Es gibt immer weniger Lehrlinge, aber der Rückgang ist nicht einheitlich. Seit 2010 hat sich die Zahl der Lehrlinge in Betrieben mit maximal neun Mitarbeitern halbiert, während die Großbetriebe heute sogar mehr ausbilden als damals.
Ein Teil davon ist Demografie: es gibt schlicht weniger junge Menschen als früher. Gleichzeitig entscheidet sich ein immer größerer Teil von ihnen für eine längere schulische oder akademische Ausbildung. Das erklärt allerdings nicht, warum gerade kleinere Betriebe deutlich seltener Lehrlinge ausbilden als früher.
Ein Grund: Ein Lehrling, der jahrelang mehr kostet, als er einbringt, ist für einen Fünf-Mann-Betrieb eine Last, für einen Konzern ein Rundungsfehler. Wachsende bürokratische Anforderungen sind gleichzeitig für Kleine deutlich schwerer zu stemmen als für Große.
Wenn die Lehre als attraktiver Ausbildungsweg in seiner dezentralen Form erhalten bleiben soll – der Fachkräftemangel verlangt es – müssen also kleine Betriebe entlastet werden. Niedrigere Lohnnebenkosten sind für jedes Unternehmen wichtig; weniger Bürokratie und Berichtspflichten würden vor allem kleineren Betrieben helfen.
Quellen: Agenda Austria, ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft), Wirtschaftskammer Österreich. Dargestellt ist die Zahl der Lehrlinge in Österreich von 2010 bis 2025 in Tausend, gegliedert nach der Größe des Lehrbetriebs (1–9, 10–49, 50–249 sowie 250 und mehr Beschäftigte). Die Betriebsgröße bemisst sich an der Zahl der unselbständig Beschäftigten in den Mitgliedsbetrieben der Wirtschaftskammer. Grundlage ist die WKO-Lehrlingsstatistik, eine Sekundärstatistik der Lehrlingsstellen; alle Werte beziehen sich auf den Stichtag 31. Dezember des jeweiligen Jahres.
Die Grafik zeigt in einem gestapelten Flächendiagramm die Zahl der Lehrlinge in Österreich von 2010 bis 2025, in Tausend, gegliedert nach der Größe des Lehrbetriebs. Erfasst sind ausschließlich unselbständig Beschäftigte in den Mitgliedsbetrieben der Wirtschaftskammer; die vier farbigen Flächen stehen für die Größenklassen 1 bis 9, 10 bis 49, 50 bis 249 sowie 250 und mehr Beschäftigte und summieren sich zur Gesamtzahl. Diese sinkt von rund 130.000 im Jahr 2010 auf etwa 103.000 im Jahr 2025. In Betrieben mit 1 bis 9 Beschäftigten geht die Zahl von rund 28.000 auf etwa 13.000 zurück. Die Klasse 10 bis 49 sinkt von rund 39.000 auf etwa 27.000, die Klasse 50 bis 249 von rund 25.000 auf etwa 20.000. In Betrieben mit 250 und mehr Beschäftigten steigt die Zahl dagegen von rund 38.000 auf etwa 43.000.
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