Eine gute Nachricht zu Beginn: Die Österreicher leben heute um mehr als sieben Jahre länger als zu Beginn der 1970er-Jahre. Dennoch wird hierzulande so früh in Pension gegangen wie 1970. Das hat spürbare Konsequenzen: Aus dem laufenden Bundesbudget muss immer mehr Geld bereitgestellt werden, damit die Rentner rechtzeitig ihre Pension überwiesen bekommen. Das Problem dabei: Die jüngere Generation wird dreifach zur Kasse gebeten: mit ihren Pensionsbeiträgen, ihren Steuern und den auf ihre Rechnung aufgenommenen Schulden.
Wobei wir schon bei der schlechten Nachricht angekommen wären: Die anstehende Anpassung der Pensionen an die Inflation kostet den Staat rund sechs Mrd. Euro. Obwohl es eine gesetzliche Regelung gibt, wie die Kaufkraft der Pensionisten anzupassen ist, wird davon regelmäßig abgewichen. Die Politik legt gerne noch eins drauf, das wird im bevorstehenden Wahljahr nicht anders sein. Besonders Personen mit niedrigeren Pensionen profitierten: Deren Pensionen wurden stärker als die allgemeine Teuerungsrate angepasst. Personen mit höheren Pensionen haben real verloren. Betrachtet man die vergangenen zehn Anpassungen, zählten Pensionisten mit monatlichen Brutto-Bezügen von unter 2.218 Euro zu den Gewinnern. Diese Pensionserhöhungen sind gut gemeint, aber brandgefährlich. Sie hebeln das Versicherungsprinzip der Pension aus und führen zu beträchtlichen Mehrausgaben.
Das Pensionssystem befindet sich aber längst in Schieflage. Allein heuer müssen 26 Mrd. Euro aus Steuermitteln zugeschossen werden, um das Defizit abzudecken. Das ist ein Viertel des Bundesbudgets. Die Situation wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, weil geburtenstarke Jahrgänge in Pension gehen. Dabei sollte Österreich dem Beispiel anderer EU-Länder folgen und eine automatische Anpassung einbauen. Das Pensionssystem muss endlich den politischen Launen entzogen werden, um eine weitere Ausdehnung des Pensionslochs zu verhindern. Dabei reicht es nicht, nur das effektive Antrittsalter anzuheben, wie oft behauptet wird. Damit wird das Problem nur ein paar Jahre nach hinten verschoben.
Wenn wir wollen, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder etwas vom Sozialstaat haben, dann müssen wir einen Teil dieser gewonnenen Lebenszeit auch am Arbeitsmarkt produktiv einbringen. Wenn die Regierung den Jüngeren immer wieder höhere Lasten hinterlässt, wäre sie es ihnen auch schuldig, endlich das gesetzliche Pensionsantrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu binden. Während das in vielen vergleichbaren Ländern Europas passiert, wird bei uns trotz einer sich abzeichnenden wirtschaftlichen Eintrübung ein finanziell schwer marodes System auf Pump finanziert. Reformen werden konsequent verweigert. Und das ist wahrlich keine gute Nachricht.
Gastkommentar von Dénes Kucsera für den “Kurier” (30.08.2023).
Entwicklung des Pensionsantrittsalters und der Lebenserwartung von Männern und Frauen zwischen 1970 und 2060, in Jahren, in Österreich
1970 verbrachten Männer im Schnitt 13,6 Jahre in Pension, Frauen 18,5 Jahre. Heute sind es bereits 21,2 beziehungsweise 26,4 Jahre, bis 2060 steigt die Bezugsdauer auf 25,3 und 28,9 Jahre.
„Dass Wiener Wohnen international Werbung für das Konzept an sich macht, ist vollkommen absurd" – Jan Kluge über den Mythos vom Roten Wien, an dem sich die Berliner Linke orientiert
Pensionsjahre insgesamt und in guter Gesundheit, 1978 und heute, in Jahren
Wer 1978 in Österreich seinen 65. Geburtstag feierte, hatte im Schnitt knapp 14,5 Jahre Pension vor sich, knapp vier Jahre davon in guter oder sehr guter Gesundheit.
„Ich würde diese Eingriffe als Frankenstein-Medizin bezeichnen. Sie sind zum Teil experimentell, irreversibel und Minderjährige können die Folgen davon nicht abschätzen." – Faika El-Nagashi
„Ich bin lieber ein Anarchist als ein Wurmfortsatz kaputter Eliten" – Ulf Poschardt
„Das Ergebnis ist nicht berauschend, gar keine Frage." – Wolfgang Sobotka über die Bilanz der ÖVP bei Staatsquote und Entbürokratisierung
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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