Unter der Klimaanlagendebatte der letzten Wochen schlummert ein größeres Problem. Wenn es heiß ist, hat der Klimadiskurs Hochkonjunktur. Das war schon immer so. Doch während der ersten Hitzewelle des Jahres war etwas neu: Nicht die Klimaziele standen plötzlich im Vordergrund, sondern die Anpassung an die Erderwärmung. Bei 40 Grad im Schatten wurden die Stimmen gegen Klimaanlagen immer matter.
Doch die Klimaanlagendiskussion weist auf einen wichtigen Punkt hin: Etwa die Hälfte der österreichischen Haushalte wohnt zur Miete; jeder zweite ist also klimapolitisch nur Passagier. Keine Ladestation in der Tiefgarage, keine PV-Anlage auf dem Dach und eben auch keine Klimaanlage im Schlafzimmer ohne die Zustimmung des Vermieters. Der wiederum muss oft die Eigentümergemeinschaft fragen – ein Weg, der selbst Wohnungseigentümern nicht erspart bleibt.
Häuslbauer am Land haben es da leichter. Sie bereiten sich seit Jahren aktiv auf steigende Temperaturen und Energiepreise vor und bekommen das meiste sogar noch kräftig gefördert. Die urbane Schickeria träumt derweil eher abstrakt vom Zweigradziel. Die Verbotspolitik, die sie immer gewollt hat, hat sie bekommen – die Ermöglichungspolitik, die sie nun bräuchte, aber nicht. Die individuellen Anreize, etwas zu tun, sind da, aber überall steht ihnen das Kollektiv entgegen. Selbst wenn die Nachbarn mitspielen, wird sich irgendein Amt schon querlegen. Die Wiener hätten gern Windräder in den Tiroler Bergen, aber Balkonkraftwerke an Altbaufassaden ruinieren ja das Stadtbild.
Wenn es mit der Klimafitness noch etwas werden soll, müssen die Städte mehr tun als im Sommer Sprühnebelduschen aufzustellen. Noch immer haben wir in Österreich keine ausreichenden Fernwärmenetze; von Fernkälte gar nicht zu reden. Die Vermieter ihrerseits würden schon investieren, aber nicht unter dem aktuellen Mietrechtsgesetz. Wer für 6,74 Euro pro Quadratmeter in Wien wohnen will, der wird wohl im Winter auch weiterhin die Gastherme anwerfen müssen und im Sommer nur die Vorhänge zuziehen können.
Bis auf Weiteres wird also in den Städten nur heiße Luft produziert.
(Erstmals erschienen am 17.7.2026 in “Tiroler Tageszeitung”)
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Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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