Der neue Industriestrombonus geht an den Start. Ein hilfloses Vehikel, das das zugrundeliegende Problem nicht löst.
Nichts hält länger als ein österreichisches Provisorium. Das lehrt die Geschichte: Die kaiserliche Mieterschutzverordnung von 1917 überlebte das Kaiserreich um Längen, obwohl sie eigentlich noch im selben Jahr hatte auslaufen sollen. In der Gestalt des Friedenszinses gab es sie noch jahrzehntelang. Das Dieselprivileg existiert sogar bis heute. Es hatte ab 1949 nur dafür sorgen sollen, dass das im Inland geförderte Öl nicht an die Sowjets abgeliefert werden musste, erwies sich dann aber als zäher als die Sowjetunion selbst. Auch in der jüngeren Geschichte finden sich Beispiele: Der Spitzensatz von 55 Prozent bei der Einkommensteuer oder der Energiekrisenbeitrag für Stromproduzenten waren von Anfang an nur vorübergehende Notlösungen. Es gibt sie aber immer noch.
Besonders stabil sind Provisorien immer dann, wenn den Improvisierenden auch nach reiflicher Überlegung nichts Besseres einfällt. Vor allem im Energiebereich wird das immer deutlicher. Dass österreichische Unternehmen traditionell doppelt so hohe Strompreise zu zahlen haben wie ihre US-amerikanischen Konkurrenten, war schon vor Ausbruch des Ukrainekriegs üblich. Doch als die Preise dann auf das Drei- und Vierfache hochsprangen, musste schnell etwas passieren. Eilig erfand die Regierung Hilfsprogramme, an die sich die Begünstigten natürlich schnell gewöhnten. Als der 2022 versprochene Energiekostenzuschuss II nicht sofort kam, war das Geschrei groß. Man hatte das Geld schließlich schon fest eingeplant.
Nun ist es freilich nicht so, dass die Regierung aus ihren Fehlern nicht gelernt hätte. Während die Energiekostenzuschüsse I und II noch milliardenschwere Geldschleudern waren, kommt die Neuauflage des Stromkosten-Ausgleichsgesetzes – noch so ein Provisorium, das eigentlich schon erledigt schien – fast schon bescheiden daher. Seit dieser Woche können sich handverlesene Unternehmen um den Industriestrombonus von insgesamt 150 Millionen Euro für die Jahre 2025 und 2026 bewerben. Die Regierung ist mit der EU im Gespräch, weil sie noch ein beihilfenrechtliches Go braucht und den Bonus außerdem gerne bis 2029 verlängern würde. Und nächstes Jahr kommt dann natürlich auch noch der Industriestrompreis. Mal schauen, für wie lange.
Wenn MacGyver aus zwei Kerzenständern, einem Kabel und einer Gummimatte einen Defibrillator baute, dann nur deshalb, weil er das Herzleiden seines Patienten auf die Schnelle nicht heilen konnte. Langfristig würde er zu einem richtigen Arzt müssen. So ist es mit dem österreichischen Energiemarkt auch. Doch statt ihn vom Kopf auf die Füße zu stellen, packt die Regierung nur regelmäßig das Scheckbuch aus und hat jetzt wohl ernsthaft vor, das für immer zu tun. Sie sollte lieber die staatlichen Versorger in die Privatwirtschaft entlassen und sie dem Preiswettbewerb aussetzen. Sie sollte die Netzfinanzierung neugestalten, mit der sich die (ebenfalls staatlichen) Netzbetreiber eine goldene Nase verdienen. Und dann wären da natürlich noch die Steuern und Abgaben und der schleppende Ausbau der Erneuerbaren.
Manche Probleme kann man bewältigen, indem man sie einfach mit Geld zudeckt. Dieses gehört aber nicht dazu.
(erstmals erschienen am 20.04.2026 in “Kurier”)
Die Energiewende muss strategisch gedacht werden, um die Abhängigkeit Europas von fossilen Energieimporten zu reduzieren. Dabei liegt die Antwort nicht immer im weiteren Ausbau der Erneuerbaren.
„Das Blöde ist, dass all diesen KI-gestützten Lösungen halt irgendwo der moralische Kompass fehlt." – Andreas Grassl
Wer den Preisbildungsmechanismus an der Börse dafür verantwortlich macht, dass der Strom so teuer ist, macht es sich zu leicht. Wir spielen den Pflichtverteidiger für die Merit-Order.
„Ein Preisdeckel bedeutet letztlich, dass der Staat die Entscheidungen von Millionen Menschen durch die Entscheidungen einiger Politiker und Beamter ersetzt.“
Die Politik beklagt sich über Marktversagen im Energiesektor, obwohl sie dort selbst das Sagen hat. Nun hackt sie wieder auf der armen Merit-Order herum. Die kann aber rein gar nichts für Staatsversagen.
Um sich einen Liter Benzin kaufen zu können, müssen insgesamt 3,34 Euro erwirtschaftet werden. Doch in das eigentliche Produkt fließt nur ein kleiner Teil: 85 Cent entfallen auf den Benzin-Nettopreis und 2,49 Euro bestehen aus Steuern und Abgaben.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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