Zusammenfassung

Braucht Österreich eine Pensionsreform? Ist das bestehende Pensionssystem auf Dauer finanzierbar und generationengerecht? Sind die Reformen der Vergangenheit ausreichend? Über diese Frage wird in wechselnder Intensität, aber beinahe permanent diskutiert. Und dies praktisch seit Jahrzehnten.

Während viele Politiker der Meinung sind, dass das Pensionssystem mit leichten Korrekturen abzusichern sei, legen diverse Studien nahe, dass es höchste Zeit ist, das System grundlegend zu reformieren. Auch einige Politiker, zum Teil aus der Regierung, haben sich für eine weitgehende Änderung ausgesprochen.

Eingriffe in das Pensionssystem sind in der Bevölkerung nicht sehr beliebt. Länger zu arbeiten, mehr einzahlen zu müssen oder eine geringere Pension zu bekommen, führen nicht eben zu Jubelschreien. Aufgrund der demografischen Entwicklung – die Lebenserwartung steigt ständig und die starken Babyboomer-Jahrgänge gehen demnächst in Pension – ist jedoch nicht zu leugnen, dass der finanzielle Druck auf das staatliche Pensionssystem sukzessive steigen wird.

Daher drängt sich die Frage auf, ob eine Pensionsreform politisch überhaupt machbar ist: Wird eine Partei, die strengere Bestimmungen für den Ruhestand fordert, nicht automatisch die nächsten Wahlen verlieren? Einfach deswegen, weil eine Mehrheit der Wähler befürchtet, deswegen länger arbeiten zu müssen oder eine geringere Pension zu bekommen? Genau darum geht es in dieser Studie. Sie untersucht – zum ersten Mal in Österreich – die Interessenslage der Wähler in puncto Gestaltung des Pensionssystems: Wer gewinnt, wer verliert im Fall einer grundlegenden Umstellung auf ein System, in dem das Pensionsalter im Gleichklang mit der wachsenden Lebenserwartung steigen würde, so wie das in Schweden der Fall ist (Pensionsautomatik)? Dieses wäre nämlich dauerhaft finanzierbar.

In Österreich gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Pensionshöhe und der Lebenserwartung (wie lange die Pension voraussichtlich bezogen wird). Weil wir aber im Durchschnitt immer älter werden, gibt es eine wachsende Finanzierungslücke – der Staat (in irgendeiner Form also wir alle) muss jedes Jahr mehr Geld ins Pensionssystem zuschießen. 2014 waren dies mehr als acht Milliarden Euro. Das ist mehr als das Hypo Alpe Adria-Desaster in den nächsten Jahren jeweils kosten wird. 2045 wird sich dieser Zuschuss übrigens real verdreifachen.

In Schweden hingegen hängt die Pensionshöhe auch von der voraussichtlichen Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Pensionierung ab, die längere Bezugsdauer wird also automatisch berücksichtigt. Jeder Schwede sieht auf einen Blick, wie hoch seine Pension sein wird. Die auf das individuelle Pensionskonto eingezahlten Beiträge werden durch die offizielle statistische Lebenserwartung dividiert, woraus sich die zu erwartende Pensionshöhe ergibt. Das führt zu mehr Kostenwahrheit, weil kein Zuschuss aus dem Budget mehr nötig ist. Gleichzeitig gibt es eine Mindestpension, die ähnlich hoch ist wie in Österreich: Kein Schwede muss fürchten, unter eine bestimmte Grenze zu fallen, die vom Parlament festgelegt wird. Mehr als das hat die schwedische (Partei-)Politik in puncto Pensionen nicht mitzureden – im Gegensatz zu Österreich, wo die Pensionen regelmäßig Thema von Wahlkampfversprechungen sind.

Die Studie zeigt aber nicht nur die aktuelle Interessenslage der Wähler gegenüber einer möglichen Pensionsreform, die die Lebenserwartung einbezieht. Sie legt auch dar, wie sich das steigende Durchschnittsalter in Österreich auf die politische Machbarkeit einer Reform auswirkt: Bis wann, also bis zu welchem Jahr sind die Gewinner einer solchen Reform vor der Wahlurne noch in der Mehrheit? Ab wann die Verlierer?

Die Studienautoren unterstellen die Beibehaltung des staatlichen Umlageverfahrens, in dem das Pensionsantrittsalter mit der Lebenserwartung mitwächst (Pensionsautomatik) und vergleichen dieses reformierte Modell mit den plausibelsten Alternativen. Einerseits mit der von der Regierung präferierten zarten Reform, die einen Anstieg des durchschnittlichen Pensionsantrittsalters auf 61,1 Jahre bis 2030 vorsieht. Andererseits mit einer deutlich flotteren Reform, die einen Anstieg des Pensionsantrittsalters von 65 Jahren für Männer und Frauen bis 2020 unterstellt. Die Autoren beantworten also die Frage, wie das schwedische Modell aus Sicht der Wähler im Vergleich zu den Alternativen abschneidet, wie also auf ein finanziell nachhaltigeres und für die Jungen gerechteres Pensionssystem umgestellt werden könnte. Damit geben sie den politischen Entscheidungsträgern Antwort auf die essenzielle Frage: Wie gehe ich es am besten an, wenn das staatliche Pensionssystem dauerhaft und allen Generationen gegenüber fair abgesichert werden soll?