Irgendwann schlage die Mathematik die Ideologie, sagte AMS-Chef Johannes Kopf zuletzt in der ORF-„Pressestunde“ und sprach sich für ein höheres Pensionsantrittsalter aus.
Zur Mathematik gehört auch, was das System heute verspricht. Österreichs Pensionisten haben nach Abzug von Steuern und Abgaben und bereinigt um die Preisunterschiede mehr Geld zur Verfügung als Erwerbstätige in 22 von 26 anderen EU-Ländern, wie unsere Grafik zeigt.
Mehr haben nur die Erwerbstätigen in Luxemburg, den Niederlanden, Belgien und Deutschland. In Dänemark und Schweden kommen sie auf knapp 30.000 Euro (um Kaufkraftunterschiede korrigiert), im EU-Schnitt auf rund 26.300, in Ungarn auf nicht einmal die Hälfte dessen, was ein österreichischer Pensionist hat. Hierzulande erreichen die Pensionisten rund 85 Prozent des Einkommens der Erwerbstätigen. Das ist zunächst eine gute Nachricht. Die Rechnung zahlen allerdings jene, die heute arbeiten. Weil die Beiträge die Pensionen längst nicht mehr decken, muss der Staat heuer bereits mehr als 34 Milliarden Euro aus dem Budget zuschießen. „Ein großzügiges Pensionssystem ist kein Problem, solange es jemand finanzieren kann. Genau das wird aber schwieriger, weil Österreichs Regierungen dringend notwendige Anpassungen verweigern und auf jeden Erwerbstätigen immer mehr Pensionisten kommen. Wer das Niveau halten will, ohne Beitrags- und Steuerzahler noch stärker zu belasten, kommt an einem höheren Pensionsantrittsalter, gekoppelt an die Lebenserwartung, nicht vorbei“, sagt Ökonom Dénes Kucsera.
Quellen: Eurostat: Mean and median income by most frequent activity status, EU-SILC 2025.
Grundlage ist die EU-Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) 2025. Gezählt wird, was einem Haushalt nach Steuern und Sozialabgaben bleibt: Löhne, Pensionen, Sozialleistungen und Vermögenserträge. Diese Summe wird auf die Haushaltsmitglieder aufgeteilt, gewichtet nach Zahl und Alter. Das Ergebnis ist das verfügbare äquivalisierte Einkommen, und jedes Haushaltsmitglied erhält denselben Wert. Gezeigt wird der Median, also das Einkommen genau in der Mitte der jeweiligen Gruppe. Kaufkraftstandards gleichen die unterschiedlichen Preisniveaus der Länder aus. Erfasst sind Personen ab 18 Jahren, eingeteilt nach ihrem überwiegenden Erwerbsstatus im Einkommensjahr. Die Balken zeigen die Erwerbstätigen je EU-Land. Die Linie zeigt die Pensionisten in Österreich.
Balkendiagramm mit dem kaufkraftbereinigten verfügbaren äquivalisierten Medianeinkommen der Erwerbstätigen in den EU-Ländern im Jahr 2025. Die Werte reichen von 13.246 in Ungarn bis 42.205 in Luxemburg. Österreich liegt bei 36.527, der EU-27-Schnitt bei 26.293. Eine Referenzlinie zeigt das Einkommen der österreichischen Pensionisten mit 30.925.
Bruttoschulden des Gesamtstaats, in Prozent des BIP
Zweimal im vergangenen Jahrhundert schossen die Staatsschulden der Industrieländer nach oben: im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. 1946 lagen sie bei 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Heute sind es rund 113 Prozent.
Energiekrisenmaßnahmen, kumuliert bis inklusive 2025, in Milliarden Euro
Fast 17 Milliarden Euro hat der österreichische Staat seit 2022 ausgegeben, um die Folgen der Energiekrise abzufedern. Allein im Jahr 2022 waren es 8,3 Milliarden.
Erwerbspersonen in Prozent der Bevölkerung, nach Alter, im Jahr 2024
Mit 62 in den Ruhestand, mit 65 kommt der Anreiz. Die von der Dreierkoalition eingeführte Aktivpension ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Anteil der 15- bis 29-Jährigen, die weder erwerbstätig noch in Aus- oder Weiterbildung sind, in Prozent
Lange stand Österreich hier deutlich besser da als der Rest der EU.
Ausgaben für Bildungseinrichtungen nach Bildungsstufe, in Prozent des BIP, im Jahr 2023
Während wir bei den Hochschulen fast an der europäischen Spitze liegen, geben wir für frühkindliche Bildung weniger aus, als die meisten EU-Länder. Dabei entscheidet sich genau in den ersten Jahren, ob Kinder später mithalten können. Wir sparen dort, wo jeder Euro am meisten bewirken würde und sind dort großzügig, wo mithilfe von Studieng
Entwicklung des Pensionsantrittsalters und der Lebenserwartung von Männern und Frauen zwischen 1970 und 2060, in Jahren, in Österreich
1970 verbrachten Männer im Schnitt 13,6 Jahre in Pension, Frauen 18,5 Jahre. Heute sind es bereits 21,2 beziehungsweise 26,4 Jahre, bis 2060 steigt die Bezugsdauer auf 25,3 und 28,9 Jahre.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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