Interview von Franz Schellhorn in der "Tiroler Tageszeitung".
Plansee, Swarovski, Tiroler Röhren, die Tiroler Industrie -was macht die Tiroler Industrie aus?
Franz Schellhorn: Die Tiroler Industrie ist breit aufgestellt, hat sehr loyale Beschäftigte und beliefert mit ihren Leitbetrieben die ganze Welt. Das österreichische Wirtschaftswunder besteht ja darin, dass dies trotz des permanent schwieriger werdenden Umfelds noch immer gelingt. Österreich erwirtschaftet mehr als die Hälfte seines Wohlstandes jenseits der Staatsgrenzen. In Tirol ist die Industrie mit Abstand der wichtigste Wohlstandsmotor, noch deutlich vor dem Tourismus, das ist vielen in Österreich gar nicht bewusst.
Kann der Standort in Zeiten von hohen Energiepreisen oder Arbeitskräftemangel erfolgreich bleiben?
Schellhorn: Klar ist, dass der Druck fast nirgendwo so hoch ist wie in Österreich. Besonders besorgniserregend ist, dass die gesamtwirtschaftliche Produktivität kaum noch steigt. Wir haben einerseits die höchsten Lohnstückkostenzuwächse innerhalb der westeuropäischen Industrie. Gleichzeitig haben zwar immer mehr Österreicher einen Job, aber sie arbeiten immer weniger Stunden. Das setzt Österreich unter enormen Druck. Hinzu kommen weltrekordverdächtige Lohnabschlüsse mitten in der Rezession. Allein in den vergangenen drei Jahren sind die Arbeitskosten um 20 Prozent gestiegen, das ist deutlich mehr als in unseren Konkurrenzländern.
Was bleibt, was geht in Tirol?
Schellhorn: Bleiben werden die innovativsten Unternehmen, die globale Nischen bedienen. Der Druck, die rasant steigenden Kosten über Verlagerungen von Produktionen ins Ausland abzufedern, ist aber in allen Bundesländern groß, nicht nur in Tirol. Es geht ja nicht nur um steigende Lohn-und Energiekosten, s o n d e r n auch um fehlende Arbeitskräfte und eine erdrückende Regulierung.
Der Tiroler Tourismus allerorten scheint auch in Zeiten multipler Krisen widerstandsfähig. Warum eigentlich?
Schellhorn: Offenbar passt die Qualität. Dabei steht der Tourismus derzeit ja im Visier der Politik. Nahezu wöchentlich werden neue Schuldige für die hohe Teuerung gesucht. Erst waren es die Treibstoffanbieter, dann die Energielieferanten, gefolgt von den Lebensmittelkonzernen, jetzt ist die Gastronomie dran. Aber nicht die Gastronomie treibt die Preise, die Preise treiben die Gastronomie. Sie spürt die steigenden Energiekosten, die höheren Zinsen, die höheren Lohnkosten aufgrund fehlender Arbeitskräfte und auch alle Waren, die sie einkauft, steigen im Preis. All das bringt die Tiroler Gastronomie offensichtlich noch in den Märkten unter. Und das ist schon eine Kunst.
Arbeitskräfte aus der EU und Drittstaaten lassen das Lokalkolorit -etwa auf Hütten -schwinden. Warum stört das offenbar niemanden?
Schellhorn: Weil es fast überall so ist, abgesehen von Südtirol. In Ländern mit hohen Wohlstandszuwächsen verlassen viele Arbeitnehmer den Dienstleistungssektor. Wir kennen das aus der Schweiz, dort kamen viele Portugiesen in die Gastronomie. Bei uns sind es viele Deutsche und Osteuropäer. Als Gast nimmt man das gerne in Kauf und ist froh, dass überhaupt noch jemand das Schnitzel paniert und an den Tisch bringt. Da geht es dem Gast genauso wie dem Unternehmer.
Wie bleibt alles so erfolgreich , wie es derzeit ist?
Schellhorn: Indem vor allem die Politik realisiert, woher der Wohlstand kommt. Er entsteht nämlich nicht in den Ministerien und Ämtern, sondern in den Unternehmen. Ziel der Politik muss ein spürbar attraktiverer Wirtschaftsstandort sein. Damit sich deutlich mehr Unternehmen in Österreich ansiedeln und jene bleiben, die heute die Regionen tragen.
Interview von Franz Schellhorn in der “Tiroler Tageszeitung” (22.01.2024)
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