Die Warnsignale für Österreichs Staatsfinanzen verdichten sich.
Der Fiskalrat erwartet, dass die Schuldenquote bis 2030 auf 87,8 Prozent des BIP steigt und damit einen historischen Höchststand erreicht. Auch die EU-Kommission stuft Österreich inzwischen als Land mit „hohem Risiko“ in der Schuldentragfähigkeit ein. Besonders deutlich zeigt sich der Druck auf der Finanzierungsseite. So steigt der Kapitalmarktbedarf des Staates laut unserer Grafik bis 2036 auf 21,3 Prozent des BIP.
Aktuell liegt er noch bei 15,3 Prozent. Damit muss der Staat zunehmend neue Mittel aufnehmen, um Schulden zu refinanzieren und laufende Defizite abzudecken. Kommt es zu höheren Finanzierungskosten oder sinkendem Vertrauen, kann sich die Schuldenlast rasch verschärfen. Liegt der Zinssatz dauerhaft über dem Wirtschaftswachstum, steigt die Schuldenquote zudem auch ohne neue Defizite weiter an. Zur Stabilisierung wären dann Budgetüberschüsse erforderlich. Trotz dieser Entwicklung bleiben strukturelle Gegenmaßnahmen aus. „Die fiskalischen Warnsignale stehen auf Rot, doch die Regierung reagiert nicht, als wäre sie gegenüber diesen Hinweisen farbenblind“, sagt Ökonom Dénes Kucsera.
Quellen: Agenda Austria, Europäische Kommission
Methodik: Für die Grafik wird der Bruttofinanzierungsbedarf des Staates herangezogen – also die Summe an Geld, die ein Staat in einem Jahr benötigt, um neue Schulden zu decken oder alte Schulden zu refinanzieren.
Das Balkendiagramm zeigt die Prognose des Bruttofinanzierungsbedarfs für das Jahr 2036 in Prozent des BIP für 27 EU-Länder. Frankreich führt mit 27,8 Prozent, gefolgt von Italien mit 27,1 Prozent und Belgien mit 25,8 Prozent. Österreich liegt mit 21,3 Prozent gleichauf mit Ungarn im oberen Drittel. Am unteren Ende der Skala stehen Zypern mit 0,4 Prozent, Dänemark mit 1,1 Prozent und Irland mit 1,7 Prozent.
Entwicklung des Pensionsantrittsalters und der Lebenserwartung von Männern und Frauen zwischen 1970 und 2060, in Jahren, in Österreich
1970 verbrachten Männer im Schnitt 13,6 Jahre in Pension, Frauen 18,5 Jahre. Heute sind es bereits 21,2 beziehungsweise 26,4 Jahre, bis 2060 steigt die Bezugsdauer auf 25,3 und 28,9 Jahre.
Zinssätze in Österreich, in Prozent
Billiges Geld ist Geschichte. Die Zinswende macht es für die Unternehmen und privaten Haushalte schwieriger, Investitionsprojekte zu finanzieren.
Pensionsjahre insgesamt und in guter Gesundheit, 1978 und heute, in Jahren
Wer 1978 in Österreich seinen 65. Geburtstag feierte, hatte im Schnitt knapp 14,5 Jahre Pension vor sich, knapp vier Jahre davon in guter oder sehr guter Gesundheit.
Wirtschaftsklassen. mit den größten Beschäftigtenveränderungen zwischen April 2025 und April 2026
Wen überrascht es: Das stärkste Jobwachstum gibt es im staatlichen Bereich.
reale Unternehmensinvestitionen, Index (2019 = 100)
Die Pandemie ist lange vorbei, die heimische Investitionsschwäche nicht. Real investieren Österreichs Unternehmen heuer um sechs Prozent weniger als 2019. In den USA liegen die Investitionen um 26 Prozent über dem Vorkrisenniveau, in Italien um 29 Prozent, im Vereinigten Königreich um 11 Prozent. Selbst die EU hat den Rückstand aufgeholt. Schw
PISA-Punkte 2025, Mittel aus Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften
Zugewanderte Schüler schneiden bei PISA 2025 in Österreich im Schnitt um 58 Punkte schlechter ab als ihre österreichischen Mitschüler. Umgerechnet in österreichische Lernjahre sind das 2,5 Schuljahre Rückstand.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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