Die Aufregung ist groß, sobald Pensionen unter der Inflationsrate angepasst werden sollen. Schnell ist von „Kürzungen“ und „Belastungen“ für ältere Menschen die Rede.
Doch diese Empörung greift zu kurz. Denn in Wahrheit geht es um etwas Grundsätzlicheres: nicht um Bestrafung, sondern um die Frage, ob ein System aus einer anderen Zeit heute noch finanzierbar ist.
Das System gerät durch mehr Pensionisten und zu wenige Erwerbstätige unter Druck. Andere Länder haben auf diese Entwicklung reagiert: mit höherem Pensionsantrittsalter, mit automatischen Anpassungsmechanismen und einem stärkeren Ausbau kapitalgedeckter Systeme. Österreich verharrt weitgehend im jetzigen System und schüttet das Pensionsloch mit immer noch mehr Steuergeld zu. So steigt der Unterschied zwischen den Auszahlungen an die Pensionisten und den Einzahlungen der Aktiven heuer auf über 34 Milliarden Euro.
Es geht nicht um eine einseitige Belastung der Pensionisten. Viele Eingriffe wirken erst für zukünftige Pensionen. Die Debatte wird dennoch oft so geführt, als stünde eine Bestrafung der Älteren im Raum. Dabei ist der eigentliche Punkt ein anderer: Bleiben die grundlegenden Stellschrauben unangetastet, werden die Kosten weiter explodieren. Früher oder später wird sich das bemerkbar machen, sei es im Pensionsniveau oder in der Finanzierung. Deshalb geht es nicht um einzelne Korrekturen, sondern um eine grundsätzliche Entscheidung: Ob man bereit ist, das System an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Dazu braucht es längeres Arbeiten, also ein Pensionssystem, das die steigende Lebenserwartung laufend berücksichtigt.
Die eigentliche Zumutung wäre nicht die Reform. Die eigentliche Zumutung ist, so zu tun, als könnte ein System aus dem vergangenen Jahrhundert unverändert in die Zukunft getragen werden.
(erstmals erschienen am 28.04.2026 in “Kleine Zeitung”)
Entwicklung des Pensionsantrittsalters und der Lebenserwartung von Männern und Frauen zwischen 1970 und 2060, in Jahren, in Österreich
1970 verbrachten Männer im Schnitt 13,6 Jahre in Pension, Frauen 18,5 Jahre. Heute sind es bereits 21,2 beziehungsweise 26,4 Jahre, bis 2060 steigt die Bezugsdauer auf 25,3 und 28,9 Jahre.
2.800 Euro pro Kopf. So viel zahlt jeder Erwerbstätige in Österreich 2029 allein an Zinsen für die Staatsschulden. Insgesamt wird der Staat 2029 12,6 Milliarden Euro an Zinsen zahlen.
Ökonomen haben ja selten gute Nachrichten. Also eine gleich vorweg: Noch nie haben in Österreich so viele Menschen gearbeitet wie heute. Aber trotzdem wird das Pensionssystem Jahr für Jahr teurer. Warum?
Die alte Bildungskarenz wurde dafür nicht repariert. Sie wurde eingestellt, ein neues Modell kam an ihre Stelle.
Bis 2050 wird es in Österreich rund eine Million mehr Menschen über 65 geben als noch 2021.
Vor allem linke Politiker erzählen gerne dasselbe Narrativ: Sobald die Babyboomer durchs Pensionssystem durch sind, gehe sich das schon wieder aus. Nur eine Delle, die vorbeizieht. Das stimmt aber leider nicht.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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