Durch den Austritt Großbritanniens verliert die EU weit mehr als nur einen Handelspartner.
Die Dimension eines britischen Austritts aus der Europäischen Union dürfte vielen nicht bewusst sein: Die britische Wirtschaftsleistung ist nicht nur die zweitgrößte der EU, sie ist auch größer als jene der 18 kleinsten EU-Mitglieder zusammen. Selbst wenn die Kosten eines geregelten Brexit geringer sind als bei einem harten Bruch und die Briten selbst am stärksten davon betroffen sein werden, gibt es am Ende nur Verlierer.
Für Österreichs Wirtschaft heißt das nicht nur, dass im Handel mit dem neuntgrößten Handelspartner womöglich neue Hürden aufgestellt werden, von Zöllen bis zu abweichenden Produktnormen. Ein “harter” Brexit aber hätte grundlegendere Folgen und würde wohl auch an den globalen Wertschöpfungsketten rütteln, in die der österreichische wie der britische Standort verwoben sind. 250 österreichische Unternehmen haben in Großbritannien rund sieben Milliarden Euro investiert, umgekehrt sind es immerhin fast sechs Milliarden Euro an Investitionen von britischen Unternehmen in Österreich.
Doch die wahren Kosten lassen sich noch nicht messen. Der größte Verlust liegt in der politischen und ideologischen Verschiebung des Machtgefüges innerhalb der EU. Der Brexit zerstört das politische Gleichgewicht. Deutschland, Finnland, die Niederlande, Österreich und eben das Vereinigte Königreich vereinen zusammen einen Bevölkerungsanteil von gut 35 Prozent der EU. Dies bedeutet eine Sperrminorität gemäß den Verträgen von Lissabon bei wichtigen Entscheidungen auf EU-Ebene.
Dieser Block wird auf 26 Prozent zusammenschrumpfen. Es könnte einen Ruck zugunsten weniger reformfreudiger Länder auf Ebene der EU geben. Ländern wie Frankreich, Italien, Griechenland und Spanien kommt dann mit über 40 Prozent ein weitaus größerer Stimmenanteil zu. Eine Vergemeinschaftung von Sozialausgaben und Schuldenhaftung, wie beispielsweise im Rahmen der Transferunion oder von Eurobonds, könnte damit wieder auf die politische Tagesordnung kommen.
Wie gefährlich diese Entwicklung auch für Österreich ist, konnte man während der Regierungsverhandlungen in Italien erahnen. Damals gab es die Absicht, die europäischen Partner zu einer Übernahme italienischer Schulden zu zwingen. Es dürfte nicht der letzte Versuch aus Rom gewesen sein, das Wahlvolk zu betören und eigene Reformen auf Kosten anderer Mitgliedsländer zu aufzuschieben.
Am Ende könnten diese politischen Kosten dazu führen, dass der Brexit die EU und ihre Mitgliedstaaten deutlich teurer zu stehen kommt als Großbritannien. Das bedeutet, dass viel mehr auf dem Spiel steht, als “nur” die zweitgrößte Volkswirtschaft zu verlieren.
Bei jedem Handelsabkommen werden Europas Bauern vor der Konkurrenz abgeschirmt. Die Zeche zahlen die Konsumenten – und das gleich doppelt.
Das Weekly – Make Austria Think Again. Jeden Freitag: Orientierung in Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Für alle, die wissen, dass der Staat nicht jedes Problem lösen kann. Für alle, denen Fakten wichtiger sind als gefühlte Wahrheiten.
Wer geglaubt hat, dass ein Vierteljahrhundert an Verhandlungen ausreichen würde, um zwei Kontinente wirtschaftlich zueinander zu bringen, hat die Rechnung ohne die Brüsseler Kreativität gemacht.
Öffentlich wird immer wieder suggeriert, dass Handelsabkommen die Armut verstärkt haben. Den Beweis dafür bleibt man jedoch meist schuldig.
Während in Österreich leidenschaftlich über Sparmaßnahmen und Budgetdisziplin diskutiert wird, zeigt ein Blick auf die Staatsausgaben einen klaren Trend: Der Staat wächst und wächst und wächst.
Fast schon im Wochentakt schlagen bei den Unternehmen neue Regeln auf. Es kann schon längst nicht mehr als EU-Bashing gelten, den Regelungswahn der Brüsseler Schreibtischakrobaten als unmäßig zu kritisieren. Wir werfen einen Blick in die Giftküche der Bürokratie.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
Lernen Sie uns kennenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen