Foto: © Sandra Keplinger, KURIER / F. Gruber
Der Weltfrauentag ist ein Tag, an dem österreichische Frauen laut auf ihre Benachteiligung hingewiesen werden. Deutlich leiser bleibt die Debatte darüber, wo Freiheit tatsächlich unter Druck gerät.
Als Mutter einer Tochter macht man sich naturgemäß Gedanken über die Hürden, denen das eigene Kind später im Leben begegnen könnte – und man versucht, es behutsam dagegen zu wappnen. Doch welche Hürden sind das im Jahr 2026 in Österreich?
Wenn man der Arbeiterkammer oder UN Women Österreich glaubt, gewinnt man den Eindruck, dass der Weg zur Gleichberechtigung hierzulande noch immer lang und steinig ist. Junge Frauen erfahren in Kampagnen, dass sie trotz hoher Qualifikation schlechtere Jobchancen haben, dabei weniger verdienen als ihre männlichen Pendants und doppelt so hart arbeiten müssen, um am Ende nur die halbe Pension zu erhalten.
Dass die Lohnlücke seit Jahren deutlich schrumpft, wird dabei ignoriert. Ignoriert wird, dass sie mit unterschiedlichen Berufspräferenzen, Mutterschaft und der hohen Teilzeitquote zusammenhängt. Ignoriert wird, dass Frauen im Berufsleben formal gleichberechtigt sind und bei Bewerbungen häufig sogar bevorzugt werden. Ignoriert wird, dass die verbleibenden elf Prozent der Lohnlücke wissenschaftlich nicht erklärbar sind, stattdessen werden sie pauschal als Diskriminierung gedeutet.
Dabei wissen wir seit Jahren, was die Erwartung von Diskriminierung bewirken kann. 1979 führten die Sozialpsychologen Kleck und Strenta ein Experiment durch: Bewerber wurden für ein Gespräch mit einer auffälligen Narbe geschminkt. Kurz davor jedoch heimlich wieder abgeschminkt. Obwohl sie ohne Narbe ins Interview gingen, waren viele überzeugt, wegen ihrer „Entstellung“ benachteiligt worden zu sein. Neutrale Gesten wie Blickabwendung oder sachliche Distanz wurden als Stigmatisierung interpretiert. Das Experiment zeigte auf, dass nicht nur tatsächliche Benachteiligung unser Erleben prägt, sondern auch die Erwartung, benachteiligt zu werden.
Vielleicht hilft uns ein Blick in den Iran, um unsere Wahrnehmung der Realität wieder zu justieren. Dorthin, wo Frauen sich echten Unterdrückern entgegenstellen, sich unter Lebensgefahr das Tuch vom Kopf nehmen und sich eine Zigarette mit dem brennenden Bild des Ayatollahs anzünden. Dorthin, wo die freiheitliche Gegenwehr daran beteiligt war, ein mörderisches Regime ins Wanken zu bringen.
Diese mutigen Frauen sehe ich viel mehr als Vorbild für meine Tochter. Nicht Frauen (und Männer), die im Schutz liberaler Demokratien permanente Benachteiligung reklamieren, sondern Frauen, die unter echter Gefahr für ihre Selbstbestimmung einstehen.
Feminismus ist heute wohl wichtiger denn je. Aber nicht, um künstliche Opfererzählungen zu pflegen. Sondern um Freiheiten zu verteidigen, die für viele Frauen weltweit keine Selbstverständlichkeit sind und die auch bei uns aufgrund der wandelnden Demografie nicht unantastbar bleiben werden.
(Erstmals erschienen in “Die Presse” am 6.3.2026)
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