Österreich scheint derzeit die Speerspitze des europäischen Protektionismus zu bilden.
Nicht genug damit, dass wir in Brüssel allen Ernstes gegen Mercosur gestimmt haben. Die Regierung wirbt nun im Rahmen ihrer Industriestrategie für „Made in Europe & Partner Countries“. Sie suggeriert, dass bei öffentlichen Ausschreibungen derzeit oft nicht der beste Bieter (aus der EU), sondern der billigste (aus Fernost) zum Zuge komme. Die Realität könnte davon nicht weiter entfernt sein: In weniger als einem von drei österreichischen Bieterverfahren wird der Zuschlag allein wegen des niedrigsten Preises erteilt, wie eine Grafik der Agenda Austria zeigt. Nur in sehr wenigen EU-Ländern legen öffentliche Auftraggeber noch weniger Augenmerk auf den Preis als in Österreich.
Dass in der Slowakei praktisch nur der Preis entscheidet, kann man genauso kritisieren wie die Tatsache, dass in Kroatien wohl eher aus dem Bauch heraus entschieden wird. Es gibt ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Kosten einer Beschaffung und ihren Sicherheits- oder Umweltaspekten. Doch darum gehe es der Regierung gar nicht, moniert Agenda Austria-Ökonom Jan Kluge. „Der Politik scheint zu dämmern, dass wir preislich nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Und die einzige Konsequenz, die sie daraus zieht, ist, dass die Europäer per Gesetz anfangen sollen, sich ihre überteuerten Produkte gegenseitig abzukaufen.“ Wer bleibt auf der Strecke, wenn der Wettbewerb tot ist und Aufträge wieder nach politischem Pouvoir vergeben werden? Richtig: Die heimischen Konsumenten und die Steuerzahler, die für ihr Geld immer weniger bekommen.
Verteilung des Bruttoinlandsprodukts von 2016 bis 2026, quartalsweise, in Milliarden Euro, in Österreich
Wer behauptet, in Österreich käme vom wirtschaftlichen Erfolg nur wenig bei den Arbeitnehmern an, sollte einen Blick auf die Zahlen werfen. Seite 2015 ist die Lohnsumme stärker gestiegen als die Wirtschaftsleistung insgesamt; auch deshalb, weil die Beschäftigten seit Beginn der Inflationskrise kräftige Einkommenszuwächse erzielt haben.
Tatsächlich geleistete Arbeitsstunden pro Woche der unselbstständigen Beschäftigten, Index (2004 = 100)
Kurze Arbeitszeiten werden häufiger, lange seltener.
Schuldenquote, im ersten Quartal 2026
Österreichs Schuldenstand hat den EU-Schnitt überholt. Wenn wir so weitermachen, werden wir auch bald zu den überdurchschnittlich hoch verschuldeten Euro-Ländern gehören.
Zahl der erstzugelassenen Studierenden an öffentlichen Universitäten in Österreich von 2003 bis 2025
In Österreich ist studieren praktisch kostenlos und für jeden zugänglich. Abgesehen vom überschaubaren Beitrag zur Hochschülervertretung von 26,20 Euro pro Semester tragen Studierende hierzulande so gut wie nichts zur Finanzierung ihrer Ausbildung bei.
Eine neue Auswertung zeigt, wie sich die Rechtfertigung für Industriepolitik in den USA, China und der EU seit 2009 verschoben hat – und die Richtung ist eindeutig.
Baubewilligungen für neue Wohnungen, bis 1. Quartal 2026
Private Haushalte bauen traditionell größer als gewerbliche oder gemeinnützige Bauträger. Logisch - der Häuslbauer baut eher ein ‘Häusl’ als eine einzelne Wohnung; eine ganze Wohnanlage wird wiederum wohl sehr selten von einer Privatperson gebaut.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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