Der deutsche Kanzlerwechsel weckte speziell in Österreich die Hoffnung, dass Europas Konjunkturmotor bald wieder anspringt. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer beschwor die Chance der deutschen Investitionen für die heimische Wirtschaft. Vom erhofften Wachstum ist derweilen wenig zu sehen.
Was bleibt, sind die Kosten der deutschen Schuldenpolitik. Wie unsere Grafik zeigt, banden schon 2025 die drei Ausgabenblöcke Soziales, Verteidigung und Zinsen gut vier Fünftel der verfügbaren Einnahmen des Bundes. Ab 2028 werden es über 100 Prozent sein. Da ist noch keine Straße gebaut, keine Brücke saniert und kein Polizist bezahlt. Alles „andere“ muss über Kredit finanziert werden.
Auch in Österreich machen Soziales und Zinsen den Großteil des Bundeshaushalts aus. Von der 100-Prozent-Marke ist Österreich zwar noch entfernt, dafür ist der Bund hierzulande viel dominanter: Seine verfügbaren Einnahmen (ohne Sozialbeiträge) entsprechen rund 17 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Deutschland sind es weniger als zehn. Österreich hat also dasselbe Ausgabenproblem, löst es aber vor allem über höhere Abgaben. Auch das ist keine Wachstumsstrategie. „Deutschland sollte uns ein warnendes Beispiel sein. Ein Staat, dessen laufende Einnahmen nicht einmal mehr für Soziales, Verteidigung und Zinsen reichen, gestaltet nichts mehr, er verwaltet nur noch seinen Niedergang”, warnt unser Direktor Franz Schellhorn.
Quellen: Agenda Austria, Bundesministerium der Finanzen.
Methodik: Berechnung anhand der Finanzpläne des Bundes des deutschen Bundestages sowie der Einzelpläne zum Bundeshaushaltsplan. Auszahlungen in Prozent der verfügbaren Einnahmen im jeweiligen Jahr.
Das Balkendiagramm mit dem Titel “Etwas ist faul im deutschen Staat” zeigt die Auszahlungen des Bundes in Prozent der Einnahmen für die Jahre 2025 bis 2029, unterteilt in die drei Kategorien Soziales, Zinsen und Verteidigung. Die Werte steigen von rund 82 Prozent im Jahr 2025 auf etwa 89 Prozent 2026, 94 Prozent 2027, 102 Prozent 2028 und 106 Prozent 2029. Der größte Anteil entfällt in allen Jahren auf Soziales (rund 56–59 Prozent), gefolgt von Zinsen (steigend von etwa 7 auf 15 Prozentpunkte) und Verteidigung (steigend von etwa 19 auf 32 Prozentpunkte).
Entwicklung des Pensionsantrittsalters und der Lebenserwartung von Männern und Frauen zwischen 1970 und 2060, in Jahren, in Österreich
1970 verbrachten Männer im Schnitt 13,6 Jahre in Pension, Frauen 18,5 Jahre. Heute sind es bereits 21,2 beziehungsweise 26,4 Jahre, bis 2060 steigt die Bezugsdauer auf 25,3 und 28,9 Jahre.
Zinssätze in Österreich, in Prozent
Billiges Geld ist Geschichte. Die Zinswende macht es für die Unternehmen und privaten Haushalte schwieriger, Investitionsprojekte zu finanzieren.
2.800 Euro pro Kopf. So viel zahlt jeder Erwerbstätige in Österreich 2029 allein an Zinsen für die Staatsschulden. Insgesamt wird der Staat 2029 12,6 Milliarden Euro an Zinsen zahlen.
Pensionsjahre insgesamt und in guter Gesundheit, 1978 und heute, in Jahren
Wer 1978 in Österreich seinen 65. Geburtstag feierte, hatte im Schnitt knapp 14,5 Jahre Pension vor sich, knapp vier Jahre davon in guter oder sehr guter Gesundheit.
Wirtschaftsklassen. mit den größten Beschäftigtenveränderungen zwischen April 2025 und April 2026
Wen überrascht es: Das stärkste Jobwachstum gibt es im staatlichen Bereich.
reale Unternehmensinvestitionen, Index (2019 = 100)
Die Pandemie ist lange vorbei, die heimische Investitionsschwäche nicht. Real investieren Österreichs Unternehmen heuer um sechs Prozent weniger als 2019. In den USA liegen die Investitionen um 26 Prozent über dem Vorkrisenniveau, in Italien um 29 Prozent, im Vereinigten Königreich um 11 Prozent. Selbst die EU hat den Rückstand aufgeholt. Schw
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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