Armut & Verteilung

Piketty: Eine kritische Würdigung

Eine bedeutende Datensammlung, die keine schlüssigen Argumente für Reichensteuern liefert

Nun liegt es auch auf Deutsch vor: „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty, jenes Buch, das in den USA und von dort nach Europa ausstrahlend für ein ökonomisches Werk ungewöhnlich viel Medienaufmerksamkeit bekam – ironischerweise sogar im Magazin „Vanity Fair“, das im Allgemeinen über die Reichen und Schönen berichtet. Auf mehr als drei Vierteln des Buches präsentiert der französische Ökonom Daten über die Größe und Aufteilung von Vermögen in mehreren Ländern über den Zeitraum von gut 200 Jahren. Bei deren Bewertung ist er zunächst recht vorsichtig, in sich hat es dann das verhältnismäßig kurze letzte Kapitel mit Pikettys eigener Interpretation der Ergebnisse. Diese beruhen auf Annahmen, die zumindest diskutabel sind. Hier nun eine Zusammenfassung und kritische Würdigung des Buches.

 

Auf einen Blick: Pikettys Erkenntnisse und Forderungen

„Das Kapital im 21. Jahrhundert“ und seine Kernaussagen:

  • Die historischen Daten weisen darauf hin, dass die Kapitaleinkommen gegenüber den Arbeitseinkommen wieder an Bedeutung gewinnen.
  • Nach den zwei Weltkriegen nimmt die Vermögenskonzentration nun, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wieder zu und beginnt, den Verhältnissen im 19. Jahrhundert ähnlich zu werden.
  • Über lange Zeiträume hinweg gilt, dass die Kapitalrendite höher ist als das gesamtwirtschaftliche Wachstum (r>g). Die einzige Ausnahme bildet das 20. Jahrhundert mit den Weltkriegen und den großen wirtschaftlichen Umwälzungen, die zu einer Umverteilung bzw. Vernichtung von Vermögen geführt haben.
  • Dieses Gesetz – dass die Rendite des Kapitals höher als das Wirtschaftswachstum insgesamt ist – führt laut Piketty in der Zukunft dazu, dass die Vermögenskonzentration weiter zunimmt und das Niveau des 19. Jahrhunderts erreichen wird, sofern nicht rechtzeitig und ausreichend gegengesteuert wird.
  • Um diesen Trend zur Ungleichheit zu stoppen, sollte eine progressive globale Einkommensteuer auf hohe Einkommen, die bis zu 80  Prozent betragen kann, und eine Steuer von 50-60 Prozent auf mittelhohe Einkommen eingeführt werden. Um das Vermögen gerechter zu verteilen, plädiert Piketty für eine progressive Vermögenssteuer von 1 bis 2 Prozent.
  • Werden diese politischen Interventionen unterlassen, so ist es wahrscheinlich, dass die historischen Ungleichheiten wiederkehren – bis es möglicherweise zu sozialen Unruhen kommt.

 

Der Reihe nach: Der Inhalt des Buchs

Teil 1: Grundsätzliches zu Kapital und Einkommen

Im ersten Teil des Buches erläutert Thomas Piketty das Verhältnis zwischen Kapital- und Arbeitseinkommen und schildert die historische Diskussion über die Themen Verteilungsgerechtigkeit und Wachstumstheorie. Weiters legt er „zwei fundamentale Gesetze des Kapitalismus“ dar.

Das erste lautet: Der Anteil am Nationaleinkommen, der dem Kapital zuzurechnen ist, entwickelt sich entsprechend dem Wert der Kapitalrendite und der Höhe des Kapitals gemessen am Nationaleinkommen. Eine hohe Rendite oder ein hoher Kapitalanteil am Einkommen führen zu einem hohen Anteil des Kapitaleinkommens am Nationaleinkommen (eine Größe, welche die Leistung einer Wirtschaft in einem Jahr ähnlich dem Bruttoinlandprodukt  darstellt. Nationaleinkommen = BIP minus Vermögenstransfer mit dem Ausland minus Abschreibungen).

Das zweite Gesetz beschreibt, dass sich das Verhältnis von Kapital zu Einkommen entsprechend dem Verhältnis der Sparrate zum Wirtschaftswachstum entwickelt. Dabei gelangt Piketty zu dem Schluss, dass in Jahren mit niedrigem Wirtschaftswachstum der Kapitalanteil am Einkommen stark ansteigt.

