Arbeitsmarkt & Einkommen

Parteitag der Populisten

Die SPÖ will die Krise nutzen, um eine Arbeitszeitverkürzung durchzuboxen. Das klingt für manche vielleicht gut, verteuert aber nur den Faktor Arbeit.

Das alte Modell der Vier-Tage-Arbeitswoche wird in ein neues, kämpferisches Gewand verpackt. Als ersten Schritt fordert man eine freiwillige Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich.

Der erste Leitantrag am heutigen Parteitag der SPÖ ist wenig überraschend: „Wir kämpfen weiter für eine generelle Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich.“ In anderen Worten: Das alte Modell der Vier-Tage-Arbeitswoche wird in ein neues, kämpferisches Gewand verpackt. Als ersten Schritt fordert man eine freiwillige Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich. Die Arbeitszeit soll auf Branchenebene oder im Einzelbetrieb von 100 auf 80 Prozent reduziert werden können, wobei – analog zur Corona-Kurzarbeit – im Wege einer AMS-Förderung 90 Prozent des Nettolohns ausgezahlt werden.

Pro vier Personen, die das Modell innerhalb eines Unternehmens in Anspruch nehmen, wäre eine Ersatzarbeitskraft einzustellen. Als langfristiges Ziel gilt eine Verkürzung der Dienstzeit bei einem vollem Lohn- und Personalausgleich. Würde dieser SPÖ-Vorschlag langfristig Realität werden, hätte das eine massive Mehrbelastung für Unternehmen zur Folge. Ausgerechnet jetzt, da wir aufatmen und aufsperren, will die SPÖ den Stopp-Knopf drücken. Zudem ist die tatsächliche Umsetzung der Idee ohnehin unrealistisch. Da in den meisten Firmen kaum vier Arbeitnehmer zu finden sind, die dieselbe Tätigkeit ausüben. Darüber hinaus sind vier von fünf Firmen in Österreich Kleinunternehmen und haben weniger als zehn Beschäftigte. Etwa ein Viertel aller Arbeitnehmer arbeitet in solchen Betrieben. Diese Personen bzw. Unternehmen können diesen Vorschlag also nicht in Anspruch nehmen. 

Ausgerechnet jetzt, da wir aufatmen und aufsperren, will die SPÖ den Stopp-Knopf drücken.

Freilich spricht nichts dagegen, dass Unternehmen freiwillig die Arbeitszeit der Mitarbeiter verkürzen. Erhöht das am Ende sogar die Produktivität, ist dies für alle Beteiligten zu begrüßen. Tatsächlich wurden solche Modelle in manchen Unternehmen auch erfolgreich eingeführt. In den vorliegenden Fällen haben sich die Unternehmer und Mitarbeiter auf ein Modell geeinigt, weil es ihnen in ihrem speziellen Fall günstig erschien. Daraus Schlüsse auf die Gesamtwirtschaft zu ziehen wäre aber falsch und gesellschaftlich wie wirtschaftlich gefährlich.  

Dazu kommt: Angenommen vier Arbeitnehmer nehmen die Arbeitszeitverkürzung in Anspruch und schaffen Raum für einen zusätzlichen Job. Gibt es am Arbeitsmarkt überhaupt Menschen mit den notwendigen Qualifikationen für die neue Stelle? Um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, hat Frankreich zur Jahrtausendwende versucht, die Wochenarbeitszeit von 39 auf 35 Stunden zu verkürzen. Das Ergebnis war ernüchternd. Nicht nur die Arbeitslosigkeit, sondern auch die Beschäftigung blieben auf einem unveränderten Niveau. Dafür sind die Arbeitskosten kräftig gestiegen. 

Der kämpferische Vorschlag, die Arbeitszeit zu verkürzen, kommt zur Unzeit. Noch nie sind Staaten mit weniger Arbeit aus einer Krise gekommen.

Der kämpferische Vorschlag, die Arbeitszeit zu verkürzen, kommt zur Unzeit. Noch nie sind Staaten mit weniger Arbeit aus einer Krise gekommen. Wer die Arbeitslosigkeit bekämpfen will, muss Jobs schaffen und Arbeitslose ausbilden, um sie wieder in Beschäftigung zu bringen. Es gibt deutlich bessere Wege, um Unternehmen die Schaffung neuer Stellen schmackhaft zu machen. Man könnte es zum Beispiel billiger machen. So ließe sich die Beschäftigung mit einer Senkung der Sozialversicherungsbeiträge für Neueinstellungen erhöhen. Eine Reduktion der Abgaben verringert die Kosten für den Arbeitgeber, ohne dass die Kaufkraft des Arbeitnehmers sinkt. Hier gibt es ein Positivbeispiel: In Schweden führte eine solche Reform zu einer höheren Beschäftigung und höheren Löhnen. Vielleicht sollte die SPÖ ihren führenden Leitantrag rasch umschreiben: „Weniger Abgaben, mehr Jobs.“ Das könnte zumindest funktionieren.

Gastkommentar von Denes Kucsera für “Die Presse” (26.06.2021).



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