Federico Sturzenegger, Argentiniens Minister für Deregulierung und Staatsreform, war am 21. Mai 2026 zu Gast bei der Agenda Austria in Wien. In seinem Vortrag schildert er, wie ein siebenköpfiges Team ohne Budget das gesamte argentinische Rechtssystem durchforstete – und was passiert, wenn man die Antworten auf die einfache Frage „Brauchen wir dieses Gesetz überhaupt?" konsequent umsetzt. Während Sturzenegger auf der Bühne stand, verabschiedete der argentinische Kongress die „Ley Hojarasca" – ein Gesetz, das hundert weitere veraltete Gesetze aufhebt.
Eingeleitet wird der Abend von Agenda-Austria-Direktor Franz Schellhorn mit einem Vergleich, der sitzt: Österreichs Staatsquote von 55 Prozent des BIP liegt höher als die Argentiniens in seinen dunkelsten Jahren. Das Budgetdefizit beider Länder bewegt sich in derselben Größenordnung – mit dem Unterschied, dass Argentinien seines mittlerweile beseitigt hat. Nicht durch Steuererhöhungen, sondern durch eine Kürzung der Staatsausgaben um 30 Prozent im ersten Monat.
Sturzenegger beschreibt die zwei Säulen des Reformprogramms unter Präsident Milei: fiskalische Disziplin und wirtschaftliche Freiheit. Beides mündet in eine dritte Säule – den Schutz von Eigentumsrechten. Denn wer reguliert, greift in den Wert von Eigentum ein. Wer ein Budgetdesaster riskiert, gefährdet es erst recht.

Die Beispiele, die er mitbringt, sind anschaulich und zum Teil grotesk: ein Verbot von Satelliteninternet, das drei Millionen Argentiniern den Zugang verwehrte, damit ein Medienkonzern nicht mit Starlink konkurrieren musste. Ein nationales Yerba-Mate-Institut, das einen kompetitiven Markt in ein Preiskartell verwandelte. Ein Wassermelonen-Exporteur, der seine Ware erst staatskonform verpacken musste, um sie 100 Meter vor der Küste auf hoher See von 70 Arbeitern wieder umpacken zu lassen.
Im anschließenden Podiumsgespräch geht es um die Übertragbarkeit auf Österreich, den Widerstand der Gewerkschaften, die Nachhaltigkeit der Reformen und die Frage, ob es eine vergleichbare Dringlichkeit braucht, um Veränderung möglich zu machen. Sturzenegger bleibt diplomatisch: „Fragt niemals einen Argentinier um Wirtschaftsrat.” Aber die Parallelen, die Schellhorn zu Beginn des Abends zieht, stehen im Raum.
Der Vortrag und die Diskussion sind auf Englisch. Sie finden die Keynote in Gesamtlänge auf Youtube: Milei’s Minister Explains How Argentina Eliminated 15.000 Regulations / Federico Sturzenegger
0:00 – Franz Schellhorn: Warum Österreich staatsabhängiger ist als Argentinien
4:37 – „Fragt niemals einen Argentinier um Wirtschaftsrat”
7:13 – Argentiniens Wandel in Zahlen: Inflation, Wachstum, Armut
12:18 – Die Deregulierungsagenda: 15.000 Vorschriften abgeschafft
16:30 – Velociraptoren: Wie Interessengruppen den Staat vereinnahmen
19:30 – Starlink: Wie eine einzige Vorschrift Millionen den Internetzugang verwehrte
22:03 – Das Marx-Prinzip: Wer das Papier auf den Tisch legt, gewinnt
26:45 – „Brauchen wir dieses Gesetz überhaupt?” – Der Bonbonproduzenten-Test
28:52 – Yerba Mate: Wie der Staat einen freien Markt in ein Monopol verwandelte
30:59 – Wer hat wirklich geholfen? Nicht die Anwälte. Nicht die Experten. Die Opfer.
35:58 – Die Wassermelonen-Geschichte
41:30 – Q&A: „Das Volk ist euer größter Verbündeter”
44:24 – „Ich hätte meine Kinder gebeten, das Land zu verlassen”
Was Österreich vom Projekt „Afuera“ lernen kann. Lernen muss.
Seit 2023 wurden über 15.000 Artikel des argentinischen Rechts geändert oder gestrichen.
In Europa wird Argentiniens Präsident Milei gehasst und verspottet. In seiner Heimat fliegen ihm die Herzen der Bevölkerung zu. Und das trotz schmerzhafter Reformen.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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