Österreich und TTIP: Geschichte einer Entfremdung

Widersprüchlichkeit scheint uns Menschen offensichtlich in die Wiege gelegt zu sein. Wir drängen auf den Klimaschutz und jetten ruhigen Gewissens in die Südsee. Wir beschweren uns ausgiebig über untalentierte Politiker, wären aber selbst niemals bereit, in die Politik zu gehen. Wir halten die steigende Arbeitslosigkeit für eine Folge der Ostöffnung, zählen aber zu den größten Profiteuren der geöffneten Grenzen. Wir schlüpfen noch schnell in die Sneakers von Nike, stecken das iPhone in die Tasche und eilen gestärkt mit einem Espresso von Starbucks zur nächsten Anti-TTIP-Veranstaltung. Weil der Freihandel ja so schrecklich ist.

Mit „wir“ sind die Bürger Österreichs gemeint. Die Bewohner jener kleinen, offenen Volkswirtschaft, die zu den größten Gewinnern des Freihandels zählen – und gleichzeitig zu den schärfsten Gegnern des Freihandelsabkommens mit den USA. Warum das so ist, wird mit einer sehr erfolgreichen Kampagne der TTIP-Gegner erklärt, die auf ohnehin tiefsitzende antiamerikanische Ressentiments trifft.

Warum ausgerechnet dieses Abkommen die Massen in Österreich so bewegt, hat unsere Neugierde geweckt. Haben die Gegner des Abkommens recht, wenn sie meinen, es würde nur den Großkonzernen nützen? Ist es tatsächlich so, dass wir mit TTIP den dringend benötigten Wachstumsschub zu erwarten haben, wie die Befürworter meinen? Oder laufen wir Gefahr, für etwas mehr Wachstum die Rechtsstaatlichkeit auf dem Altar von Konzerninteressen zu opfern?

Auch wenn viele Experten meinen, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU den erfolgreichen Abschluss der TTIP-Verhandlungen unwahrscheinlich mache, liefert Ihnen Hanno Lorenz auf den folgenden Seiten in komprimierter Form alles, was Sie über TTIP wissen sollten.