Eine schwächelnde Industrie hat ihren Preis. Das macht sich besonders schmerzhaft für Lehrstellensuchende bemerkbar.
Laut AMS suchen fast 5.000 Jugendliche eine Lehrstelle im Bereich Industrie und Gewerbe, doch es gibt nur rund 2.300 offene Stellen. „Während deutlich mehr junge Erwachsene eine Ausbildungsstätte suchen als noch im Vorjahr, ist das Angebot zurückgegangen”, sagt Ökonomin Carmen Treml.
Kein Wunder, denn die Industrie leidet vor allem unter zu hohen Arbeitskosten, die ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Die Agenda Austria warnt bereits seit einiger Zeit vor den Schwierigkeiten für den Standort. „Jetzt zeigt sich das schmerzlich an den offenen Stellen: Während man 2023 nach Lehrlingen suchte, gibt es jetzt ein deutliches Mismatch“, so Treml weiter. Bereits 2024 gab es einen Mangel von rund 800 Stellen, dieses Jahr hat sich die Zahl verdreifacht.
Eine Senkung der Arbeitskosten müsste hohe politische Priorität haben. Arbeitnehmern bliebe mehr Netto im Börsel, während Arbeitgeber entlastet würden. Nur mit einer wachsenden Wirtschaft gibt es schlussendlich mehr Jobs für die motivierten jungen Erwachsenen.
Bis 2050 wird es in Österreich rund eine Million mehr Menschen über 65 geben als noch 2021.
Wirtschaftsklassen. mit den größten Beschäftigtenveränderungen zwischen April 2025 und April 2026
Wen überrascht es: Das stärkste Jobwachstum gibt es im staatlichen Bereich.
Entwicklung von Bruttolöhnen und Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde von 2015-2026, in Österreich
Österreichs Löhne sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker gestiegen als die Produktivität. Seit 2015 haben sich die Bruttolöhne je geleisteter Arbeitsstunde um knapp 50 Prozent erhöht, wie unsere Grafik zeigt.
Es gibt immer weniger Lehrlinge, aber der Rückgang ist nicht einheitlich. Seit 2010 hat sich die Zahl der Lehrlinge in Betrieben mit maximal neun Mitarbeitern halbiert, während die Großbetriebe heute sogar mehr ausbilden als damals.
Durchschnittlich geleistete Arbeitsstunden je Angestellten, in Stunden pro Jahr.
Nach einem jahrzehntelangen Rückgang der durchschnittlichen Arbeitszeit ist sie 2025 wieder auf 1.374 Stunden pro Jahr geklettert - von einem (durch Corona verstärkten) Tief von 1.320 Stunden im Jahr 2020.
Zahl der Unternehmen unter den Top-100 (nach Marktkapitalisierung zum jeweiligen Jahresende) zwischen 2008 und 2026 in den USA, Europa und Asien-Pazifik
Europa verliert im globalen Wettbewerb um die größten Unternehmen zunehmend an Boden. Während die Zahl nordamerikanischer und asiatischer Konzerne unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt steigt, ist Europas Anteil seit Jahren rückläufig.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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