Öffentliche Debatten gibt es in Österreich mehr als genug. Aber über die explodierenden Arbeitskosten scheint trotzdem niemand reden zu wollen. Dabei steuert das Land genau hier auf ein gewaltiges Standortproblem zu, wie eine Auswertung der Agenda Austria zeigt.
In nur sechs EU-Ländern müssen die Arbeitgeber noch höhere Kosten für eine geleistete Stunde stemmen als in Österreich – 2008 waren noch neun Länder teurer als Österreich. Gleichzeitig steigen die Arbeitskosten in nur einem westeuropäischen Staat – Luxemburg – schneller als hierzulande. „Österreich holt massiv auf im negativen Sinn. Wir preisen uns aus den Märkten, aber das scheint jedem egal zu sein. Die Politik blendet wesentliche Themen konsequent aus“, sagt Agenda Austria-Direktor Franz Schellhorn. Die Lohnnebenkosten müssten dringen gesenkt werden, um nicht den Anschluss zu verlieren. Auch die Abgaben für Arbeitnehmer sollten gekürzt werden. Schellhorn: „Alle nicht lohnrelevante Abgaben gehören weg. Das sind Dinge wie die Wohnbauförderung oder die Kommunalsteuer bis hin zur Arbeiterkammerumlage oder Wirtschaftskammer-Umlage. Das hat alles beim Faktor Arbeit nichts verloren.“
Entwicklung des Pensionsantrittsalters und der Lebenserwartung von Männern und Frauen zwischen 1970 und 2060, in Jahren, in Österreich
1970 verbrachten Männer im Schnitt 13,6 Jahre in Pension, Frauen 18,5 Jahre. Heute sind es bereits 21,2 beziehungsweise 26,4 Jahre, bis 2060 steigt die Bezugsdauer auf 25,3 und 28,9 Jahre.
reale Unternehmensinvestitionen, Index (2019 = 100)
Die Pandemie ist lange vorbei, die heimische Investitionsschwäche nicht. Real investieren Österreichs Unternehmen heuer um sechs Prozent weniger als 2019. In den USA liegen die Investitionen um 26 Prozent über dem Vorkrisenniveau, in Italien um 29 Prozent, im Vereinigten Königreich um 11 Prozent. Selbst die EU hat den Rückstand aufgeholt. Schw
Vergleich der österreichischen (IESG) und deutschen (SGB III/InsO) Regelung
Der Insolvenz-Entgelt-Fonds steht auf finanziell wackeligen Beinen.
Entwicklung von Bruttolöhnen und Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde von 2015-2026, in Österreich
Österreichs Löhne sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker gestiegen als die Produktivität. Seit 2015 haben sich die Bruttolöhne je geleisteter Arbeitsstunde um knapp 50 Prozent erhöht, wie unsere Grafik zeigt.
Verteilung des Bruttoinlandsprodukts von 2016 bis 2026, quartalsweise, in Milliarden Euro, in Österreich
Wer behauptet, in Österreich käme vom wirtschaftlichen Erfolg nur wenig bei den Arbeitnehmern an, sollte einen Blick auf die Zahlen werfen. Seite 2015 ist die Lohnsumme stärker gestiegen als die Wirtschaftsleistung insgesamt; auch deshalb, weil die Beschäftigten seit Beginn der Inflationskrise kräftige Einkommenszuwächse erzielt haben.
Schuldenquote, im ersten Quartal 2026
Österreichs Schuldenstand hat den EU-Schnitt überholt. Wenn wir so weitermachen, werden wir auch bald zu den überdurchschnittlich hoch verschuldeten Euro-Ländern gehören.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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