Europas Ziele werden immer größer, sein Wohlstand immer kleiner. Während die EU-Kommission große Reden schwingt, ziehen die USA unaufhaltsam davon.
Wenn es in Europa an einem nicht fehlt, dann sind es ambitionierte Ziele. Verständigten sich die EU-Regierungschefs im Jahr 2000 darauf, Europa zum „dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ zu machen, wurde 2019 der nächste große Wurf angekündigt: Der „Green Deal“ sollte Europa zur klimaneutralen Technologiemacht formen. Seit Februar 2025 ist Europa laut den Plänen der Kommission auf dem Weg zur globalen KI-Großmacht. Das Muster ist immer dasselbe: Pompöse Gipfel, überzeugende Grundsatzreden, unrealistische Aktionspläne, enttäuschende Halbzeitberichte und ab zum nächsten Projekt, weil sich das vorhergehende als Luftnummer entpuppte.
Dahinter steckt eine gefährliche Selbsttäuschung. Europa redet wie eine Weltmacht, wirtschaftet aber wie ein Museumsverwalter. Die Zahlen liefern ein klares Bild: Das BIP pro Kopf der EU liegt laut IWF nominell bei gerade einmal 52 Prozent des US-Niveaus. Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft und stolzes Aushängeschild hochwertiger Ingenieurskunst, liegt bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf nur noch hauchdünn vor Mississippi, dem ärmsten Bundesstaat der USA. Europas Industrieproduktion ist drei Jahre in Folge gesunken, während die sechs größten Tech-Giganten aus den USA mehr wert sind als alle börsennotierten Unternehmen Europas zusammengenommen.
Was ist passiert? US-Konzerne haben die künstliche Intelligenz bereits tief in ihre Abläufe integriert, während viele europäische Unternehmen noch zögern und auf regulatorische Orientierung warten. In den Vereinigten Staaten arbeiten Beschäftigte rund 1800 Stunden im Jahr, in Deutschland sind es knapp 1300. McKinsey beziffert die Produktivitätslücke zwischen den USA und den großen europäischen Volkswirtschaften mittlerweile auf 33 Prozentpunkte. Das ist keine Lücke mehr, das ist schon eine kleine Galaxie.
Das Ziel „weniger arbeiten, besser leben“ funktioniert eben nur dann, wenn die Wirtschaft brummt. Das tut sie aber schon lange nicht mehr. Weil Europa seine Unternehmen mit absurden Regulierungen stranguliert und noch immer an den leistungslosen Wohlstand glaubt.
Spitzenunternehmen entstehen auch nicht in der 30-Stunden-Woche, sondern dort, wo Menschen bereit sind, mehr zu arbeiten, hohe Risiken einzugehen und wo ihnen etwas von ihrer Leistung bleibt. Deshalb fließt das Kapital nicht mehr nach Toulouse, Essen oder Mailand, sondern nach Kalifornien, Singapur und Taipeh. Während ein Start-up in den USA von Tag eins an 350 Millionen Konsumenten mit einer Sprache, einem Rechtssystem und einem Kapitalmarkt anspricht, kämpft sein europäisches Gegenüber mit 27 verschiedenen Rechtssystemen, Dutzenden Sprachen und einem regulatorischen Korsett, das jeden Unternehmergeist erdrückt. Der IWF schätzt, dass allein die Beseitigung der Handelsbarrieren zwischen den EU-Mitgliedsstaaten die europäische Produktivität um sieben Prozentpunkte erhöhen würde. Aber statt den Binnenmarkt endlich zu vollenden, kommt aus Brüssel eine Regulierung nach der anderen.
Die gute Nachricht: Europa hat eigentlich alles, was es braucht. Es hat die Köpfe, es hat die Infrastruktur, es hat eine starke Industriegeschichte und einen riesigen, wohlhabenden Binnenmarkt. Europa muss das Rad nicht neu erfinden, es muss nur aufhören, es täglich neu zu regulieren. Der dringlichste Schritt ist eine energische Deregulierungsoffensive. Nicht die kosmetische Variante, bei der man ein paar Berichtspflichten streicht, sondern die radikale Kettensägen-Version nach argentinischem Vorbild. Weg mit dem Lieferkettengesetz, weg mit der Entgelttransparenzrichtlinie, weg mit der Entwaldungsverordnung. Und Schluss mit dem Reflex, jedes hochgespielte Problem mit einer neuen Verordnung zu beantworten.
Zudem braucht es endlich die seit zwei Jahrzehnten verschleppte Kapitalmarktunion, damit europäische Start-ups nicht mehr in die USA pilgern müssen, um an Risikokapital zu kommen. Und es braucht ein Klima, in dem Unternehmer nicht mehr als gemeingefährliches Übel behandelt, sondern als das gesehen werden, was sie sind: der Motor allen Wohlstands.
Dazu braucht es keine Steueroasen, sondern ein stabiles, vorhersehbares Umfeld, das nicht alle zwei Jahre durch neue Sonderabgaben, Vermögensteuern, Digitalsteuern oder Mindestbesteuerungsregeln auf den Kopf gestellt wird. Investitionsentscheidungen werden auf Jahrzehnte getroffen. Wer nicht weiß, welche Regeln in fünf Jahren gelten, investiert sein Geld lieber woanders.
Genau das kann sich das rasant alternde Europa aber nicht mehr leisten.
(erstmals erschienen am 09.05.2026 in “Die Presse”)
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