 

Teil 2: Dynamik von Kapital und Einkommen

Auf dieser Basis analysiert Piketty mit einem Blick zurück in die Vergangenheit die Dynamik des Verhältnisses zwischen Kapital und Einkommen: Wann war es vorteilhaft, über ein hohes Einkommen zu verfügen? Wann war es profitabler, sein Geld für sich arbeiten zu lassen als ein Arbeitseinkommen zu erwirtschaften? Darüberhinaus beschreibt er, wie sich die Struktur von Kapital über die Zeit verändert hat. Während Reichtum einst durch Landbesitz begründet wurde, führen heute ganz andere Wege zum Vermögen. Untersucht werden im Detail die Entwicklung Englands, Frankreichs, Deutschlands, der USA sowie die globale Entwicklung. Thomas Piketty erstellt auch eine Analyse über die Einkommensanteile aus Kapital und jene aus Arbeit (die Lohnquote), und kommt zum Schluss, dass Kapital als Einkommensquelle an Bedeutung gewonnen hat und dieser Trend anhalten wird.

 

Teil 3: Die Struktur der Ungleichheit

Mithilfe einer umfangreichen Datensammlung untersucht Piketty nun, welchen Anteil am gesamten Einkommen bzw. am gesamten Kapital die einkommensstärksten zehn Prozent besitzen. Piketty ermittelt diesen Wert wieder für England, Frankreich, Deutschland und die USA und zwar in Zeitreihen, die schon im 19. Jahrhundert beginnen. Nach diesem Muster berechnet er auch den Einkommens- und Kapitalanteil, den das oberste Prozent bzw. die obersten 0,1 Prozent halten. Seine Schlussfolgerung: Kapital wird weniger selbst erwirtschaftet als vielmehr hauptsächlich über Vererbung angehäuft.

Angesichts dessen und weil ja die Kapitalrendite höher ist als das gesamtwirtschaftliche Wachstum (r>g), prognostiziert Piketty, dass sich das Vermögen in Zukunft (noch) stärker konzentrieren wird – dass die Erbschaften an Bedeutung gewinnen und die Ungleichheit auf ein gesellschaftlich untragbares Niveau ansteigen wird.

 

Teil 4: Die Regulierung von Kapital im 21. Jahrhundert

Was ist nun gegen diese prognostizierte weitere Vermögenskonzentration zu tun? Vermögen, so Piketty, soll in seiner Substanz besteuert werden, damit eine egalitäre Gesellschaft entstehen kann. Konkret fordert Piketty

  • Einkommen zwischen ca. 500.000 und einer Million Dollar sollen mit 80 Prozent,
  • höhere Einkommen unterhalb davon mit 60 Prozent
  • und Vermögen in seiner Substanzsoll mit bis zu zwei Prozent besteuert werden.

Das aktuelle progressive Steuersystem in den Nationalstaaten erachtet Piketty als dem Untergang geweiht, da der Steuerwettbewerb eine effiziente Höhe der Besteuerung verhindere. Er verweist auch auf das Schwarzgeld in Steueroasen: Laut Piketty gibt es mehr davon als in den Daten aufscheint, weswegen auch die Vermögenskonzentration insgesamt in Wahrheit höher sei. Steuern sind für Piketty dabei ein liberales Mittel der Umverteilung, da sie ihm zufolge zwar Anreize setzen, Freiheit und Eigentum gleichzeitig aber nicht einschränken.

 

Ein heißes Thema: Warum das Buch so einschlug

„Das Kapital im 21. Jahrhundert“ liefert mit seiner Datenfülle – bei allen Mängeln, die diese vermutlich hat – eine sehr gute Übersicht zur Entwicklung und Verteilung von Einkommen und Vermögen über mehrere Länder hinweg. Obwohl über die Höhe der Vermögenskonzentration gestritten wird und Kritiker meinen, die Daten stellten die Lage übertrieben dar, so ist die Grundaussage, dass es zu einer gewissen Vermögenskonzentration kommt, sicherlich richtig. Dies ist in einer funktionierenden Wirtschaft aber auch notwendig, um Investitionen zu tätigen und Arbeitsplätze zu schaffen. Auch die von Piketty argumentierte Tatsache, dass r>g ist, ist für viele Ökonomen alles andere als ein Zeichen der Dysfunktionalität des Kapitalismus; im Gegenteil, dies gilt vielmehr als Bestätigung, dass der Kapitalismus zumeist dynamisch effizient ist. Auch diese Erkenntnis aus dem Buch ist also vermutlich korrekt – und wie das meiste im Buch wenig überraschend.

