Mehr als ein Drittel der Euroländer steckt in einem Defizitverfahren und Österreich ist mittendrin.
Nachdem von 2020 bis 2023 die europäischen Fiskalregeln wegen der Coronapandemie ausgesetzt waren (was auch die fehlenden Defizitverfahren in diesen Jahren erklärt), schlägt die Realität nun wieder voll zu.
Viele europäische Staaten haben ihre Finanzen nicht im Griff – und das sicher nicht, weil sie zu wenige Steuern einheben. Die demographische Realität bringt die Pensionssystem in Schieflage, die Regulierungswut schlägt sich im schwachen Wirtschaftswachstum nieder, was wiederum mit großzügigen staatlichen Eingriffen kaschiert werden soll.
Auffällig: Die Länder, die während der großen Finanzkrise in besonders große Schwierigkeiten geraten sind (Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Zypern; Italien ist die Negativausnahme), stehen heute besser da als vermeintliche verantwortungsvollere Staaten wie Österreich und Finnland. Die Reformen haben gewirkt, auch wenn sie oft unpopulär waren. Wir sollten uns schleunigst ein Beispiel daran nehmen.
Quellen: Agenda Austria, Rat der EU, Europäische Kommission.
Dargestellt sind die Verfahren bei einem übermäßigen Defizit (Art. 126 AEUV) in den 21 Ländern der Eurozone von 2002 bis 2026. Die Balken umfassen jeweils die Kalenderjahre vom Ratsbeschluss zur Eröffnung bis zur Aufhebung eines Verfahrens, Stand 10. Juli 2026. Dunkle Balken zeigen abgeschlossene Verfahren, orange Balken laufende Verfahren und blasse Balken Verfahren, die vor dem Euro-Beitritt des jeweiligen Landes eröffnet wurden. Ein senkrechter Strich markiert die Euro-Einführung am 1. Jänner des jeweiligen Jahres; die Beitritte der ersten zwölf Euro-Länder bis 2001 liegen vor der Zeitachse. Estland und Luxemburg waren im gesamten Zeitraum in keinem Verfahren.
Die Grafik zeigt als Zeitleiste die Verfahren bei einem übermäßigen Defizit in den 21 Euro-Ländern von 2002 bis 2026. Jeder Balken umfasst die Kalenderjahre von der Eröffnung bis zur Aufhebung eines Verfahrens, blasse Balken markieren Verfahren vor dem Euro-Beitritt, orange Balken laufende Verfahren. Im Jahr 2010 liefen gegen 18 der 21 Länder Verfahren, von 2020 bis 2023 gegen keines. Derzeit laufen sieben Verfahren, gegen Belgien, Frankreich, Italien und die Slowakei seit 2024, Österreich seit 2025 sowie Bulgarien und Finnland seit 2026. Österreich war bereits von 2009 bis 2014 in einem Verfahren. Das 2024 eröffnete Verfahren gegen Malta ist abgeschlossen. Estland und Luxemburg hatten im gesamten Zeitraum kein Verfahren.
Weltexportanteil (Waren und Dienstleistungen, US-Dollar), Index 2000 = 100
Andere Länder gewinnen Marktanteile. Österreich verliert den Anschluss. Seite 2000 hat Tschechien seinen Anteil am Weltexport mehr als verdoppelt. Auch die Schweiz konnte deutlich zulegen. Österreich hingegen hat rund 16 Prozent seines Weltmarktanteils verloren.
Arbeitskosten je geleisteter Stunde im Verarbeitenden Gewerbe, 2025, in Euro
Made in Austria? Wird immer teurer. Wer in Österreich produziert, muss tief in die Tasche greifen. Eine Arbeitsstunde im verarbeitenden Gewerbe kostet hierzulande 51,30 Euro. In Deutschland sind es 49,50 Euro. Der EU-Schnitt liegt mit 35 Euro sogar um fast ein Drittel darunter.
Zinskosten des Bundes laut Finanzrahmen und Mehrkosten, wenn alle neuen Kredite ab 2027 einen Prozentpunkt mehr kosten, in Milliarden Euro
Ein Prozentpunkt mehr Zinsen. Milliarden mehr Kosten. Was nach einer kleinen Veränderung klingt, kann für Österreichs Staatshaushalt richtig teuer werden.
Staatsausgaben in Prozent des BIP, Veränderung von 2019 bis 2026
Die Krisen der vergangenen Jahre haben in ganz Europa die Staatsausgaben nach oben getrieben. Nur sind sie in fast allen Ländern wieder in Richtung Vorkrisenniveau gesunken. Nicht so in Österreich.
Quartale, bis das reale BIP pro Kopf seinen bisherigen Höchststand wieder erreicht
Österreich ist außergewöhnlich schlecht darin, sich von Krisen zu erholen. Die große Finanzkrise, die Pandemie und die aktuelle Rezession: andere europäische Staaten erreichen ihr wirtschaftliches Vorkrisenniveau viel schneller.
57 Prozent der Menschen mit hohem Haushaltseinkommen und hoher Finanzkompetenz haben im vergangenen Jahr in Wertpapiere investiert. Bei Menschen mit niedrigem Einkommen und geringer Finanzkompetenz waren es nur 14 Prozent.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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