Welche Länder müssten sich eigentlich am meisten bei Mario Draghi & Co., also beim EZB-Rat, für die niedrigeren Zinsen und die lockere Geldpolitik bedanken? Diese geht mittlerweile ja ins neunte Jahr. Und andererseits: Wer hat ein Interesse daran, dass die Zinsen möglichst bald steigen? Interessante Erkenntnisse dazu bringen Daten, wie sich der jeweilige Nettoertrag aus Zinsen entwickelt hat.

Private Haushalte verlieren

Ein Blick auf die einzelnen Sektoren in Österreich zeigt:

  • Verlierer der Niedrigzinspolitik hierzulande sind der Finanzsektor und die privaten Haushalte. Diese ersparen sich weniger durch die niedrigeren Zinsen auf Schulden als das, was ihnen an Einnahmen aus verzinsten Anlagen (Sparbuch, vergebene Kredite) entgeht. Hätten die privaten Haushalte mehr Vermögen in Aktien bzw. Immobilien statt am Sparbuch oder hätten sie mehr Schulden, würde sie das nicht so stark betreffen.
  • Profitiert haben Unternehmen (außer Finanz) und die öffentliche Hand. Sie ziehen aus den geringen Zinsen – die auch zum Schuldenmachen einladen! – einen großen Vorteil. Zwischen 2009 und 2016 hat sich Österreich laut der Bundesfinanzagentur 52 Milliarden Euro an Zinszahlungen erspart. Theoretisch sollten auch die Steuerzahler etwas davon haben. Allerdings steigen die Staatsausgaben trotz der geringeren Kosten für die Schulden. Für alle Sektoren gesamt hat der Kurs der EZB an den Zinseinnahmen fast nichts geändert:

Ein Blick in andere Länder der Eurozone zeigt:

  • Über alle Sektoren gesehen gehören, was die Zinserträge betrifft, die Krisenländer Spanien, Portugal und Italien zu den Gewinnern. Allerdings konnte Spaniens Regierung bzw. die öffentliche Hand kaum profitieren, da aufgrund des Risikos einer Staatspleite die Zinsen auf Staatsanleihen relativ hoch blieben.
  • In Deutschland sind die Auswirkungen ähnlich wie in Österreich. Allerdings mit dem Unterschied, dass dort die Privathaushalte leicht gewonnen haben, weil sie weniger Vermögen in verzinsten Anlagen wie Sparbüchern hielten und mehr in anderen, ertragreicheren Formen. Außerdem profitierten sie als Schuldner von den gesunkenen Zinsen.
  • Belgien und Frankreich sind bei einer Gesamtbetrachtung der Sektoren Verlierer. Besonders hart traf es die belgischen Sparer, die relativ wenige Schulden hatten und gleichzeitig viel Geld in verzinsten Anlagen.

Die Haushalte, sprich die Sparer, und der Finanzsektor waren also in manchen Ländern Gewinner, in anderen Verlierer. Überall von der Niedrigzinspolitik profitiert haben hingegen die Unternehmen und der Staat.

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