Thomas Piketty hat ein kontroverses Thema aufgegriffen und damit bei manchen Parteien, Gewerkschaften und NGOs offene Türen eingerannt. Es ist ja unumstritten, dass Marktwirtschaft (auch soziale) keine Gleichheit im Absoluten schafft. „Das Prinzip der Knappheitsentlohnung, das dieser Wirtschaftsform zueigen ist, ist zwar effizient, aber nicht gerecht“, stellte der Piketty kritisch gegenüberstehende Ökonom Hans Werner Sinn fest.

Und trotzdem hat die Marktwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten auf breiter Basis einen Wohlstand geschaffen, den keine andere Wirtschaftsform bisher zu generieren in der Lage war. Daher bietet das Buch Pikettys eigentlich eine Steilvorlage, um der breiten Masse jenseits von Neid gegenüber dem reichsten Promill die Vorteile der Marktwirtschaft (Innovation, Arbeitsplätze, Wohlstand, Gesundheit, Sicherheit…) aufzuzeigen: Denn wenn man die Daten Pikettys nur etwas anders interpretiert, dann bestätigen sie den Erfolg der Marktwirtschaft, trotz und gerade wegen einer gewissen Konzentration von Kapital.

Auf den ersten Blick ist es überraschend, dass dieses Buch – in seiner Länge und in seinen wenig überraschenden Erkenntnissen – so populär ist. Dafür gibt es drei Gründe.

  1. Einer der wenigen Medienstars unter den Ökonomen, Nobelpreisträger Paul Krugman, sorgte mit einer hymnischen Kritik in der „New York Review of Books“ („Capital in the Twenty-First Century is, as I hope I’ve made clear, an awesome work“) für jede Menge weiterer Medienpräsenz.
  2. Piketty traf mit seinen politischen Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen für eine Substanzbesteuerung von Kapital den Nerv der Gesellschaft in den USA und in Europa: Den Menschen stehen die teuren Bankenrettungen und die hohe Arbeitslosigkeit durch die Finanzkrise vor Augen. In der Meinung vieler hat die Krise die Systemfehler der Marktwirtschaft offenbart und es ist nun an der Zeit,für soziale Gerechtigkeit einzutreten. Piketty bestätigt viele in ihrer Meinung, dass „die da oben“ stärker zur Kasse gebeten werden müssen.
  3. Es fällt auf, dass das Buch in der französischen Originalversion wenig Aufsehen erregt hat. In den USA hingegen schon – ein Grund dafür könnte sein, dass die Ungleichheit dort, anders als in Europa, durch hohe Arbeitseinkommen der Topmanager getrieben wird und Pikettys Forderung nach einer viel höheren Besteuerung von Spitzeneinkommen auf mehr Resonanz stieß.

 

Kritische Würdigung

Thomas Piketty macht es sich bereits früh in seinem Buch etwas leicht, indem er jede Anhäufung von Materiellem – Land, Gebäude, Maschinen, Firmen, Aktien, Anleihen, Patente, Nutztiere, Gold etc. – als Kapital betrachtet. Zwar erklärt er, dass Kapital heute ganz andere Formen annimmt als im 19. Jahrhundert. So sind die Großgrundbesitzer heute mehrheitlich von der europäischen Karte verschwunden. Familiendynastien halten vermehrt Anlagen in Gebäuden, Aktien oder auch Kunstgegenständen. Dennoch unterlässt es Piketty, zwischen den verschiedenen Formen von Kapital zu differenzieren. Als Grund führt er an, dass sich der Wertgewinn bzw. -verlust verschiedener Kapitalformen langfristig ohnehin ausgleichen würde. Diese Herangehensweise vereinfacht für ihn auch die Analyse der Renditen, da diese über die Gesamtheit des Kapitals im Zeitverlauf deutlich weniger volatil sind.

