Europa liebt seine Wärmepumpen, verachtet aber seine Klimaanlagen. Grüne Angstpolitik mit tödlichen Nebenwirkungen.
Die große Hitze ist vorbei, und mit ihr das große Jammern über die verheerenden Folgen der menschengemachten Klima-Apokalypse. Aber keine Sorge: Die nächste Welle heißer Luft kommt bestimmt, es ist nur eine Frage der Zeit. Und wir werden in sie genau so hineingehen, wie wir aus der eben zu Ende gegangenen herausgekommen sind: völlig unvorbereitet. Nicht, dass es an guten Ratschlägen gefehlt hätte. So hat der oberste Sanitäter des Landes, Gerry Foitik, vergangene Woche im Ö1-„Morgenjournal“ erklärt, was an heißen Tagen zu tun ist: sich kaum bewegen, den Schatten aufsuchen, mehr trinken, weniger arbeiten, sich von den Südländern die Siesta abschauen, die Oma einladen, falls sie ihre Wohnung nicht durchlüften kann. Die Empfehlung, schleunigst eine Klimaanlage zu installieren, fehlte. Nicht nur in diesem Beitrag, sondern in fast allen anderen auch.
Schade, denn sie würde Abhilfe schaffen: in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Schulklassen und Büros. Wie wirksam das Kühlen der Raumluft ist, zeigt der US-Ökonom Alan Barreca: Das Risiko, an extrem heißen Tagen zu sterben, ist in den USA über das 20. Jahrhundert um rund drei Viertel gesunken – im Gleichschritt mit der Verbreitung der Klimaanlage nach 1960. In Texas, wo das Thermometer locker über 40 Grad klettern kann, ist das Sterberisiko dann kaum höher als an anderen Tagen. In Paris, Rom oder Madrid ist es ein Vielfaches davon.
Warum wir uns so gar nicht für die kühlenden Geräte erwärmen können, bleibt ein Rätsel. Oder auch nicht: Die Klimaanlage gilt als sündhaft. Aus Sicht der Grünen müssen wir für unsere Klimasünden büßen und die Folgen am eigenen Leib spüren, weil sich sonst nichts ändern würde. Neuerdings sind Klimaanlagen sogar politisch, sie sind „rechts“. Der deutsche Klimajournalist Axel Bojanowski weiß, warum: Weil Klimaanlagen helfen, Probleme zu lindern, die linke Milieus für die Angstbewirtschaftung brauchen. Wärmepumpen sind super, Klimageräte des Teufels, obwohl Letztere nichts anderes sind als umgedrehte Wärmepumpen.
In Wien braucht man die Zustimmung der Nachbarn, des Vermieters und der Stadt. Frankreich schließt im Hochsommer lieber die Schulen, als sie zu kühlen. Spanien und Italien untersagten in der Energiekrise das Kühlen öffentlicher Gebäude auf unter 27 Grad. Die EU-Kommission hat letzte Woche den Beschäftigten in den unteren Etagen kurzerhand die Klimaanlage abgedreht, nur die Chefetage blieb weiterhin kühl. In Deutschland empfiehlt das ZDF, Eiskübel vor die Ventilatoren zu stellen, aber tunlichst auf Klimageräte zu verzichten. Sie verbrauchen viel zu viel Energie und heizen die Erde zusätzlich auf.
Mit anderen Worten: In Texas haben so viele Haushalte nicht deshalb eine Klimaanlage, weil es so heiß ist. Vielmehr ist es dort so heiß, weil es so viele Klimaanlagen gibt. Das glauben Menschen in Europa wirklich, viele von ihnen haben einen Hochschulabschluss. Die Rechnung für diese hinterwäldlerische Haltung ist tödlich: Europa verzeichnet, bezogen auf die Bevölkerungszahl, die meisten Hitzetoten der Welt, allein im Sommer 2022 waren es mehr als 61.000. Nicht, weil es bei uns heißer wäre als anderswo, sondern weil bei uns nur rund ein Fünftel der Haushalte gekühlt wird. In den USA und Japan sind es an die 90 Prozent.
Wir Europäer pflanzen Wälder in den Städten, wollen das Autofahren beschränken oder gar verbieten, um die Erderwärmung zu bremsen. Nur: Das ist nicht möglich. Schon allein deshalb nicht, weil wir Europäer nur einen Bruchteil der weltweiten CO₂-Emissionen verursachen. Auch wenn es niemand hören will: An Kälte sterben weltweit neunmal so viele Menschen wie an Hitze. Das höchste Risiko, an Kälte zu sterben, trägt übrigens ausgerechnet Afrika südlich der Sahara.
Der Aufklärer Steven Pinker predigt seit Jahren, was wir Europäer nicht verstehen wollen: dass wir aufhören müssen, günstige Energie als Sünde zu geißeln, für die wir büßen müssten. Günstige Energie ist der Quell unseres Wohlstands, sie hat unser Leben entscheidend verbessert. Das Gebot lautet daher nicht Verzicht, sondern der beschleunigte Ausbau effizienter Energieformen, nicht zuletzt der Nuklearenergie. Und es heißt, sich anzupassen. So wie es alle zivilisierten Länder der Welt tun.
Wir sollten uns von ideologiegetriebenen Klimaaktivisten nicht länger vorgaukeln lassen, das Thermometer auf das Temperaturniveau von 1970 zurückdrehen zu können. Das können wir nicht. Aber wir können unsere Raumtemperatur mit einfachen Mitteln herunterkühlen. Und das ist schon eine ganze Menge.
(erstmals erschienen am 04.07.2026 in “Die Presse”)
Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) plant künftig Einsparungen bei Förderungen. Potenzial dafür sollte genug vorhanden sein, sind die entsprechenden Ausgaben in seiner Amtszeit doch deutlich gestiegen. Eine Analyse der Agenda Austria zeigt, in welchen Bereichen die türkis-grüne Regierung in den letzten fünf Jahren die Fördermittel besonders s
Die heimischen Treibhausgasemissionen sind im letzten Jahr gesunken. Was eigentlich eine gute Nachricht sein könnte, lässt Zweifel am Selbstbild der österreichischen Klimapolitik aufkommen.
Im Sommer ist auch die Klimadebatte heißer. Reden kostet nichts – aber was ist eigentlich aus „Handle endlich!“ geworden? Klimaheuchelei ist jedenfalls längst nicht mehr nur den Reichen und Schönen vorbehalten.
Angeblich bleiben uns nur noch ein paar Jahre, um die Erderwärmung zu bremsen. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, die Verbrennung fossiler Energie zu stoppen, wird die Erde zu einem glühend heißen, in weiten Teilen unbewohnbaren Ort. So lautet die Erzählung von Aktionsgruppen wie der Letzten Generation.
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Das EU-ETS war zwar das erste System seiner Art. Inzwischen liegt der Emissionshandel aber voll im Trend. Das größte System ist inzwischen das chinesische. Es umfasst sogar mehr Emissionen als das EU-ETS. Der Preis ist zwar viel niedriger; das kann aber auch einfach darauf hindeuten, dass die Vermeidungskosten in China eben sehr niedrig sind. Wic
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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