Eine junge Familie, zwei Kinder, beide Eltern berufstätig. Sie wollen eine Wohnung kaufen, 90 Quadratmeter, drei Zimmer, nichts Besonderes. Dann sehen sie die Inserate.
Bis zu 800.000 Euro werden für so eine Wohnung verlangt. Selbst mit zwei ordentlichen Einkommen ist das kaum zu stemmen. Der Traum vom Eigenheim ist geplatzt, bevor er begonnen hat. Wie kommen solche Preise zustande? Ein wichtiger Grund liegt am Bau selbst. Seit 1995 haben sich die Stundenlöhne am Bau mehr als verdoppelt. Das ist etwas mehr als die Inflation und für sich genommen noch kein Problem. Das Problem ist die Produktivität.
Pro Arbeitsstunde wird am Bau heute rund ein Drittel weniger geschafft als vor 30 Jahren. Steigende Löhne bei sinkender Leistung ergeben eine teure Mischung. Die Lohnkosten für dieselbe Bauleistung haben sich seit 1995 mehr als verdreifacht. Mit Blick auf die mauen Baugenehmigungszahlen meint unser Ökonom Jan Kluge: “Gute Nachricht für alle, die sich keine Wohnung leisten können: Bald gibt es ohnehin keine mehr zu kaufen.”
Quellen: Agenda Austria, Eurostat, Statistik Austria.
Dargestellt sind das Arbeitnehmerentgelt pro Arbeitsstunde, die reale Arbeitsproduktivität pro Arbeitsstunde, die nominalen Lohnstückkosten und die Materialkosten im Bausektor (ÖNACE-Abschnitt F) in Österreich. Zum Vergleich ist der Verbraucherpreisindex abgebildet. Der Zeitraum reicht von 1995 bis 2025. Alle Reihen sind als Index dargestellt, das Jahr 1995 entspricht dem Wert 100. Die reale Arbeitsproduktivität misst die preisbereinigte Bruttowertschöpfung je geleisteter Arbeitsstunde. Die nominalen Lohnstückkosten setzen das Arbeitnehmerentgelt ins Verhältnis zu dieser Leistung. Die Materialkosten stammen von Statistik Austria, die übrigen Reihen von Eurostat. Agenda Austria hat sie auf das Basisjahr 1995 umgerechnet. Die Werte der jüngsten Jahre sind vorläufig.
Die Grafik zeigt fünf Kennzahlen für den österreichischen Bausektor von 1995 bis 2025, jeweils als Index mit 1995 = 100. Die nominalen Lohnstückkosten, also die Lohnkosten je Einheit Bauleistung, liegen bis 2005 knapp unter 100, steigen danach und ab 2020 steiler auf rund 340. Die Materialkosten erreichen 2022 mit rund 235 ihren Höchstwert und liegen zuletzt bei rund 230, ab etwa 2012 liegen sie unter den Lohnstückkosten. Das Arbeitnehmerentgelt pro Arbeitsstunde steigt auf rund 215, der Verbraucherpreisindex auf knapp 200. Die reale Arbeitsproduktivität pro Arbeitsstunde steigt bis 2005 auf rund 110 und sinkt danach auf rund 63.
Beiträge zur Gesamtinflation, in Prozentpunkten, bis September 2026
Wenn es um die Inflation geht, schauen alle auf die Spritpreise. Diesel und Heizöl haben die Inflation im September auf 3,6 Prozent getrieben.
Index (2015 = 100), je geleisteter Arbeitsstunde, bis 2026.
Die Löhne sind seit 2019 kräftig gestiegen - auch wenn man die starke Inflation berücksichtigt.
Durchschnittliche monatliche Haushaltsausgaben nach Ausgabengruppen, 2019/20 und 2024/25
Der gesamte Konsum der Haushalte verändert sich seit Jahren real kaum - ein Symptom der wirtschaftlichen Stagnation, die wir in Österreich seit 2019 erleben.
Sechs Prozentpunkte teurer als der Euroraum – trotz jahrelanger Preisbremsen.
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Preiseingriffen versucht, die Teuerung zu dämpfen. Von Preisbremsen bis hin zu Eingriffen in einzelne Märkte.
Entwicklung von Bruttolöhnen und Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde von 2015-2026, in Österreich
Österreichs Löhne sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker gestiegen als die Produktivität. Seit 2015 haben sich die Bruttolöhne je geleisteter Arbeitsstunde um knapp 50 Prozent erhöht, wie unsere Grafik zeigt.
Realer Preisanstieg für selbstgenutztes Wohneigentum, in Prozent, 2010 bis 2025.
Seit 2010 ist selbstgenutzter Wohnraum durchschnittlich um 21,3 Prozent (real) im Wert gestiegen.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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