Die Krisen der vergangenen Jahre haben in ganz Europa die Staatsausgaben nach oben getrieben. Nur sind sie in fast allen Ländern wieder in Richtung Vorkrisenniveau gesunken. Nicht so in Österreich.
Im Jahr 2019 gab die öffentliche Hand in Österreich, Schweden und Dänemark praktisch gleich viel aus, jeweils rund 50 Prozent der Wirtschaftsleistung. Seither trennen sich die Wege. Schweden kommt 2026 laut Prognose der EU-Kommission auf 50,8 Prozent, Dänemark auf 49,4 Prozent. Österreich liegt dagegen bei 55,4 Prozent; das ist ein Plus von 6,3 Prozentpunkten, wie unsere Grafik zeigt. Unter den westeuropäischen Ländern der Europäischen Union legte nur Deutschland noch etwas stärker zu.
Würde sich der österreichische Staat heuer mit der schwedischen Ausgabenquote zufriedengeben, gäbe er rund 24 Milliarden Euro weniger aus. Das ist mehr als das gesamte Defizit des Staates im Jahr 2026. Wie Schweden das schafft? Mit einer restriktiven Ausgabenbremse und einem Budgetziel. Auch Österreich plant seine Ausgaben mehrere Jahre im Voraus. Der Unterschied: In Schweden ist die Obergrenze verbindlich, in Österreich wird sie jedes Jahr nach oben verschoben. „Schweden zeigt, dass ein starker Sozialstaat und Ausgabendisziplin kein Widerspruch sind. Österreich hat nach der Pandemie einfach nicht mehr aufgehört, mehr Geld auszugeben. Ohne eine verbindliche Ausgabenbremse wird sich daran nichts ändern“, sagt unser Ökonom Dénes Kucsera.
Quelle: Agenda Austria, Europäische Kommission.
Methodik: Grundlage sind die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nach dem Europäischen System (ESVG 2010). Gezählt werden alle Ausgaben des Gesamtstaats, also von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung. Die Summe wird durch das nominelle Bruttoinlandsprodukt desselben Jahres geteilt; das Ergebnis ist die Staatsausgabenquote. Für 2019 sind es tatsächliche Werte, für 2026 Prognosewerte der EU-Kommission. Der Balken zeigt die Veränderung zwischen beiden Jahren in Prozentpunkten, die Spalten rechts die beiden Quoten. Erfasst sind die 14 westeuropäischen EU-Staaten, die schon vor der Erweiterung 2004 Mitglied waren.
Balkendiagramm mit der Veränderung der Staatsausgaben in Prozent des BIP von 2019 bis 2026 in Prozentpunkten für 14 EU-Mitglieder vor 2004, ergänzt um die Ausgabenquoten der Jahre 2019 und 2026. Die Veränderung reicht von plus 6,5 Prozentpunkten in Deutschland bis minus 1,4 Prozentpunkten in Irland. Österreich ist hervorgehoben und liegt mit plus 6,3 Prozentpunkten gleichauf mit Luxemburg, Schweden und Dänemark sind ebenfalls markiert. Die Ausgabenquote 2019 reicht von 23,9 Prozent in Irland bis 55,3 Prozent in Frankreich, jene für 2026 von 22,5 Prozent in Irland bis 58,5 Prozent in Finnland. Die Werte für 2026 sind Prognosen.
Rang Österreichs unter den EU-27 bei der Arbeitslosenquote (1 = niedrigste Quote); grau: Quote in Prozent
Vor nicht allzu langer Zeit war Österreich bei der Arbeitslosigkeit die Nummer eins in der EU. 2011 hatte kein Land eine niedrigere Quote als wir. Heute reicht es nur noch für Platz 15.
Kaufkraftbereinigte pro-Kopf Staatsausgaben im Jahr 2025
Österreich ist Europaspitze – zumindest beim Geldausgeben. Mit über 30.700 Euro pro Kopf zählt Österreich zu den Ländern mit den höchsten Staatsausgaben Europas. Kaufkraftbereinigt geben nur Luxemburg und Norwegen noch mehr aus.
Entwicklung der Hochschulbudgets, in Milliarden Euro pro Dreijahreszeitraum
Die Unis beschweren sich über ihr Budget, die Studenten gehen auf die Straße. Dabei sind die Hochschulen ja gar nicht so schlecht ausgestiegen. Gefordert hatten sie 18 Milliarden, budgetiert wurden ursprünglich 15,5; statt bisher 16,1 Milliarden Euro kriegen sie im nächsten Finanzierungszeitraum nun … 16 Milliarden Euro.
Durchschnittliches reales BIP-Wachstum 2026 bis 2031, in Prozent
Die neue Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds ist für Österreich verheerend. Bis 2031 werden von 189 Ländern 182 schneller wachsen als wir.
Pensionisten, öffentlich Bedienstete und Sozialleistungsbezieher je Erwerbstätigem in der Privatwirtschaft
Österreich hat die Schallmauer durchbrochen.
Einkommen österreichischer Pensionisten im EU-Vergleich mit Erwerbstätigen
Irgendwann schlage die Mathematik die Ideologie, sagte AMS-Chef Johannes Kopf zuletzt in der ORF-„Pressestunde“ und sprach sich für ein höheres Pensionsantrittsalter aus.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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