Kuba entdeckt den Kapitalismus, wir lieben den Sozialismus

In den USA hat eine breite Mehrheit der Unter-30-Jährigen einen guten Eindruck vom Sozialismus. Wie es so weit kommen konnte und was dagegen hilft.

Die kommunistische Diktatur Kubas hat der österreichischen Regierung eines voraus: die Erkenntnis, dass staatliche Preiskontrollen nicht das gewünschte Ergebnis liefern. Sie sorgen nicht für dauerhaft niedrige Preise eines reichhaltigen Sortiments, sondern für leere Regale und für unerträgliches Elend, wenn man nur lange genug daran festhält. Weshalb das kubanische Regime die staatlichen Preiseingriffe schrittweise zurückfährt und eine Reihe marktwirtschaftlicher Reformen auf den Weg schickt. Das kommt keine Sekunde zu früh, das Land ist nach über 60 Jahren Sozialismus völlig am Ende.

Während sich Kuba der Marktwirtschaft annähert und ein südamerikanisches Land nach dem anderen die linken Ideologen zum Teufel jagt, kommt der Sozialismus im reichen Westen wieder so richtig in Mode. In New York, dem Epizentrum des Kapitalismus, wurde der radikale Sozialist Zohran Mamdani zum Bürgermeister gewählt, in Graz hat Ende Juni mehr als jeder Dritte für die KPÖ gestimmt und der regierenden Bürgermeisterin Elke Kahr einen überlegenen Wahlsieg beschert. Nicht zuletzt dank kräftiger Mithilfe der Medien: Mamdani wird als progressiver Heilsbringer verehrt, der die Probleme der Menschen adressiere. Frau Kahr wiederum sei so eine nette Person, die sich um die Armen kümmere und den Großteil ihres Gehalts spende. Und eigentlich sei sie gar keine echte Kommunistin. Klar, die Partei mitsamt ihrem schrecklichen Erbe wurde Frau Kahr per Losentscheid zugewiesen, da kann man halt nichts machen.

Nun könnte man beide Phänomene als regionale Ereignisse einordnen, die in engem Zusammenhang mit den handelnden Personen stehen. Aber das wäre ein Fehler. In den USA hat Umfragen zufolge eine breite Mehrheit der Unter-30-Jährigen einen „positiven Eindruck“ von Sozialismus und Kommunismus, während Demokratie und Marktwirtschaft immer unbeliebter werden. Kein Wunder, selbst bürgerliche Regierungen in Europa sind heute leidenschaftliche Interventionisten, die nach Belieben in Preise eingreifen, Branchen strafbesteuern, Verstaatlichungen durchsetzen und die Staatsquoten immer weiter nach oben schrauben. Um das zu sehen, muss man nicht nach Havanna fliegen, es genügt ein Spaziergang zum Wiener Ballhausplatz.

Wie es so weit kommen konnte? Der frühere Schachweltmeister Garry Kasparow hat dafür eine schlüssige Erklärung parat: „Sozialismus ist wie Kinderlähmung. Er kommt zurück, wenn die Menschen die schrecklichen Schäden vergessen, die er das letzte Mal angerichtet hat.“ Dass so viele Menschen im Westen die verheerenden Schäden, die der Sozialismus verursacht hat, vergessen haben, liegt vielleicht auch daran, dass sie nie besonders viel davon gehört haben. In den westlichen Schulen wird ausgiebig über den Kapitalismus hergezogen, der für alles herhalten muss, was nicht nach Wunsch der Lehrer und Schulbuchautoren läuft. Über das Leben im Sozialismus erfahren die Schüler nur so viel wie gerade nötig. Kaum ein Wort über die Massenarmut, die systemimmanente Mangelwirtschaft, die Bespitzelung der Eltern durch die eigenen Kinder, die Lagerhaft für Andersdenkende, die allumfassende Entmündigung des Einzelnen.

Am besten wäre es natürlich, die jungen Sozialismusfans auf „Factfinding-Mission“ zu schicken. Ein paar Wochen Havanna, leere Regale inklusive, wirken überzeugender als jedes Lehrbuch. Kein Fehler wäre auch, wenn Konservative und Liberale die Marktwirtschaft wieder als wohlfahrtsstiftende Grundordnung verteidigten. Sie ist das Fundament unseres Wohlstands, nicht Elke Kahr oder Zohran Mamdani. Sie ist das Sprungbrett für das Kind aus einfachen Verhältnissen, das durch gute Bildung und harte Arbeit weiterkommt. Sie ist der Rückhalt für die Gründerin, die nicht von Behörden erdrückt werden will. Sie ist die Anwältin des Facharbeiters, dem von der Mehrarbeit etwas bleibt. Die Marktwirtschaft ebnet den Weg zu einem besseren Leben, der planwirtschaftliche Sozialismus führte ausnahmslos in die Massenarmut.
Und ja, die jungen Menschen können sich kaum noch Wohnraum leisten, oft nicht mal mehr zur Miete. Aber nicht, weil die Märkte versagen, wie sie von der Politik zu hören bekommen. Sondern weil „soziale“ Politiker die Hälfte der Arbeitseinkommen konfiszieren und den Wohnraum künstlich verknappen, indem sie Umwidmungen blockieren („Versiegelung!“, „das Klima!“) und permanent in die Preise eingreifen, womit sich das Vermieten immer weniger lohnt. Die Kubaner haben das kapiert, die österreichische Regierung noch nicht. Aber das kann ja noch kommen.

(Erstmals erschienen am 18.7.2026 in “Die Presse”)

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