mit aller Kraft auf die Regierungsbank: die ÖVP, weil sie die Chance hat, trotz verheerender Verluste wieder den Kanzler zu stellen. Die Sozialdemokraten, weil sie mit dem schlechtesten Ergebnis ihrer Parteigeschichte im Rücken wieder den einen oder anderen Minister stellen würden. Und die NEOS, weil sie zwölf Jahre nach ihrer Parteigründung erstmals einer Bundesregierung angehören könnten, was aber mit hoher Wahrscheinlichkeit der Anfang ihres politischen Endes wäre.
Weil ÖVP und SPÖ gemeinsam über die Mandatsmehrheit im Parlament verfügen, haben die NEOS in dieser Konstellation keinerlei politische Druckmittel mehr, um zumindest eine der Reformen durchzusetzen, die sie seit vielen Jahren propagieren. Noch eine Konstellation wie in Wien, wo sie sich freiwillig zum Pudel der SPÖ degradiert haben, würden ihnen die Wähler wohl nicht verzeihen.
Dabei würde das Land nichts dringender brauchen als eine engagierte Reformkoalition. Eine Regierung, die das aus dem Ruder laufende Budgetdefizit unter Kontrolle bringt und dem Ausgabenrausch des Staates ein Ende setzt, ohne gleich den gesamten Sozialstaat mit der Kettensäge zu zerstören. Eine Regierung, die Rezepte gegen die illegale Zuwanderung findet, endlich den Bildungssektor entschlossen reformiert und die steuerlichen Anreize so setzt, dass wieder mehr Menschen mehr arbeiten und damit den Wohlfahrtsstaat finanzierbar halten. Eine Regierung, die erkennt, dass Wohlstand nicht durch höhere Staatsausgaben und neue Steuern entsteht, sondern durch verlässliche Budgets, niedrigere Steuern und mehr unternehmerische Freiheit. Glaubt irgendjemand, dass eine Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS diese Reformregierung sein wird? Eben. Sie wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Gegenteil davon.
Das liegt insbesondere an der SPÖ. Während ÖVP und NEOS in vielen Punkten auf einer Linie liegen, lebt SPÖ-Chef Andreas Babler politisch in einer anderen Galaxie. Und nicht nur er: Die Partei ist noch nicht in diesem Jahrhundert angekommen, wie es der Industrielle Hannes Androsch unlängst in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ auf den Punkt brachte. Die Schnittmenge dieser Dreierkoalition wäre folglich eine denkbar kleine, die Angriffsfläche für eine oppositionelle FPÖ dafür eine sehr große. Kickl könnte die „Koalition der Verlierer“ vor sich hertreiben. Das haben sich weder die Bewohner dieses Landes verdient, noch die an der Regierung beteiligten Parteien.
ÖVP und NEOS sollten sich dem politischen Todeskampf entziehen, eine Minderheitsregierung bilden und im Parlament für ihre politischen Reformvorhaben Mehrheiten bei SPÖ und FPÖ suchen. Schaffen sie es, haben sie nicht nur Mut bewiesen, sondern auch gezeigt, dass Veränderungen möglich sind. Scheitern sie, kann neu gewählt werden. In dem Fall könnten die Koalitionspartner aber den Spieß umdrehen und der Bevölkerung zeigen, wer das Land modernisieren will und wer auf Fundamentalopposition setzt.
Eine instabile Minderheitsregierung wäre in jedem Fall besser als eine stabile Dreierkoalition der kleinen Schritte. Eine Politik der vielen Kompromisse ist nämlich genau das, was sich Österreich nicht mehr leisten kann.
Kolumne von Franz Schellhorn im “Profil” (19.10.2024)
Die Bundesregierung präsentiert ihr Doppelbudget 2027/28 als Entlastungspaket für die Wirtschaft, als Reformprojekt für den Sozialstaat, als Schritt in Richtung nachhaltiger Konsolidierung.
Österreichs zentrales Budgetproblem ist seit langem bekannt: Der Staat verfügt über die dritthöchsten Einnahmen aller Euroländer und machte daraus 2025 das vierthöchste Defizit, weil die Ausgaben viel zu hoch sind. Die Diagnose ist daher wenig umstritten: Wer die öffentlichen Finanzen nachhaltig sanieren will, muss auf der Ausgabenseite anse
Wird diesmal tatsächlich ausgabenseitig konsolidiert? Nein. Die Ausgaben steigen weiter fröhlich an.
Das Doppelbudget 2027/28 sollte Österreich eigentlich wieder auf einen stabilen Budgetpfad bringen. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Der neue Doppelhaushalt wiederholt die Fehler des alten: Keine Strukturreformen, viel linke Tasche, rechte Tasche. Am Ende werden es wieder die Steuerzahler richten müssen.
Anbei die Budgetrede, die der Finanzminister nie halten wird. Schade, denn sie enthält fünf erprobte Reformen, die das Land aus der Schuldenspirale holen würden.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
Lernen Sie uns kennenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen