In den 1970ern liefen in Poissy bei Paris eine halbe Million Autos pro Jahr vom Band. 27.000 Menschen arbeiteten dort. Heute sind es noch 1.600 – und bald wird kein einziges Auto mehr gebaut.
Stellantis stellt die Produktion ein, der Opel Mokka wandert nach Spanien ab, und ein traditionsreiches Werk wird zum 3D-Druck-Standort umgebaut.
Das klingt nach einer Unternehmensentscheidung. Es ist eine europäische Systemfrage.
Wir sehen es in den Zahlen:
Europas Top-F&E-Investoren 2003:
VW, Mercedes-Benz, Siemens.
Europas Top-F&E-Investoren 2022:
VW, Mercedes-Benz, Bosch.
In den USA stehen längst Alphabet, Meta und Microsoft an der Spitze. Europa tritt seit zwanzig Jahren auf der Stelle – Amerika hat sich komplett neu erfunden.
Europa hingegen steckt in der Mid-Tech-Falle. Unsere Förderpolitik belohnt, was schon existiert – Automobil, Maschinenbau, bewährte Industrien. Radikale, disruptive Technologien entstehen woanders. Wachstumskapital ist knapp, institutionelle Investoren sind zögerlich, und gute Ideen wandern früh in die USA ab, wo das Geld wartet. Innovationsmittel werden so breit gestreut, dass echte Technologiecluster gar nicht erst entstehen können.
Poissy ist kein Betriebsunfall. Es ist das Spiegelbild einer Wirtschaftspolitik, die zu lange auf Bewährtes gesetzt und zu selten auf Mutiges gewettet hat. Solange sich an Förderstruktur und Kapitalmärkten nichts ändert, wird es nicht die letzte Geschichte dieser Art sein.
Die Regierung wird diese Woche ihre Industriestrategie präsentieren. Nach allem, was im Vorfeld zu hören war, dürfte sie recht blumig ausfallen.
Öffentlich wird immer wieder suggeriert, dass Handelsabkommen die Armut verstärkt haben. Den Beweis dafür bleibt man jedoch meist schuldig.
Das Pensionsloch wächst ungebremst. Und das trotz der „größten Pensionsreform seit 20 Jahren“.
Die neue Bundesregierung betont bei jeder Pressekonferenz, die wirtschaftliche Lage im Auge zu haben. Man warte allerdings noch auf „neue“ Daten, bevor der Standort endlich auf Vordermann gebracht werde.
Zwar sind die Strompreise seit der Energiekrise 2022/23 wieder etwas gesunken, dennoch zahlen viele europäische Unternehmen noch immer fast dreimal so viel wie ihre US-amerikanischen Konkurrenten.
Österreichs Wirtschaft kommt nicht recht vom Fleck. Auch im letzten Quartal 2024 stagnierte die Wirtschaft. Noch düsterer steht es um die Industrie.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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