Bis 7. Juni 2026 muss Österreich die EU-Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen, sonst droht ein Vertragsverletzungsverfahren. Ein Gesetz war für das erste Quartal angekündigt.
Mittlerweile ist April und es gibt noch keinen Entwurf. Österreich droht damit schon an der Umsetzung zu scheitern. Und das bei einer Richtlinie, deren Nutzen höchst fraglich ist. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verpflichtet Unternehmen, Gehälter offenzulegen und gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit sicherzustellen. Ziel ist, den Gender Pay Gap zu verringern und „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ zu fördern. Das wird mehr schaden als nützen. Statt einer Lösung ist die Vorgabe vor allem ein weiteres Bürokratiemonster aus Brüssel. Unternehmen sollen künftig detaillierte Vergütungssysteme definieren, Vergleichsgruppen bilden und jede Ungleichbehandlung akribisch rechtfertigen. Ein massiver Eingriff in die Vertragsfreiheit, der ganze Aktenordner füllen wird.
Gerade in Österreich, wo 98 Prozent der Beschäftigten kollektivvertraglich abgesichert und damit gesetzlich vor Lohndiskriminierung gewahrt sind, steht der Aufwand in keinerlei Verhältnis zum Nutzen. Die Lohnunterschiede bei gleicher Arbeit sind in Österreich heute schon klein und folgen einem kontinuierlichen Abwärtstrend. Die tatsächlichen Ursachen für den Gender Gap wie Teilzeitquoten, Branchenwahl, Erwerbsunterbrechungen oder unterschiedliche Karriereverläufe bleiben unberührt. Unternehmen werden künftig womöglich kleinkarierte Jobprofile erfinden, nur um der Vergleichbarkeit innerhalb von Berufsgruppen gerecht zu werden. Individuelle Leistungsanreize geraten unter Druck. Betriebliche Flexibilität und Vertragsfreiheit war gestern, Einheitslohn auf Basis formaler Gleichheitskriterien ist heute. Österreich wird nichts anderes übrig bleiben, als die Richtlinie umzusetzen. Aus Selbstschutz vor dem Bürokratieinfarkt wäre auch ein „so wenig wie möglich und so spät wie möglich“ angebracht. So gesehen hat die Regierung also alles richtig gemacht.
(erstmals erschienen am 15.04.2026 in “Tiroler Tageszeitung”)
„Es gibt schlichtweg keine Autorität, die festlegen sollte, welche Rechenleistung gerechtfertigt ist und welche nicht.” – Jan Kluge
Die EU verspricht Gehaltstransparenz und bringt ein Bürokratiemonster dafür in Stellung. Wer Lohnunterschiede wirklich abbauen will, muss die erklärbaren Ursachen angehen.
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Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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