Mehr Autonomie, bessere Kindergärten und das Geld gezielter an Schulen zu verteilen wären wichtige Maßnahmen gegen eine "verlorene Generation".
Von einer “verlorenen Generation” sprach unlängst die Direktorin einer Neuen Mittelschule in Wien. Ihr Aufschrei in einer auflagenstarken Zeitung bestätigt, worauf viele Bildungsstudien seit langem hinweisen: Österreichs Schulen scheitern daran, Defizite auszugleichen, die Kinder aufgrund eines bildungsfernen oder sozial schwachen Elternhauses mitbringen.
Migrationshintergrund, vor allem eine andere Muttersprache als Deutsch, verstärkt solche Probleme. Sprachdefizite werden selten behoben, was auch dem Lernerfolg in anderen Fächern schadet. Die Folgen sind gravierend. Ein bedrückend hoher Anteil dieser Kinder verfügt am Ende der Schulpflicht über unzureichende Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen. Ihre Chancen am Arbeitsmarkt sind gering und die Gefahr ist groß, dass sie ein Leben lang im Sozialsystem hängen bleiben.
Warum ist das so? Die Verantwortlichen im österreichischen Bildungssystem haben auf den verstärkten Zuzug von Migranten kaum reagiert. Zögerlich wurden Einzelmaßnahmen gesetzt und vieles der Improvisation einzelner Schulen überlassen, wo doch eine Gesamtstrategie erforderlich wäre. Aber dazu ist das Schulsystem aufgrund der zersplitterten Zuständigkeit zwischen Bund, Ländern und Gemeinden nicht in der Lage.
Was wäre zu tun? Erstens müssten die Schulen mehr Verantwortung erhalten. In autonomen Schulen entscheiden managementfähige Direktoren und Lehrerteams vor Ort über Maßnahmen und Mitteleinsatz, die den Bedürfnissen ihrer Schüler gerecht werden. Je früher es ein solches verbessertes Bildungsangebot gibt, umso mehr zahlt es sich aus, wie diese Grafik zeigt:

Zweitens wäre es sinnvoll, mehr Geld gezielt dorthin zu leiten, wo es gebraucht wird: Das Budget von Schulen mit vielen Kindern aus bildungsfernen Familien sollte gemäß einem Sozialindex (Alltagssprache, Bildungshintergrund der Eltern…) niedriger oder höher ausfallen. Zahlreiche Länder wie Großbritannien, Frankreich, Neuseeland und auch Schweizer Kantone machen das so. Wo es nötig ist, gibt es für die Schüler dann mehr Lese- und Sprachförderung, auch können Schulpsychologen und Sozialarbeiter besser einbezogen werden.
Drittens sollte die Verantwortung der Schule gegenüber den Schülern neu definiert werden: Sie endet nicht, wenn die Schüler alle Klassen durchlaufen haben, sondern erst, wenn klar definierte Bildungsstandards und Kompetenzen erreicht sind. Gegebenenfalls muss sich die Schule mehr anstrengen, um die Ziele zeitgerecht zu erreichen.
Die Schulen sollten, viertens, eng mit den Kindergärten und den lokalen Sozialarbeitern zusammenarbeiten. Damit Kinder, die zuhause nicht gefördert werden, trotzdem nicht zurückfallen, ist auf die Qualität der Kindergärten mehr zu achten als bisher. Und nicht zuletzt gilt es, die Eltern direkt anzusprechen und zu aktivieren. Sie sind die wichtigsten Partner für den Bildungserfolg ihrer Kinder.
„Am stärksten wirkt es, wenn sie sich im Internet mit ihrer Religion beschäftigen. Das ist der größte Radikalisierungstreiber“ – Integrationsexperte Kenan Güngör über Religion im Netz und die Radikalisierung junger Muslime in Wien
Durchschnittliche Ausgaben pro Schüler nach Bildungsstufe, im Jahr 2023, in Euro (KKP)
Österreich gibt pro Kind in der frühen Bildung rund 16.000 Euro aus.
Anteil außerordentlicher Schüler in der ersten Schulstufe nach Staatsbürgerschaft, 2019/20 bis 2024/25
Fast jedes vierte Kind beginnt die Volksschule als außerordentlicher Schüler, weil es dem Unterricht sprachlich nicht folgen kann.
Anteil der 15- bis 29-Jährigen, die weder erwerbstätig noch in Aus- oder Weiterbildung sind, in Prozent
Lange stand Österreich hier deutlich besser da als der Rest der EU.
Ausgaben für Bildungseinrichtungen nach Bildungsstufe, in Prozent des BIP, im Jahr 2023
Während wir bei den Hochschulen fast an der europäischen Spitze liegen, geben wir für frühkindliche Bildung weniger aus, als die meisten EU-Länder. Dabei entscheidet sich genau in den ersten Jahren, ob Kinder später mithalten können. Wir sparen dort, wo jeder Euro am meisten bewirken würde und sind dort großzügig, wo mithilfe von Studieng
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Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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