Die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel ist von A bis Z ein Desaster. Mit einer Steuersenkung so viel politisches Porzellan zu zerschlagen, will gelernt sein.
Was haben wir gelacht! Eine Semmel wird seit 1. Juli mit 4,9 Prozent Mehrwertsteuer belastet. Ein Stück Butter auch. Auf eine Buttersemmel entfallen dann aber 10 Prozent. Haha. Witzig, oder? Nein, das ist überhaupt nicht witzig. Da versteht einfach eine Regierungsmannschaft ihr Handwerk nicht. Dass man in die Umsatzsteuerrichtlinien, die ausgedruckt auch ohne den „superermäßigten“ Satz schon über 900 Seiten füllen, nicht einfach mit einer Liste von Wunschprodukten hineinregieren kann, die die Koalitionsspitzen vor Monaten ausgeknobelt haben – darauf hätte eine der größten Regierungen, die dieses Land je hatte, mit ihrer Heerschar von Beamten auch selbst kommen können. Nun war der 1. Juli schneller da als gedacht und noch immer grübelt man landauf, landab, was man nun in die Registrierkassen eintippen soll. Wenn man es überhaupt eintippen kann – ältere Kassensysteme können Steuersätze mit Dezimalstellen gar nicht handhaben.
Es ist die allzu vorhersehbare Pointe einer Politikposse, die längst nicht mehr zum Lachen ist. Auch verteilungspolitisch stockt einem der Atem. Erst entlastet man die Haushalte bei einer Wertsteuer: Wer sich handgeschöpften Camembert aus der Normandie leisten kann, wird dabei stärker entlastet als jemand, bei dem es nur für den geschnittenen Gummikäse aus der Plastikverpackung reicht. Für den durchschnittlichen Haushalt liegt die Entlastung bei sechs Euro pro Monat; am oberen Ende der Einkommensskala ist es mehr, am unteren weniger. Und dann schafft es die Regierung nicht einmal, für diese magere Entlastung auf der Ausgabenseite fiskalische Spielräume zu schaffen, sondern braucht – es müsste das Unwort des Jahres sein – eine „Gegenfinanzierung“. Und die macht sie dann zu allem Überfluss über die Paketsteuer, die eine Mengensteuer ist: Ob eine Rolex im Päckchen ist oder Billigkram von Temu – die zwei Euro pro Sendung belasten alle gleich. Am Ende werden vor allem einkommensschwache Haushalte sogar schlechter austeigen als heute. Bei drei steuerpflichtigen Bestellungen pro Monat ist die Entlastung bei der Mehrwertsteuer nämlich schon wieder weg. Es ist ein verteilungspolitisches Desaster.
Sollte die Absicht des Ganzen gewesen sein, das Wahlvolk, das sich längst mehrheitlich von der Dreierkoalition abgewendet hat, zu beglücken, dann dürfte das gründlich nach hinten losgegangen sein. Die Haushalte spüren keine Entlastung, weil es netto ja auch keine gibt. Die Wirtschaft ist entsetzt, dass ausgerechnet eine Regierung, die sich den Bürokratieabbau auf die Fahne geschrieben hatte, nun den Mixer auf die höchste Stufe dreht und in der Umsatzsteuer herumfuhrwerkt wie ein Dreijähriger im Kuchenteig. Wer macht am Ende die Küche sauber?
Billige Lebensmittel, billiger Sprit und billige Mieten sind normalerweise die Lebensversicherung einer Regierung. Wie man das Kunststück fertigbringen kann, so an den Preisschrauben zu drehen, dass am Ende alle unzufrieden sind, bleibt wohl das Geheimnis dieser Koalition.
(Erstmals erschienen am 6. Juli 2026 in “Kurier”)
Ende dieser Woche will die Regierung konkrete Pläne für eine Steuerreform vorstellen. Sie plant die Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen zu entlasten. Doch wer wäre von einer Senkung überhaupt betroffen?
Effizienter organisierte Staaten wie die Schweiz oder auch Schweden heben deutlich mehr Steuern lokal ein. Das sorgt für mehr Kostenwahrheit auf der regionalen Ebene und damit auch für geringere Ausgaben insgesamt.
Österreich steckt in wirtschaftlich schweren Zeiten. Nach zwei Jahren Rezession beruht das Wachstum 2025 auf dem Prinzip Hoffnung. Aber zumindest die Staatsausgaben haben in Österreich nach wie vor Konjunktur. Auch wenn ein Defizitverfahren aus Brüssel angesichts der jüngsten blau-schwarzen Sparpläne gerade noch abgewandt werden konnte, wird e
Auch in normalen Zeiten gibt der Staat fast jedes Jahr immer mehr Geld aus. Mit der Corona-Krise sind die Ausgaben aber noch einmal deutlich stärker gestiegen. Das ist zwar nicht besonders überraschend, da der Staat in der Krise einspringen muss. Allerdings haben wir mittlerweile die Verluste durch Corona aufgeholt. Dennoch entwickeln wir uns imm
In der Öffentlichkeit suggeriert die Bundesregierung einen beinharten Sparkurs. In Wirklichkeit ist von der ausgabenseitigen Sanierung keine Spur.
Gegründet um das Land in wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Belangen zu öffnen und neue Antworten auf die großen Herausforderungen zu liefern.
Lernen Sie uns kennenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen