Kaum jemand kommt wirklich auf 45 Beitragsjahre.
Dass Österreichs Pensionssystem nicht nachhaltig aufgestellt ist, sollte inzwischen eigentlich jeder verstanden haben. Viele leugnen es natürlich fröhlich weiter, aber gerade Vertreter der ÖVP haben in letzter Zeit vorsichtig zugegeben, dass auch sie das Problem sehen. Unsere Lösung ist jedenfalls klar: Die wichtigste Reform ist eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters und eine Koppelung an die Lebenserwartung.
Doch häufig wird auf diese Forderung mit “45 Jahre müssen genug sein” geantwortet. Wären 45 Beitragsjahre tatsächlich Standard, könnte es hier ja ein Argument geben. Dem ist aber nicht so.
Weniger als die Hälfte der Männer und nicht einmal ein Fünftel der Frauen erreichen tatsächlich 45 Beitragsjahre. Berücksichtigt man nur die reinen Beitragsjahre bleiben bei den Männern nur 20 Prozent, bei den Frauen sogar nur 2 Prozent übrig.
Außerdem sind sie kein perfektes Maß. Wer eine lange Ausbildung hat, dadurch später aber hoch produktiv ist, wird schwer auf 45 Jahre kommen, auch bei einem erhöhten Antrittsalter. Wer früh zu arbeiten beginnt und keine nennenswerten Unterbrechungen in der Berufslaufbahn hat, kann nach 45 Jahren oft noch problemlos weiterarbeiten.
Unsere Gesellschaft wird älter – es ist also das Alter, an dem wir uns orientieren sollten.
Quellen: Agenda Austria, Pensionsversicherung (PV). Dargestellt ist, welcher Anteil der Pensionsneuzugänge des Jahres 2025 in Österreich auf 45 oder mehr Beitragsjahre kommt, getrennt nach Männern und Frauen und in Prozent, über alle Pensionsarten hinweg. Die Darstellung ist stufenweise aufgebaut: Ausgehend vom Anteil, der bereits mit reinen Beitragsjahren auf 45 Jahre kommt, werden nacheinander die Zuwächse durch Teilversicherungszeiten und durch freiwillige Versicherungszeiten addiert; die Summe ergibt den Anteil mit 45 Jahren und mehr, der Gegenwert den Anteil unter 45 Jahren. Teilversicherungszeiten sind Zeiten, für die nicht die Versicherten selbst Beiträge zahlen, sondern der Bund oder ein Sozialversicherungsträger — etwa Kindererziehung, Präsenz- und Zivildienst, Arbeitslosigkeit oder Krankengeld; freiwillige Versicherungszeiten werden von den Versicherten selbst eingekauft. Berücksichtigt sind alle Pensionsarten, also auch Invaliditäts- und vorzeitige Alterspensionen.
Das Balkendiagramm zeigt, welcher Anteil der Pensionsneuzugänge des Jahres 2025 in Österreich auf 45 oder mehr Beitragsjahre kommt, getrennt nach Männern und Frauen und in Prozent. Für jede Gruppe ist die Darstellung stufenweise aufgebaut: Ein erster Balken weist den Anteil aus, der allein mit reinen Beitragsjahren 45 Jahre erreicht; darauf werden der Zuwachs durch Teilversicherungszeiten und anschließend durch freiwillige Versicherungszeiten addiert, bis der Gesamtanteil mit 45 Jahren und mehr erreicht ist. Ein weiterer Balken zeigt den Anteil, der unter 45 Jahren bleibt. Bei den Männern erreichen 20,1 Prozent allein mit reinen Beitragsjahren 45 Jahre, plus 26,1 Prozentpunkte durch Teilversicherung und plus 1,0 Prozentpunkte durch freiwillige Versicherung, insgesamt 47,3 Prozent; 52,7 Prozent bleiben darunter. Bei den Frauen sind es 2,3 Prozent, plus 14,7 und plus 0,8 Prozentpunkte, insgesamt 17,8 Prozent; 82,2 Prozent bleiben unter 45 Jahren.
Entwicklung des Pensionsantrittsalters und der Lebenserwartung von Männern und Frauen zwischen 1970 und 2060, in Jahren, in Österreich
1970 verbrachten Männer im Schnitt 13,6 Jahre in Pension, Frauen 18,5 Jahre. Heute sind es bereits 21,2 beziehungsweise 26,4 Jahre, bis 2060 steigt die Bezugsdauer auf 25,3 und 28,9 Jahre.
Zinssätze in Österreich, in Prozent
Billiges Geld ist Geschichte. Die Zinswende macht es für die Unternehmen und privaten Haushalte schwieriger, Investitionsprojekte zu finanzieren.
Pensionsjahre insgesamt und in guter Gesundheit, 1978 und heute, in Jahren
Wer 1978 in Österreich seinen 65. Geburtstag feierte, hatte im Schnitt knapp 14,5 Jahre Pension vor sich, knapp vier Jahre davon in guter oder sehr guter Gesundheit.
Wirtschaftsklassen. mit den größten Beschäftigtenveränderungen zwischen April 2025 und April 2026
Wen überrascht es: Das stärkste Jobwachstum gibt es im staatlichen Bereich.
Vor allem linke Politiker erzählen gerne dasselbe Narrativ: Sobald die Babyboomer durchs Pensionssystem durch sind, gehe sich das schon wieder aus. Nur eine Delle, die vorbeizieht. Das stimmt aber leider nicht.
Die Pensionsreformen der frühen 2000er-Jahre wurden mit genau jenen Argumenten begründet, über die Österreich heute wieder diskutiert: steigende Lebenserwartung, ein zu niedriges faktisches Pensionsantrittsalter und die absehbare Pensionierungswelle der Babyboomer. Die Reformen wirkten: Rund anderthalb Jahrzehnte lang wuchsen die Beitragseinna
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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