Österreichs Pensionssystem ist Spitzenreiter. Überrascht? Zu Recht – das gilt auch nur, wenn man von hinten zählt.
Der Marsh (ehemals Mercer) CFA Institute Global Pension Index stuft unser großzügiges, fast ausschließlich umlagefinanziertes System als das am wenigsten nachhaltige aller 55 untersuchten Länder ein. Das ist unerfreulich. Erst recht zu denken geben sollte uns aber, dass wir diese Auszeichnung nicht zum ersten Mal erhalten und offenbar nichts daraus lernen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Punktezahl sogar leicht gesunken.
Besser sieht es bei den anderen Teilindikatoren aus: Bei der Angemessenheit landen wir dank großzügiger Leistungen im Mittelfeld. Glänzend schneiden wir bei der Integrität ab: Das System ist sauber reguliert und gut verwaltet. Nur fährt auch das bestverwaltete System gegen die Wand, wenn ihm das Geld ausgeht.
Wer der Einschätzung misstraut, sollte einen Blick auf die Kennzahlen werfen: Kaum ein Land trifft der demografische Wandel so hart wie Österreich, die Beiträge decken die Pensionen längst nicht mehr. Hohe Staatsschulden sind die Folge. Vorschläge für ein nachhaltigeres System liegen seit Jahren auf dem Tisch: Das gesetzliche Pensionsantrittsalter muss steigen und an die Lebenserwartung gekoppelt werden, teure Pensionszuckerl der Vergangenheit gehören zurückgenommen, die betriebliche und private Vorsorge gestärkt.
Außerdem: Gern werden Rankings als nichtssagend abgetan. Nur wenn Wien zu einer der lebenswertesten Städte gekürt wird, gelten sie plötzlich als vertrauenswürdig. Blöd nur, dass dasselbe Institut die Bundeshauptstadt mehrmals zur lebenswertesten Stadt gekürt hat und das Pensionssystem in puncto Nachhaltigkeit trotzdem an die letzte Stelle reiht. Verschließt die Politik weiter die Augen, verlieren wir bald auch unseren Spitzenplatz bei der Lebensqualität.
(erstmals erschienen am 22.10.2026 in “Kleine Zeitung”)
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Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
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