Die Energiewende muss strategisch gedacht werden, um die Abhängigkeit Europas von fossilen Energieimporten zu reduzieren. Dabei liegt die Antwort nicht immer im weiteren Ausbau der Erneuerbaren.
Hätten wir die Energiewende doch nur stärker vorangetrieben! Kommentare dieser Art hört man in der abermaligen Energiekrise immer öfter. Die Energiewende ist zweifellos richtig und notwendig. Das Ziel, Europas Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren und den Ausbau erneuerbarer Quellen voranzutreiben, ist nicht nur klimapolitisch, sondern auch ökonomisch und geopolitisch sinnvoll. Immerhin sind fossile Abhängigkeiten zwangsläufig mit Handelsbeziehungen in instabile Weltgegenden verbunden. Doch die Realität ist komplexer: Die Nebenwirkungen überstürzter Maßnahmen, die politisch gut klingen, machen sich gerade in Krisenzeiten bemerkbar.
Allzu oft entsteht der Eindruck, es reiche aus, einfach immer mehr Windräder und Solaranlagen zu errichten. Seit der Jahrtausendwende ist die installierte Kapazität massiv gestiegen. Insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien wurde politisch forciert. Auch Österreich hat sich erst kürzlich mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) ambitionierten Zielen verschrieben. Bis 2030 wurden die Ziele der erneuerbaren Stromerzeugung nachgeschärft werden und in jedem Bundesland soll ein gewisser Teil aus Windkraft stammen. Ja, auch in Salzburg, Tirol und Vorarlberg, wo sich bisher kein Windrad dreht.
Warum die Energiewende ökonomisch scheitert
Doch Kapazität ist nicht gleich Produktion. Um den Energiebedarf, die heute kaum höher ist als im Jahr 2000, zu erzeugen, braucht es mehr installierte Gesamtleistung. Während fossile Kraftwerke konstant und planbar Energie liefern, unterliegt die Einspeisung der Erneuerbaren naturgegebenen Schwankungen. Die Sonne scheint nicht immer und Orkanböen sind auch eher die Ausnahme. Entsprechend liegt der tatsächliche Output oft deutlich unter der theoretischen Maximalleistung.
Diese strukturelle Schwäche wurde unterschätzt. Politisch lag der ideologische Fokus darauf, fossile Kapazitäten zurückzufahren. Der Ausbau erneuerbarer Energien wurde kräftig vorangetrieben. Sich zeitgleich aber auch über die Stabilität der grünen Zukunftstechnologien Gedanken zu machen, hat man scheinbar vergessen. Zentrale Fragen der Speicherung und Netzstabilität sind vielfach ungelöst.
Ohne Speicher keine Wende
Die Konsequenz: Gerade dann, wenn Energie dringend benötigt wird, ist sie oft nicht ausreichend verfügbar. In solchen Momenten greifen europäische Staaten auf fossile Energieträger zurück. Wenn die Exportländer aber mitten im Krieg stecken, wird es schwierig und vor allem teuer. Eine ehrliche energiepolitische Debatte muss daher anerkennen, dass der Ausbau erneuerbarer Energien allein nicht genügt. Aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wird man sich nur dann lösen können, wenn ausreichend effiziente Speichermöglichkeiten vorhanden sind.
Grün allein reicht nicht
Die Lösung ist nicht, die Energiewende zu stoppen – sondern sie ökonomisch zu denken. Um international nicht abgehängt zu werden, braucht es einen strategischen Übergang: Mehr und bessere Speicher, damit überschüssiger Strom auch genutzt werden kann. Effizientere Netze, damit Energie schließlich auch dorthin gelangt, wo sie gebraucht wird, und Backup-Kapazitäten, beispielsweise Gasspeicher, die das System stabil halten. Letztlich geht es nicht darum, ob etwas “grün” klingt, sondern dass die Energieversorgung nachhaltig gesichert ist. Europa meint es mit dem Ausbau der Erneuerbaren gut, womöglich zu gut. Ein Kraftwerk lässt sich zwar von heute auf morgen abdrehen, eine optimale Einspeisung und Speicherung nachhaltiger Energien aber bedarf Planung und Anpassung. Energieversorgung verlangt ökonomische Vernunft, nicht politische Symbolik.
Europa stöhnt über die neuerlich gestiegenen Energiepreise. Dabei täte ein anderer Blick gut: Je ärger wir unsere Energie subventionieren, desto härter wird das Leben in den Schwellenländern.
Der neue Industriestrombonus geht an den Start. Ein hilfloses Vehikel, das das zugrundeliegende Problem nicht löst.
Wer den Preisbildungsmechanismus an der Börse dafür verantwortlich macht, dass der Strom so teuer ist, macht es sich zu leicht. Wir spielen den Pflichtverteidiger für die Merit-Order.
„Ein Preisdeckel bedeutet letztlich, dass der Staat die Entscheidungen von Millionen Menschen durch die Entscheidungen einiger Politiker und Beamter ersetzt.“
Die Politik beklagt sich über Marktversagen im Energiesektor, obwohl sie dort selbst das Sagen hat. Nun hackt sie wieder auf der armen Merit-Order herum. Die kann aber rein gar nichts für Staatsversagen.
Um sich einen Liter Benzin kaufen zu können, müssen insgesamt 3,34 Euro erwirtschaftet werden. Doch in das eigentliche Produkt fließt nur ein kleiner Teil: 85 Cent entfallen auf den Benzin-Nettopreis und 2,49 Euro bestehen aus Steuern und Abgaben.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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