Weiters setzt Piketty Kapital und Reichtum gleich. So macht er es dem Leser leicht, seine Steuervorschläge gutzuheißen: Der Eigentümer einer Firma, der Produktionsmittel besitzt, aber über sein Vermögen oft nicht in Geld verfügen kann, unterscheidet sich in nichts von einem schwerreichen Börsenspekulanten. Eine solch ausbeuterische Kreatur über Steuern zu enteignen kann zweifelsfrei nur im Interesse aller sein. Dass ein Unternehmer mit seinen Ideen und seinen Produkten Arbeitsplätze und Wohlstand in allen Einkommensschichten schafft, gerät dabei in Vergessenheit. Piketty kann mit dieser Unschärfe zwischen Reichtum, Vermögen und Kapital Themen wie Inflation und Krisen während der Vermögensentwicklung überspielen und die Lage davon losgelöst allein im Sinne seiner Weltanschauung interpretieren.

Wie wir gesehen haben, betrachtet Piketty eine Kapitalrendite, die größer als das Gesamtwachstum ist, als Evidenz für die zwangsläufige Vermögenskonzentration. Es ist Common Sense in der Ökonomie, dass sich die Rendite auf Kapital an der Knappheit, dem Risiko und der Erfolgschancen für die getätigten Investitionen orientiert.

Pikettys Erkenntnis ist per se also nicht bahnbrechend. Seine Schlussfolgerungen sind jedoch sehr problematisch. Denn erstens wird der demographische Wandel, sprich die Überalterung, dazu führen, dass Arbeit teurer und im Produktionsprozess wichtiger wird, was wiederum die Lohnquote steigen lässt und damit Pikettys Annahme einer sinkenden Lohnquote widerspricht.

Zweitens nimmt Piketty in seinen Berechnungen an, dass die Substitutionselastizität zwischen Kapital und Arbeit größer ist als eins (nämlich 1,2 bis 1,6). Das bedeutet: Kapital kann leichter durch Arbeit ersetzt werden als umgekehrt – das Angebot an Arbeitskraft ist groß und daher sinken die Löhne. Pikettys These der Vermögenskonzentration kann nur unter dieser Annahme einer sinkenden Lohnquote funktionieren. Die wissenschaftliche Literatur zeigt aber, dass die Substitutionselastizität viel eher bei Werten unter eins liegt (zwischen 0,4 und 0,6). Dies widerspricht seiner These also deutlich.

Piketty interessiert sich auch wenig dafür, wer überhaupt im Besitz des Kapitals ist. Liest man „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, erweckt es den Anschein als wechsle Vermögen nie den Besitzer und konzentriere sich so lange, bis am Ende eine einzige Person alles Kapital besitzt. Dabei hat Piketty keinerlei Daten darüber, welches Individuum welches Kapital hält.

Die Annahme, dass es immer die gleichen Personen sind, die Vermögen halten, ist zwar nicht unmöglich, aber unrealistisch. Die meisten Beispiele aus der Forbes-Liste sprechen eher für die These, die Thomas Mann schon in seinem Roman „Die Buddenbrooks“ beschreibt, nämlich dass Vermögen über die Zeit hinweg öfters den Besitzer wechselt: Die erste Generation baut das Vermögen auf, die zweite Generation vermehrt es und die dritte Generation verbraucht es[1]. Das vorausgesetzte Szenario einer extremen Vermögenskonzentration widerspricht also den Beobachtungen. Anders als zuvor im Buch, wo er eine Fülle von empirischen Daten vorlegt, basieren seine Prognosen auf unsicheren Annahmen, wie z.B. der eines geringen Wirtschaftswachstums oder einer sinkenden Lohnquote. Sein Szenario basiert daher auf seinen persönlichen Einschätzungen über den Kapitalismus und die Zukunft und ist daher allenfalls als eine Möglichkeit aus vielen zu werten.

Im allergrößten Teil des Buches breitet Thomas Piketty erhobene Zahlen und Daten aus und zieht daraus nur wenige Schlüsse. Deutlich forscher ist er im vergleichsweise kleinen Teil der Interpretation der Ergebnisse. Piketty versucht erst gar nicht mehr, etwas zu beweisen, sondern bringt lediglich Annahmen vor, die – vorsichtig formuliert – nicht über jeden Zweifel erhaben sind.

Ein Beispiel dafür bietet die obenstehende Grafik. Piketty arbeitet hier mit Durchschnittszahlen, deren Zeithorizonte zwischen 37 und 1000 Jahren variieren. Solche Vergleiche sind in der Statistik umstritten.

Er analysiert, wie bereits erwähnt, die Entwicklung von Kapitalrendite und Wachstum für Frankreich (von 1807 bis 2010) und weitere Länder. Die Datenreihen der anderen Länder sind jeweils etwas kürzer. Grafik 10.10 zeigt nun einen Zeithorizont über 2100 Jahre hinweg, wovon Piketty knapp 200 Jahre wirklich analysiert hat. Den anderen Jahren unterliegen bloß Annahmen. Innerhalb dieser 200 Jahre gilt seine Formel r>g für etwa die Hälfte des Zeitraums (bis 1913). Dies ist nicht eben eine starke Basis dafür, um für die Zukunft eine Vermögenskonzentration zu prognostizieren.[2]

Völlig außer Acht lässt Piketty bei seinen Empfehlungen die Konsequenzen für eine Volkswirtschaft, wenn, wie er fordert, hohe Einkommen bis zu 80 Prozent und Vermögen bis zu 2Prozent besteuert werden. Er geht davon aus, dass sich dadurch die Vermögensverteilung und die Ungleichheit verändern, andere wirtschaftliche Kenngrößen aber nicht reagieren. Dies ist eine ziemlich unrealistische Annahme.

Eine Studie der Tax Foundation[3] schätzt die Effekte einer von Piketty postulierten Steuerreform mittels eines Steuer- und Wachstumsmodells (TAG). Die Studie kommt zum Ergebnis, dass in den USA der Kapitalstock um 7,4Prozent, das BIP um 3,5Prozent und die Arbeitsplätze um 2,2Prozent schrumpfen würden (unter Annahme von 55 Prozent Einkommensteuersatz bei etwa $200.000 und 80 Prozent ab $750.000). Die Auswirkungen betreffen demnach alle Einkommensklassen und nicht nur die Reichen, wie Piketty meint. So errechnet die Studie einen Verlust des verfügbaren Einkommens in der Mittel- und Unterschicht von dreiProzent.

Noch dramatischer wären die Konsequenzen, wenn neben den Arbeitseinkommen auch die Kapitaleinkünfte entsprechend besteuert würden. Dies würde laut der Studie den Kapitalstock um 42,3Prozent, das BIP um 18,1Prozent und die Jobs um 5Prozent sinken lassen. Nicht in der Studie berücksichtigt ist die von Piketty postulierte, bis zu 2 Prozent hohe Vermögenssteuer, die sich tendenziell aber ebenfalls negativ auswirken würde.

Zudem verschleiert Piketty durch seinen Schreibstil sehr viele seiner Argumente. Der Ökonom und Steuerexperte Stefan Homburg bringt es auf den Punkt: „Piketty hat ein sehr dialektisches Buch verfasst, in dessen Verlauf er fast jede Aussage zurücknimmt oder revidiert“[4]. Piketty greift zwischendurch viele Themen auf, die erst später genauer beleuchtet werden, sodass der Leser leicht in Gefahr gerät, den eigentlichen Argumenten nicht folgen zu können.

Der große Makel am Buch von Thomas Piketty ist, dass er sich auf die Umverteilung, nicht aber auf den Wohlstand konzentriert. So verfällt er in alte Muster der Umverteilung von Geldern anderer Leute. Dabei hat schon Margaret Thatcher erkannt: „…Socialist governments traditionally do make a financial mess. They always run out of other peoples´ money.“[5]

 

 

[1] Dies entspricht auch mehr der Analyse von Schumpeter und der konstruktiven Zerstörung, wonach neue Technologien alt Eingesessenes aus dem Markt verdrängen.

[2] siehe auch Peter Bofinger in der FAZ vom 15.05.2014

[3] Michael Schuyler (2014): “What would Piketty’s 80 Percent Tax Rate Do tot he U.S. Economy?“, Tax Foundation Special Report No.221, 7/2014.

[4] Stefan Homburg in der FAZ vom 14.04.2014

[5] Margaret Thatcher im TV-Interview von Thames TV This Week vom 05.02.1976



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© 2019 Agenda Austria
Piketty: Eine kritische Würdigung / 08.10.2014
https://www.agenda-austria.at/piketty-rezension/

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